
Politischer Fußball: Rom erteilt Trumps WM-Posse eine Abfuhr

Wenn Sport und Geopolitik aufeinanderprallen, werden die Spielregeln mitunter bis zur Unkenntlichkeit verbogen. Genau das geschah in dieser Woche, als ein Gesandter des US-Präsidenten Donald Trump offenbar auf die bemerkenswerte Idee verfiel, den für die Fußball-Weltmeisterschaft qualifizierten Iran einfach durch Italien zu ersetzen. Der Vorschlag sorgte in Rom für ungläubiges Kopfschütteln – und eine ebenso deutliche wie prompte Absage.
Rom hält am sportlichen Prinzip fest
Italiens Sportminister Andrea Abodi ließ keinen Zweifel daran, wie er die Offerte aus Washington einzuschätzen habe. „Erstens, es ist nicht möglich. Und zweitens ist es nicht angebracht – man qualifiziert sich auf dem Rasen", erklärte der Minister laut Berichten italienischer Nachrichtenagenturen. Ein Satz, der in seiner Schlichtheit bemerkenswert viel über das Selbstverständnis eines viermaligen Weltmeisters verrät. Denn Italien hatte sich bekanntlich gerade nicht qualifiziert – die Squadra Azzurra war in den Playoffs an Bosnien-Herzegowina gescheitert, eine sportliche Demütigung, die man in Italien nicht eben gern nachbetet.
Umso beachtlicher, dass Rom trotz dieser schmerzhaften Niederlage den bequemen Einstieg durch die Hintertür ablehnt. Wer Weltmeister werden will, muss sich dafür qualifizieren – ein Grundsatz, der in Zeiten politischer Winkelzüge fast schon altmodisch anmutet.
Ein „Traum" aus Washington
Der US-Sondergesandte Paolo Zampolli hatte gegenüber der „Financial Times" erklärt, es wäre ein „Traum", den viermaligen Weltmeister Italien bei dem Turnier zu sehen. Man mag diesen Traum für sympathisch halten – allein, er offenbart eine Denkweise, die den Sport zunehmend als Verlängerung der Außenpolitik betrachtet. Wenn ein sportlich qualifizierter Teilnehmer nicht ins politische Konzept passt, wird er eben ausgetauscht. So einfach scheint die Logik in Washington gestrickt zu sein.
Hintergrund ist der militärische Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran, der im Juni dramatisch eskaliert war. Israelische Angriffe auf iranische Atomanlagen und iranische Raketenschläge gegen Israel haben die Region an den Rand eines Flächenbrandes gebracht. In diesem Klima einen Iran, dessen Spieler für Partien in Los Angeles und Seattle einreisen sollten, bei einer WM auf amerikanischem Boden zu empfangen, erscheint der Trump-Administration offenbar als diplomatisches Ärgernis.
Teheran sucht Ausweg über Mexiko
Der iranische Fußballverband FFIRI hat bereits reagiert und verhandelt nach eigenen Angaben mit der FIFA darüber, die WM-Spiele des Landes von den USA nach Mexiko zu verlegen. Das Teamquartier war ursprünglich im Bundesstaat Arizona vorgesehen – eine Planung, die angesichts der aktuellen Spannungen zunehmend unrealistisch wirkt. Ob die iranische Mannschaft am Ende überhaupt anreisen wird, bleibt derzeit völlig offen.
Sport als Spielball der Weltpolitik
Die Episode zeigt einmal mehr, wie sehr der Profisport längst zum Instrument politischer Interessen geworden ist. Die Weltmeisterschaft, die vom 11. Juni bis zum 19. Juli in den USA, Mexiko und Kanada stattfindet, wird nicht nur auf dem Rasen entschieden – sie wird schon vorher an Verhandlungstischen, in Botschaften und auf Regierungsfluren umkämpft. Dass ausgerechnet Italien nun als Tauschobjekt ins Spiel gebracht wurde, hat einen bitteren Beigeschmack: Der Vorschlag degradiert den sportlichen Wettkampf zur Verhandlungsmasse.
Dass Rom dieser Versuchung widerstanden hat, verdient Respekt. Denn so reizvoll eine WM-Teilnahme für ein fußballverrücktes Land wie Italien wäre – die Glaubwürdigkeit des Sports wiegt offenbar schwerer. Ein Prinzip, das in einer Zeit, in der immer mehr Bereiche des öffentlichen Lebens politischen Zielsetzungen untergeordnet werden, fast schon als stiller Protest gegen den Zeitgeist gelesen werden kann.
Ob die FIFA am Ende einen Weg findet, die sportliche und die politische Logik miteinander zu versöhnen, bleibt abzuwarten. Klar ist nur: Die diesjährige Weltmeisterschaft wird nicht allein von den Toren auf dem Platz entschieden werden – sondern auch von den Manövern abseits davon.
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