
Ölpreis explodiert: Trumps Kriegsrhetorik gegen Iran treibt Rohstoffmärkte in Panik
Die Welt steht am Rande einer der schwersten Energiekrisen der jüngeren Geschichte – und ein Mann am Rednerpult in Washington gießt weiter Öl ins Feuer. Wortwörtlich. US-Präsident Donald Trump hat in einer nationalen Ansprache angekündigt, den Iran in den kommenden zwei bis drei Wochen „extrem hart" treffen zu wollen. Die Reaktion der Märkte ließ nicht lange auf sich warten: Der Ölpreis schoss um satte zehn Prozent in die Höhe.
Brent und WTI kratzen an der 110-Dollar-Marke
Die Zahlen sprechen eine unmissverständliche Sprache. US-Rohöl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) kletterte auf 110,21 Dollar pro Barrel – ein Anstieg von zehn Prozent an einem einzigen Handelstag. Die internationale Benchmark-Sorte Brent legte um acht Prozent zu und notierte bei 109,25 Dollar. Wer geglaubt hatte, dass sich die Lage im Nahen Osten beruhigen würde, wurde eines Besseren belehrt.
Trump machte in seiner Rede das „iranische Regime" für die steigenden Ölpreise verantwortlich. Teheran lanciere „wahnsinnige Terrorangriffe gegen kommerzielle Öltanker und Nachbarländer, die mit dem Konflikt nichts zu tun haben", so der Präsident. Gleichzeitig betonte er, der Krieg werde nicht lange dauern und Gespräche mit dem Iran seien „im Gange". Eine diplomatische Lösung bleibe auf dem Tisch. „Wir werden die Sache zu Ende bringen, und zwar sehr schnell", erklärte Trump.
Die Straße von Hormus – Nadelöhr der Weltwirtschaft praktisch lahmgelegt
Das eigentliche Drama spielt sich jedoch nicht in Washington ab, sondern in einer der strategisch wichtigsten Wasserstraßen der Welt. Die Straße von Hormus, durch die einst ein Fünftel der globalen Öl- und Gasströme floss, ist seit Beginn des US-israelischen Militäreinsatzes gegen den Iran am 28. Februar praktisch zum Erliegen gekommen. Der Tankerverkehr steht still. Und er dürfte so schnell nicht wieder anlaufen.
Giles Alston, Analyst für politische Risiken bei Oxford Analytica, zeichnete ein düsteres Bild. Washington habe sich faktisch aus der Verantwortung für die Sicherheit der Durchfahrt zurückgezogen. „Es wird zunehmend klar, dass die USA die Frage, wie man sein Öl durch die Straße von Hormus bekommt, weitgehend anderen überlassen. Das müssen jetzt diejenigen klären, die Öl durch die Meerenge transportieren", sagte er. Eine bemerkenswerte Aussage, die nichts Geringeres bedeutet als: Die Supermacht Amerika lässt die Welt bei der Energieversorgung im Regen stehen.
Widersprüchliche Signale aus dem Weißen Haus
Was die Situation zusätzlich unberechenbar macht, ist Trumps geradezu schizophrene Kommunikationsstrategie. Noch am Dienstagabend hatte er erklärt, die US-Militäroperationen gegen den Iran würden in „zwei oder drei Wochen" heruntergefahren. Er schien den Sieg zu erklären – ohne dass ein Abkommen mit Teheran existierte. „Wir werden sehr bald abziehen", sagte er. Der Brent-Preis fiel daraufhin erstmals seit einer Woche unter die 100-Dollar-Marke.
Nur Stunden später dann die Kehrtwende. Auf seiner Plattform Truth Social verkündete Trump, der Iran habe um einen Waffenstillstand gebeten. Dieser werde jedoch nur in Betracht gezogen, wenn die Straße von Hormus „offen, frei und klar" sei. Und dann setzte er noch einen drauf: „Bis dahin bomben wir den Iran in die Vergessenheit oder, wie man so sagt, zurück in die Steinzeit!!!"
Die Islamische Republik wies Trumps Darstellung umgehend zurück. Die Wasserstraße werde nicht auf Grundlage der „absurden Auftritte" des US-Präsidenten wiedereröffnet. Die Meerenge stehe „entschieden und dominant unter der Kontrolle der IRGC-Marine", erklärte Teheran. Beide Seiten widersprechen sich seit Kriegsbeginn regelmäßig über die Existenz und den Status von Friedensverhandlungen – ein diplomatisches Verwirrspiel, das die Märkte in Atem hält.
Investoren zwischen Hoffen und Bangen
George Efstathopoulos, Portfoliomanager bei Fidelity International, brachte die Stimmung an den Märkten auf den Punkt. Die Investoren hätten sich auf ein „binäres Ergebnis" eingestellt: Entweder würde Trump den Ausstieg aus dem Krieg signalisieren oder eine weitere Eskalation ankündigen. „Offensichtlich befinden wir uns jetzt auf dem letzteren Pfad", konstatierte er nüchtern. Die Risikoaversion an den Märkten dürfte weiter zunehmen, solange die Unsicherheit anhalte.
Für Europa und insbesondere für Deutschland könnte diese Entwicklung kaum zu einem ungünstigeren Zeitpunkt kommen. Die ohnehin fragile deutsche Wirtschaft, die unter den Folgen der Energiewende, einer überbordenden Bürokratie und einer jahrelangen industriepolitischen Vernachlässigung leidet, wird durch explodierende Energiepreise zusätzlich unter Druck gesetzt. Die neue Große Koalition unter Bundeskanzler Friedrich Merz hat mit dem 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen bereits die Schuldenbremse faktisch ausgehebelt – steigende Energiekosten dürften die Inflation weiter anheizen und die ohnehin angespannte Haushaltslage verschärfen.
Gold als sicherer Hafen in stürmischen Zeiten
In Zeiten geopolitischer Verwerfungen dieses Ausmaßes zeigt sich einmal mehr, warum physische Edelmetalle als Vermögenssicherung unverzichtbar sind. Während Aktienmärkte unter der Risikoaversion leiden und Anleiherenditen von der Inflationsentwicklung aufgefressen werden, bewährt sich Gold seit Jahrtausenden als Krisenwährung. Wer sein Portfolio nicht ausschließlich den Launen eines unberechenbaren geopolitischen Umfelds ausliefern möchte, tut gut daran, physisches Gold und Silber als stabilisierendes Element in sein Anlageportfolio aufzunehmen.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Die dargestellten Informationen dienen ausschließlich der allgemeinen Information und spiegeln die Meinung unserer Redaktion wider. Jede Anlageentscheidung sollte auf Basis eigener, sorgfältiger Recherche und gegebenenfalls nach Rücksprache mit einem qualifizierten Finanzberater getroffen werden. Für etwaige Verluste, die aus der Nutzung der hier bereitgestellten Informationen resultieren, übernehmen wir keinerlei Haftung.

- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik











