
Orden für die Elite, Traktoren vor der Tür: Die EU feiert sich selbst – mit DDR-Charme

Während sich vor dem Europäischen Parlament in Straßburg die Traktoren wütender Landwirte stauen, zelebriert sich die Brüsseler und Straßburger Politprominenz drinnen selbst. Steigende Energiepreise, explodierende Düngerkosten, ein zermürbender Sanktionscocktail und der ökonomische Würgegriff einer realitätsfernen Agrarpolitik – das sind die Sorgen jener Menschen, die Europa eigentlich ernähren. Doch im Plenarsaal interessiert das offenbar niemanden. Hier werden Medaillen verteilt. Großzügig. An die immer gleichen Gesichter.
Ein Orden für die „Crème de la Crème“ – und ein Hauch von Honecker
Anlässlich des 75. Jahrestags der Schuman-Erklärung wurde der frisch erfundene „Europäische Verdienstorden“ aus der Taufe gehoben. Zwanzig Persönlichkeiten dürfen sich künftig damit schmücken, darunter Altkanzlerin Angela Merkel, der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, der frühere EZB-Chef Jean-Claude Trichet und Ex-Präsident Lech Wałęsa. Die offizielle Begründung: Sie verteidigten in unsicheren Zeiten „gemeinsame Werte“ wie „Frieden“, „Demokratie“ und „Menschenwürde“. Klingt vertraut? Eben.
Der BSW-Abgeordnete Fabio De Masi hat dafür eine Formulierung gefunden, die sitzt: Die „Inflation der Verdienstorden“ habe einen „Hauch von DDR“. Treffender lässt sich die Selbstbeweihräucherung einer abgehobenen politischen Klasse kaum beschreiben. De Masi blieb der Zeremonie fern und kritisierte, dass sich die großen Fraktionen einen Orden geschaffen hätten, den sie nun freihändig an die eigenen Leute und pensionierten Politiker verteilten. Eine Geste, die Bände spricht.
Leere Stühle, gefüllt mit Statisten
Besonders entlarvend: Der Saal blieb halbleer. Mitarbeiter des Europäischen Parlaments mussten kurzerhand die verwaisten Sitzplätze der Abgeordneten einnehmen – ein Bild, das selbst DDR-Inszenierungen alle Ehre gemacht hätte. Martin Sonneborn (Die Partei), der die Szenerie aus erster Reihe verfolgte, kommentierte das mit beißendem Spott: Beim nächsten Mal solle man wenigstens gut aussehende, gut gelaunte oder zumindest betrunkene Statisten organisieren. Oder Leute von der Straße holen. Selbst zu DDR-Zeiten, so Sonneborn, sei derartige Kulissenschieberei nicht nötig gewesen.
Selenskyj per Abwesenheit geehrt
Pikant: Der Hauptgast Wolodymyr Selenskyj erschien gar nicht erst. Geehrt wurde er trotzdem. Pikant auch, weil De Masi öffentlich daran erinnerte, dass der ukrainische Präsident selbst in den Pandora Papers mit Offshore-Konten auftauchte und Korruptionsvorwürfe gegen sein engstes Umfeld längst kein Geheimnis mehr sind. In Brüssel scheint das niemanden zu stören. Wer den richtigen politischen Soundtrack abspielt, bekommt eine Medaille – ob anwesend oder nicht.
Die ukrainische Juristin Oleksandra Matwijtschuk, immerhin Friedensnobelpreisträgerin von 2022, sprach in ihrer Rede ausführlich von Demokratie und Freiheit. Das Wort „Frieden“ kam ihr nicht über die Lippen. Stattdessen beendete sie ihren Auftritt mit dem Slogan „Slava Ukraini!“ – ein Gruß mit einer historisch durchaus ambivalenten Vergangenheit, der ursprünglich aus dem frühen 20. Jahrhundert stammt und 1941 von der kollaborierenden ukrainischen Nationalistenbewegung OUN-B offiziell, teils mit erhobenem Arm, als Gruß übernommen wurde. Im Plenarsaal des Europäischen Parlaments des Jahres 2026 gibt es dafür Applaus.
Eklat auf der Pressetribüne
Für einen Moment der unfreiwilligen Ehrlichkeit sorgte ein moldauischer Journalist. Als die moldauische Präsidentin Maia Sandu – gewählt im September, nachdem Teile der Opposition kurzerhand ausgeschlossen worden waren – mit Standing Ovations begrüßt wurde, sprang er auf und rief lautstark: „Maia Sandu ist eine Diktatorin! Sie fördert eine korrupte Politik!“ Zwei Personenschützer packten ihn an den Armen und führten ihn hinaus. Ein Lehrstück über den Zustand jener „Demokratie“, die hier so feierlich gepriesen wird.
