
Pulverfass Hormus: Wie Trumps Wildwest-Manöver die Welt an den Rand des Ölschocks treibt
Der dritte Monat des Krieges zwischen den USA, Israel und dem Iran offenbart mit jeder Stunde brutaler, was passiert, wenn Großmachtpolitik die Geduld der Diplomatie verliert. In der Straße von Hormus, jener schmalen Wasserader, durch die ein Viertel des global gehandelten Erdöls fließt, lieferten sich die US-Marine und iranische Streitkräfte am gestrigen Abend erneut heftige Gefechte. Drei Zerstörer der Arleigh-Burke-Klasse seien laut US Central Command mit Raketen, Drohnen und Schnellbooten attackiert worden. Washington antwortete mit Schlägen gegen Raketenstellungen und Kommandoposten. Aus Teheran wurden ebenfalls Detonationen gemeldet, die Luftabwehr stand unter Dauerfeuer.
Der Cowboy im Oval Office
Donald Trump zeigte sich in gewohnter Manier ungerührt. „Sie haben heute mit uns gespielt. Wir haben sie weggepustet", verkündete er. Auf Truth Social drohte er, Teheran „härter und gewaltsamer" zu treffen, sollte nicht „SCHNELL" ein Deal unterzeichnet werden. Gleichzeitig beteuert er, die Waffenruhe sei „in Kraft". Es ist die paradoxe Sprache eines Mannes, der Krieg führt und Frieden predigt – und beides zugleich zu verlieren droht.
Besonders pikant: Die USA haben das Ruder des iranischen Tankers M/T Hasna im Golf von Oman zerstört, das Schiff gekapert und die Ladung beschlagnahmt. Trump selbst formulierte es mit entwaffnender Offenheit:
„Wir haben uns das Schiff genommen, wir haben uns die Fracht genommen, wir haben uns das Öl genommen. Wir sind wie Piraten. Wir sind so etwas wie Piraten, aber wir spielen keine Spielchen."
Völkerrecht? Ein lästiges Detail
Außenminister Marco Rubio bezeichnete die US-Operation als „defensive Maßnahme", obwohl eine Seeblockade nach klassischem Kriegsvölkerrecht selbst einen Kriegsakt darstellt. Sie setzt einen internationalen bewaffneten Konflikt voraus, muss erklärt und unparteiisch durchgesetzt werden. Die War Powers Resolution, die den US-Präsidenten verpflichtet, militärische Einsätze nach 60 Tagen vom Kongress legitimieren zu lassen, behandelt Trump als Makulatur. Rubio bezeichnete das Gesetz schlicht als „hundertprozentig verfassungswidrig". Man halte sich nur „aus Höflichkeit" an die Notifizierungspflichten.
Selbst innerhalb der Republikanischen Partei wachsen die Zweifel. Der republikanische Abgeordnete Tom Barrett aus Michigan, ein Armeeveteran, hat einen Gesetzentwurf eingebracht, der Bodentruppen weitgehend ausschließen und das Mandat zum 30. Juli auslaufen lassen würde. Auch die republikanische Senatorin Lisa Murkowski arbeitet an einer ähnlichen Vorlage.
Risse zwischen Washington und Riad
Die vielleicht folgenreichste Wendung: Kronprinz Mohammed bin Salman habe Trump nach Berichten der New York Times die Nutzung des saudischen Luftraums und von US-Stützpunkten verweigert. Ohne saudische Luftunterstützung war die Tankerbegleitung „Project Freedom" schlicht nicht durchführbar. Trump musste seine eigene Operation nach weniger als 24 Stunden einstellen und verkaufte den Rückzieher als „Pause" zugunsten diplomatischer „Fortschritte". Noch im März habe der Kronprinz Trump zur Fortsetzung der Bombardierungen bis zum Regimewechsel gedrängt – nun, da dieser ausbleibt, treibe Riad über den Mediator Pakistan eine diplomatische Lösung voran.
Die nukleare Verhandlung
Drei iranische Regierungsvertreter sollen gegenüber der New York Times bestätigt haben, dass ein einseitiges Memorandum verhandelt werde: Aufhebung der US-Blockade, Wiedereröffnung der Straße von Hormus und eine 30-tägige Feuerpause. Strittig bleibt das Atomprogramm. Washington fordere die Abgabe des hochangereicherten Urans, die Schließung dreier Anlagen und ein 20-jähriges Anreicherungsverbot. Teheran biete eine teilweise Abreicherung, die Verbringung des Restbestands nach Russland und eine Pause von zehn bis 15 Jahren an – ohne Schließung der Anlagen.
Deutschland zahlt die Zeche
Während die USA als Netto-Exporteur von Energie laut eigener Aussage „etwas isoliert" sind, trifft die Eskalation Europa mit voller Wucht. Der Brent-Preis sprang nach den Gefechten um bis zu 2,5 Prozent auf knapp 103 Dollar pro Barrel, WTI legte zeitweise um drei Prozent auf über 97 Dollar zu. In den USA überschritt der Benzinpreis erstmals seit Juli 2022 die Marke von 4,50 Dollar pro Gallone.
Für Deutschland, das anders als Saudi-Arabien keine Pipeline besitzt, die den Persischen Golf umgeht, bedeutet diese Lage höhere Sprit- und Heizölpreise, steigende Frachtraten, zusätzlichen Inflationsdruck und eine erneute Belastung der ohnehin schwer angeschlagenen Industrie. Düngemittel, die im Persischen Golf feststecken, gefährden die nächste europäische Erntesaison und damit die Nahrungsmittelpreise. Die Bundesregierung unter Friedrich Merz, die mit einem 500-Milliarden-Euro-Schuldenberg ohnehin die Inflation weiter anheizt, dürfte vor enormen Herausforderungen stehen. Wer in Berlin heute noch glaubt, man könne sich auf Washington blind verlassen, wird vom Realitätsschock eingeholt: Trump spielt sein eigenes Spiel – Europa ist Statist, nicht Mitspieler.
Die Lehre für den klugen Anleger
Während Politiker um Worte ringen und Kriegsschiffe Salven austauschen, zeigt sich einmal mehr, wie zerbrechlich das globale Wirtschaftsgefüge wirklich ist. Wer auf Aktien, Anleihen oder rein digitale Vermögenswerte setzt, vertraut letztlich auf das Funktionieren von Lieferketten, Handelsrouten und politischer Vernunft. Eine einzige Meerenge auf der anderen Seite des Globus reicht aus, um Inflationsraten zu sprengen und Vermögen entwerten zu lassen. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben in solchen Phasen historischer Verwerfungen ihre Funktion als Stabilitätsanker und Vermögensschutz immer wieder bewiesen. Sie sind unabhängig von Tankern, Pipelines und Cowboy-Politikern – und genau das macht sie in Zeiten geopolitischer Brandherde zu einer sinnvollen Beimischung in jedem breit aufgestellten Portfolio.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Die hier geäußerten Einschätzungen entsprechen der Meinung unserer Redaktion und den uns vorliegenden Informationen. Jeder Anleger ist verpflichtet, sich eigenständig zu informieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen selbst. Bei Bedarf sollte ein unabhängiger Finanzberater konsultiert werden.

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