
Patt in Peking: EU und China verhaken sich bei Medizintechnik und Autos

Zwei Tage hinter verschlossenen Türen, am Ende steht eine Blockade. Chinas Vize-Handelsminister Ling Ji und die Generaldirektorin für Handel der EU-Kommission, Ditte Juul Jørgensen, haben am Mittwoch und Donnerstag in Peking verhandelt. Bei Medizinprodukten gebe es weiterhin keine Bewegung, berichtet eine mit den Gesprächen vertraute Quelle. Über mögliche Schutzmaßnahmen gegen chinesische Plug-in-Hybride werde dagegen noch „intensiv“ beraten.
Die Treffen sollten die zweite Runde eines neuen Handelsdialogs zwischen Brüssel und Peking vorbereiten. Viel Grund zur Freude gibt es danach nicht.
Frust auf chinesischer Seite, Schweigen in Brüssel
Aus chinesischen Kreisen hieß es zuletzt, die Verhandlungen seien schwierig. Man sei verärgert, weil die EU sich unbeweglich zeige. Die EU-Kommission wollte die Gespräche nicht kommentieren, Chinas Handelsministerium antwortete zunächst nicht auf Anfragen.
Brüssel steht unter Zeitdruck. Jørgensen hatte Anfang September vor Europaabgeordneten erklärt, die laufenden Gespräche müssten bis Oktober greifbare Ergebnisse bringen. Für Mitte Oktober ist ein EU-China-Gipfel geplant. Die Gespräche seien „offen, aber schwierig“, sagte die Dänin damals. Klappe es nicht, werde die EU ihre bestehenden Instrumente zur Handelsverteidigung einsetzen.
Streitfall Medizintechnik: Wie du mir, so ich dir
Der Streit um Medizinprodukte schwelt seit Jahren. Im Juni 2025 hat die Kommission zum ersten Mal ihr Internationales Beschaffungsinstrument (IPI) genutzt. Seitdem dürfen sich chinesische Anbieter nicht mehr an öffentlichen EU-Ausschreibungen für Medizinprodukte ab fünf Millionen Euro beteiligen. Außerdem darf höchstens die Hälfte des Auftragswerts aus China stammen.
Die Begründung der Kommission: Nach ihren Angaben liefen 87 Prozent der chinesischen Ausschreibungen für Medizintechnik unter Bedingungen ab, die europäische Anbieter benachteiligten. Gleichzeitig haben sich die chinesischen Exporte solcher Produkte in die EU zwischen 2015 und 2023 mehr als verdoppelt. Europa hatte seinen Markt geöffnet, China seinen weitgehend verschlossen. Peking reagierte auf die EU-Maßnahme sofort und sperrte europäische Firmen im selben Sektor von staatlichen Aufträgen aus.
Hybride als Schlupfloch
Beim Thema Auto geht es für die deutsche Industrie um viel. Seit Oktober 2024 erhebt die EU Ausgleichszölle zwischen 7,8 und 35,3 Prozent auf reine Elektroautos aus China. Für Plug-in-Hybride gelten diese Zölle aber nicht. Chinesische Hersteller verkaufen deshalb verstärkt Hybride in Europa.
Die Zahlen sind deutlich. Medienberichten zufolge stiegen die Importe chinesischer Hybride von rund 3.800 Fahrzeugen im Oktober 2024 auf etwa 50.000 im Juli 2026. Im zweiten Quartal 2026 kamen demnach 47,2 Prozent aller neu zugelassenen Plug-in-Hybride in der EU von chinesischen Marken.
Klingbeil drängt, Brüssel verhandelt
Berichten zufolge hat die EU Peking gebeten, die Hybrid-Exporte freiwillig auf etwa 15 Prozent des europäischen Marktes zu begrenzen. Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) forderte kürzlich bei einem Besuch in der Volkswagen-Zentrale in Wolfsburg Handelsmaßnahmen auch gegen importierte Plug-in-Hybride sowie strengere Vorgaben für europäische Wertschöpfung.
Das klingt entschlossen. Kritiker dürften trotzdem fragen, warum Berlin und Brüssel die Hybrid-Lücke erst jetzt schließen wollen, zwei Jahre nachdem die Elektroauto-Zölle eingeführt wurden. Aus ihrer Sicht haben Deutschlands Autobauer schon genug zu tragen: hohe Energiepreise, Bürokratie und die Vorgaben der EU-Klimapolitik.
Was jetzt auf dem Spiel steht
Bis zum Gipfel bleiben nur noch wenige Wochen. Setzt Brüssel Schutzmaßnahmen durch, könnte Peking zurückschlagen, wie im Fall der Medizintechnik. Leidtragende wären dann vermutlich exportstarke Branchen, darunter die deutsche Industrie.
Für Sparer ist der Konflikt ein weiteres Zeichen, dass die Weltwirtschaft unsicherer wird und politische Entscheidungen schwerer vorherzusagen sind. In solchen Phasen setzen viele Anleger seit jeher auf physisches Gold und Silber als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Meinung unserer Redaktion und die uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger sollte selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.
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