Merkels Rede: Die alte Erzählung in neuem Gewand
Dann betrat Angela Merkel das Podium. Ursula von der Leyen hängte ihr die Medaille um – eine Geste, die wie ein Familienfoto der politischen Beharrungskräfte Europas wirkte. Merkel sprach von drei Versprechen der EU: Frieden, Wohlstand, Demokratie. Das Friedensversprechen sei erst durch den „barbarischen Angriff Russlands auf die Ukraine“ erschüttert worden, weshalb man nun zu einer Verteidigungsunion zurückkehre. Die Kriege im ehemaligen Jugoslawien – jene blutigen Konflikte mitten in Europa – erwähnte die Altkanzlerin nicht. Eine bemerkenswerte Gedächtnislücke.
Beim Stichwort Wohlstand verwies Merkel auf den „Mario-Draghi-Bericht“ und sprach von „viel Arbeit“, die noch zu tun sei. Eine Untertreibung sondergleichen, angesichts einer EU, die ihre industrielle Basis durch ideologisch motivierte Energiepolitik systematisch demontiert hat. Und beim dritten Punkt, der Demokratie, wurde es geradezu kühn: „Fakten und Gefühle werden vermischt“, sagte Merkel. „Dass man für Lügen nicht zur Rechenschaft gezogen wird, gefährdet die Grundlage der Demokratie.“ Ein Satz, der angesichts der Bilanz ihrer eigenen Kanzlerschaft – von der Grenzöffnung 2015 bis zur deutschen Energiepolitik – einen besonderen Beigeschmack hat.
Die Kluft wird immer größer
Während drinnen die Hymne ertönte und sich der Saal andächtig erhob, blockierten draußen die Traktoren der Landwirte die Straßen. Zwei Welten, die nicht weiter voneinander entfernt sein könnten. Auf der einen Seite eine politische Klasse, die sich selbst Orden verleiht und in einer Echokammer aus Selbstbestätigung lebt. Auf der anderen Seite die Bürger, die unter den Folgen genau jener Politik leiden, für die in Straßburg Medaillen ausgegeben werden.
Dass ausgerechnet Selenskyj und Merkel zu den Hauptpreisträgern zählen, ist symptomatisch. Es ist die Geschichte einer EU, die ihre eigenen Probleme nicht mehr zur Kenntnis nehmen will. Energiepreise, Deindustrialisierung, Migrationskrise, Bauernproteste, eine wachsende politische Entfremdung der Bürger – all das findet im Saal nicht statt. Stattdessen feiert sich die Brüsseler Blase selbst und nennt das „europäische Werte“.
Was bleibt vom großen Tag in Straßburg?
Ein Bild der Realitätsverweigerung. Ein Plenarsaal, dessen leere Plätze von Hilfskräften besetzt werden müssen. Ein Friedenspreis ohne das Wort „Frieden“. Ein Geehrter, der gar nicht erst kommt. Eine Altkanzlerin, die über Lügen spricht. Und draußen Landwirte, die nicht mehr wissen, wie sie ihren Hof retten sollen.
In Zeiten wie diesen, in denen politische Inszenierungen die Substanz ersetzen und die Geldpolitik der EZB den Wert von Ersparnissen kontinuierlich aushöhlt, wenden sich immer mehr Bürger physischen Edelmetallen wie Gold und Silber zu. Sie sind das Gegenteil von Brüsseler Symbolpolitik: greifbar, knapp, jahrtausendealt bewährt – und immun gegen Orden, Reden und Hymnen. Wer sein Vermögen langfristig vor politischer Willkür und monetärer Erosion schützen will, findet in einer breit gestreuten Beimischung physischer Edelmetalle eine sinnvolle Ergänzung zum eigenen Portfolio.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Die hier wiedergegebenen Einschätzungen entsprechen der Meinung unserer Redaktion auf Grundlage der vorliegenden Informationen. Jeder Leser ist verpflichtet, eigene Recherchen durchzuführen und bei Bedarf einen qualifizierten Berater hinzuzuziehen. Für Anlageentscheidungen trägt jeder Anleger die alleinige Verantwortung.

- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik










