
Papst-Beben in Paris: Leo XIV. liest Macron die Leviten!

Hunderttausende an den Straßen, 800.000 Gläubige auf der Place de la Concorde und ein Präsident, der sich eine deutliche Ansage anhören musste. Papst Leo XIV. hat bei seiner viertägigen Frankreichreise mit Stationen in Paris, Lourdes und Metz das Mutterland des Laizismus aufgewühlt. Beim Treffen mit Emmanuel Macron stellte er klar, was er von einer Staatsdoktrin hält, die den Glauben aus dem öffentlichen Leben verdrängt.
Die Lektion im Élysée
Der Satz traf. Beim Treffen am Freitag hielt der Pontifex dem Staatschef entgegen:
„Gerechter Laizismus besteht nicht daraus, die Religion aus dem öffentlichen Raum zu verbannen.“
Damit nicht genug: Leo XIV. kritisierte auch ein Gesetz, das Schwerkranken den assistierten Suizid ermöglicht. Seit 2024 steht in Frankreich zudem die „Freiheit zur Abtreibung“ in der Verfassung. Die katholische Kirche lehnt beides entschieden ab. Das ist ein Frontalangriff auf zwei Prestigeprojekte des linksliberalen Zeitgeists, ausgesprochen mitten in Paris.
Der Messe blieb Macron fern und verwies dabei auf die Trennung von Staat und Kirche. Medienberichten zufolge soll der Vatikan zuvor Macrons Einladung zu einem Galadiner und die Verleihung der Ehrenlegion abgelehnt haben. Seine Frau Brigitte nahm dennoch teil, ebenso die Oppositionspolitikerin Marine Le Pen.
Eine Messe am Ort der Guillotine
Der Ort war mit Bedacht gewählt. Auf der Place de la Concorde rollten während der Französischen Revolution die Köpfe, rund 1.000 Menschen wurden dort enthauptet, darunter Ludwig XVI. und Marie Antoinette. Die Revolutionäre verdrängten den Katholizismus damals durch eine politische Ersatzreligion, den „Kult des höchsten Wesens“.
Ausgerechnet dort predigte der Papst, dass materieller Besitz den Durst der Seele nicht stillen könne, sondern nur der Glaube. Man erinnert sich: Bei der Olympia-Eröffnung 2024 inszenierte der französische Staat noch eine geköpfte Marie Antoinette, rote Luftschlangen sollten das Blut darstellen. Zwei Jahre später jubeln an fast derselben Stelle Hunderttausende dem Nachfolger Petri zu. Auf einem Plakat stand: „Frankreich liebt Jesus“.
Die stille Renaissance in Zahlen
Ist das mehr als ein Event? Die Zahlen deuten auf einen echten Trend hin. Laut dem nationalen Demografieinstitut gaben 2020 noch 53 Prozent der 18- bis 49-Jährigen an, keiner Religion anzugehören. Der Katholikenanteil fiel von 49 Prozent im Jahr 2010 auf 29 Prozent, der Anteil der Muslime stieg im selben Zeitraum von einem auf zehn Prozent.
Gleichzeitig steigt aber die Zahl der Erwachsenentaufen stark an:
- 2016: rund 4.000 Erwachsenentaufen
- Ostern 2025: etwa 10.000 Täuflinge
- Osternacht 2026: rund 13.000 Täuflinge
Laut Vatican News stammt etwa die Hälfte der Taufbewerber aus atheistischen Familien. Der Anteil ehemaliger Muslime liegt seit Jahren zwischen drei und sieben Prozent.
Jeanne d'Arc statt Revolutionspathos
Bei der Vigil am Freitagabend mit 80.000 jungen Menschen erinnerte ein aufwendiges Schauspiel an die christlichen Wurzeln des Landes. Zu sehen waren römische Streitwagen, gefesselte Märtyrer wie die heilige Blandina und Nationalheldin Jeanne d'Arc in Ritterrüstung, die im 15. Jahrhundert gegen England kämpfte und mit 19 Jahren verbrannt wurde. Dazu sang man die Hymne „Christus vincit“.
Strohfeuer oder Wende?
Es war der erste apostolische Besuch eines Papstes in Paris seit 18 Jahren. Die muslimische Gruppe Miséricorde pour l'Humanité France warnte angesichts der Begeisterung sogar, Frankreich werde in 45 Jahren wieder katholisch sein.
Ob es so kommt, entscheidet jeder Einzelne. Eines hat Paris aber gezeigt: Ein Volk, dem Politik und Kulturbetrieb jahrzehntelang die eigenen Wurzeln madig gemacht haben, sucht wieder nach Halt, nach Tradition und nach Werten, die länger halten als die nächste Legislaturperiode. Das dürfte man auch in Berlin aufmerksam verfolgen.
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