
Pakt von Mekka: Ein Atomstaat, eine NATO-Armee und das Öl – und Europa schaut zu

Es sind Bilder, die man in Berlin vermutlich lieber weggeklickt hätte: Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman, der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan und Pakistans Regierungschef Shehbaz Sharif setzen in Mekka ihre Unterschriften unter ein Papier, das die Sicherheitsarchitektur einer ganzen Weltregion neu ordnen könnte. Das „Gemeinsame Verteidigungsabkommen von Mekka“ enthält eine Klausel, die aus dem NATO-Vertrag nur allzu vertraut klingt: Ein bewaffneter Angriff auf einen der drei Staaten gelte als Angriff auf alle.
Wer hier was einbringt – und warum das jeden Europäer angehen sollte
Die Arbeitsteilung dieses Dreiecks ist von brutaler Klarheit. Die Türkei stellt nach eigenem Selbstverständnis die zweitgrößte Armee der NATO und eine Rüstungsindustrie, die von Drohnen bis zur Schiffbautechnik längst zu den Exportschlagern des Landes zählt. Saudi-Arabien liefert das Kapital – und die Kontrolle über einen der wichtigsten Ölhähne des Planeten. Pakistan bringt militärische Kampferfahrung mit. Und Atomwaffen.
Ein in Islamabad ansässiger Verteidigungsanalyst beschrieb den Pakt als natürliche Fortschreibung jahrzehntelanger Beziehungen: Pakistan habe saudische Streitkräfte über Generationen hinweg ausgebildet, Ankara und Islamabad hätten Kriegsschiffe und Schulflugzeuge getauscht, Riad zähle zu den großen Abnehmern türkischer Drohnen. Neu ist also nicht die Zusammenarbeit. Neu ist, dass sie nun einen Vertragstext hat.
Was nicht drinsteht, ist ebenso interessant
Nachrichtenagenturen weisen darauf hin, dass die gemeinsame Erklärung bemerkenswert vage bleibe. Konkrete Verpflichtungen? Fehlanzeige. Wie weit sich die drei Partner tatsächlich militärisch aneinander binden, bleibe offen. Diplomatische Sprachkunst, die alles und nichts bedeuten kann – je nachdem, wer sie später auslegt.
Offiziell versichern alle Beteiligten, man richte sich gegen niemanden. Der türkische Vizepräsident Cevdet Yilmaz betonte, das Abkommen ziele auf kein bestimmtes Land. Ein türkischer Regierungsvertreter nannte es rein defensiv und offen für weitere Staaten. Aus Riad hieß es, es handele sich weder um eine Militärachse noch um einen konfessionellen Block, und mit nuklearen Ambitionen oder einem Wettrüsten habe man nichts im Sinn.
Man muss schon sehr gutgläubig sein, um zu glauben, dass ein Bündnis aus Ölmacht, NATO-Armee und Nuklearstaat lediglich zur Pflege der Freundschaft geschlossen wird.
Der Adressat heißt Teheran – zumindest nach Ansicht der Analysten
Ein Politikwissenschaftler der Universität Birmingham erklärte gegenüber AFP, das Bündnis sei eindeutig auf den Iran zugeschnitten. Es solle dem strategischen Kurs Teherans entgegenwirken, der auf die Vorherrschaft in der Golfregion abziele. Türkei und Pakistan könnten dank ihrer gemeinsamen Grenzen zum Iran eine andere Art von Druck aufbauen als Riad allein. Der Leiter des Ankara-Büros eines transatlantischen Thinktanks sieht darin vor allem den Wunsch nach regionaler Stabilität – wobei Ankara wie Riad sowohl den Iran als auch Israel als destabilisierend wahrnähmen, mit unterschiedlichen Schwerpunkten.
Aus Jerusalem kam keine Stellungnahme. Der Iran schwieg offiziell; ein Mitglied der außenpolitischen Parlamentskommission ließ auf X lediglich verlauten, ein „Papierabkommen“ werde Saudi-Arabien keine Sicherheit verschaffen. Spott ist billig – Abschreckung nicht.
Und was macht Europa?
Während sich in Mekka eine neue Machtachse formiert, debattiert man hierzulande über Sprachleitfäden, Heizungsvorschriften und die Frage, wie viele Milliarden man noch in ein Sondervermögen packen kann, das am Ende doch nur Schulden heißt. Es ist eine Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet ein NATO-Mitglied – die Türkei – seine sicherheitspolitische Zukunft offenbar nicht mehr ausschließlich im westlichen Bündnis sucht, sondern parallele Strukturen aufbaut. Wer in Brüssel und Berlin jahrelang so tat, als sei Geopolitik ein Relikt des 20. Jahrhunderts, bekommt nun die Rechnung präsentiert.
Denn die Konsequenzen wären für Deutschland alles andere als abstrakt. Eine Eskalation am Golf, ein Streit um die Straße von Hormus, eine Unterbrechung der Öl- und Gasströme – und schon würde jeder Tankfüllung, jeder Stromrechnung, jedem Supermarktregal ein Preisschub drohen. Eine Volkswirtschaft, die ihre eigene Energieversorgung aus ideologischen Gründen demontiert hat, ist gegen solche Schocks so wehrhaft wie ein Kartenhaus im Sturm.
Die alte Lektion: Papier ist geduldig, Substanz nicht
Man mag über die Reichweite dieses Pakts streiten. Sicher ist: Die Welt ordnet sich neu, in Blöcken, Achsen und Interessenkoalitionen – und der Westen ist dabei nicht mehr automatisch der Taktgeber. In solchen Phasen haben Anleger über Jahrhunderte hinweg gelernt, dass Vermögen, das man physisch besitzt, unabhängig von der Zahlungsfähigkeit eines Staates oder der Laune einer Zentralbank bestehen bleibt. Gold und Silber kennen keine Beistandsklausel – sie brauchen keine.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Die hier geäußerten Einschätzungen geben die Meinung der Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser ist verpflichtet, sich eigenständig zu informieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen selbst. Eine Haftung für Vermögensschäden ist ausgeschlossen.

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