
Politisches Erdbeben auf der Insel: Ex-Innenministerin Braverman kehrt den Tories den Rücken

Was sich in Großbritannien gerade abspielt, dürfte manchem deutschen Konservativen die Tränen in die Augen treiben – allerdings vor Neid. Die ehemalige britische Innenministerin Suella Braverman hat einen Schritt gewagt, der in der deutschen Politik undenkbar erscheint: Sie hat ihre politische Heimat bei den Konservativen verlassen und ist zu Reform UK übergelaufen. Ein Paukenschlag, der die ohnehin angeschlagenen Tories weiter in die Defensive drängt.
Ein emotionaler Moment auf der Londoner Bühne
Die Szene hatte durchaus etwas Theatralisches. Nigel Farage, der charismatische Vorsitzende von Reform UK, verkündete auf einer Veranstaltung für Kriegsveteranen in London die frohe Botschaft. Kurz darauf betrat Braverman selbst die Bühne und sprach Worte, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig ließen: „Ich fühle mich, als wäre ich nach Hause gekommen." Eine Aussage, die wie eine schallende Ohrfeige für ihre ehemalige Partei wirken muss.
Die 44-jährige Politikerin, die unter Premierministerin Liz Truss zur Innenministerin aufstieg, machte keinen Hehl aus ihrer Frustration über den Zustand ihres Landes. Großbritannien sei „zerbrochen", die Einwanderung „außer Kontrolle geraten". Worte, die man auch hierzulande nur allzu gut nachvollziehen kann, wenn man die täglichen Meldungen über Messerangriffe und explodierende Kriminalitätsstatistiken verfolgt.
Die Tories bluten aus – Reform UK erstarkt
Mit Bravermans Übertritt steigt die Zahl der Reform-Abgeordneten im britischen Unterhaus auf acht. Was zunächst bescheiden klingen mag, ist in Wahrheit der Beginn einer tektonischen Verschiebung in der britischen Parteienlandschaft. Bereits zuvor hatten sich Andrew Rosindell, Robert Jenrick, Danny Kruger und Lee Anderson von den Konservativen abgewandt und den Weg zu Farage gefunden.
Die Umfragewerte sprechen eine unmissverständliche Sprache: Reform UK liegt derzeit bei 29,1 Prozent und ist damit die mit Abstand stärkste politische Kraft im Vereinigten Königreich. Die einstmals stolze Konservative Partei, die das Land über Jahrzehnte prägte, scheint in einer existenziellen Krise gefangen zu sein.
Bravermans Abrechnung mit dem Establishment
In ihrer Rede zeichnete die ehemalige Innenministerin ein düsteres Bild der Lage. Nicht nur innenpolitisch, auch außenpolitisch sieht sie Großbritannien am Abgrund: „Wir können uns nicht einmal selbst verteidigen, und unsere Nation steht schwach und gedemütigt auf der Weltbühne da." Eine Diagnose, die erschreckend an die Situation in Deutschland erinnert, wo eine kaputtgesparte Bundeswehr und eine orientierungslose Außenpolitik das Land zum Gespött der internationalen Gemeinschaft machen.
Braverman sprach von einem „Scheideweg", vor dem ihr Land stehe. Man könne entweder den „Weg des kontrollierten Niedergangs" weitergehen oder das Land „wieder in Ordnung bringen". Diese Worte könnten ebenso gut an deutsche Wähler gerichtet sein, die sich fragen, wie lange sie den Kurs der etablierten Parteien noch mittragen wollen.
Der Rauswurf durch Sunak als Wendepunkt
Bravermans Bruch mit den Tories hat eine Vorgeschichte. Im November 2023 wurde sie von Premierminister Rishi Sunak aus dem Amt entlassen. Der Anlass? Sie hatte den ihrer Meinung nach zu nachsichtigen Umgang der Sicherheitsbehörden mit propalästinensischen Demonstranten kritisiert. Als es daraufhin zu Gegendemonstrationen kam, wurde ausgerechnet sie dafür verantwortlich gemacht. Ein klassisches Beispiel dafür, wie das politische Establishment jene abstraft, die unbequeme Wahrheiten aussprechen.
Ein Vorbild für deutsche Konservative?
Was in Großbritannien geschieht, sollte auch hierzulande aufmerksam beobachtet werden. Während in Deutschland konservative Politiker der Union eisern an ihrer Brandmauer festhalten und lieber mit Linken und Grünen paktieren, als auch nur in die Nähe der AfD zu geraten, zeigen ihre britischen Kollegen mehr Rückgrat. Sie erkennen, dass eine Partei, die ihre Grundwerte verrät, keine Heimat mehr sein kann.
Die Frage drängt sich auf: Wie viele deutsche CDU-Politiker haben innerlich längst das Parteibuch gewechselt, trauen sich aber nicht, diesen Schritt auch öffentlich zu vollziehen? Wie lange noch werden sie eine Politik mittragen, die Deutschland in den Abgrund führt – nur um ihre Pöstchen und Pfründe zu sichern?
Großbritannien zeigt, dass politischer Wandel möglich ist, wenn mutige Menschen bereit sind, aus ihrer Komfortzone auszubrechen. Suella Braverman hat diesen Schritt gewagt. Es bleibt zu hoffen, dass ihr Beispiel auch diesseits des Ärmelkanals Schule macht – bevor es zu spät ist.

- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik











