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03.02.2026
14:38 Uhr

Radikaler Vorschlag: Ökonom fordert Ende des kostenlosen Studiums in Deutschland

Radikaler Vorschlag: Ökonom fordert Ende des kostenlosen Studiums in Deutschland

Ein renommierter Wirtschaftswissenschaftler sorgt mit einer provokanten Forderung für Aufsehen: Das bisherige System der Studienfinanzierung soll komplett auf den Kopf gestellt werden. Studierende sollen künftig selbst für ihre akademische Ausbildung aufkommen – eine Idee, die in Zeiten klammer Staatskassen durchaus Charme haben könnte.

IfW-Forscher will Studierende zur Kasse bitten

Stefan Kooths, Forschungsdirektor des renommierten Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), hat bei einer Veranstaltung des OECD Berlin Centre ein Modell vorgestellt, das mit der deutschen Tradition des weitgehend kostenfreien Hochschulstudiums bricht. Der Ökonom, der zugleich als Vorsitzender der liberalen Friedrich August von Hayek-Gesellschaft fungiert, argumentiert mit bemerkenswerter Klarheit: „Bildung ist so wertvoll, dass man locker viel mehr Geld dafür mobilisieren könnte, indem man diejenigen daran beteiligt, die es in Anspruch nehmen."

Was auf den ersten Blick wie ein Angriff auf die Chancengleichheit wirken mag, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als durchdachtes Konzept. Der Staat soll sich nach Kooths' Vorstellung nicht etwa vollständig aus der Bildungsfinanzierung zurückziehen, sondern seine Rolle fundamental verändern – vom direkten Geldgeber zum Kredit- oder Garantiegeber.

Rückzahlung erst nach erfolgreichem Berufseinstieg

Das Kernprinzip des Modells klingt zunächst einleuchtend: Absolventen zahlen die Kosten ihrer Ausbildung erst dann zurück, wenn sie im Berufsleben stehen und entsprechend verdienen. Wer nach dem Studium kein ausreichendes Einkommen erzielt, für den springt der Staat als Garantiegeber ein. Eine soziale Absicherung wäre also durchaus vorgesehen.

Mit diesem Ansatz will Kooths die deutschen Hochschulen aus dem von ihm kritisierten „viel zu engen Finanzierungskorsett" befreien. Tatsächlich klagen Universitäten seit Jahren über chronische Unterfinanzierung, marode Gebäude und überfüllte Hörsäle. Mehr Geld im System könnte hier Abhilfe schaffen – vorausgesetzt, es fließt auch tatsächlich in die Qualität der Lehre.

Kontrast zur aktuellen Regierungspolitik

Der Vorschlag steht in einem interessanten Spannungsverhältnis zu den Plänen der schwarz-roten Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz. Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) arbeitet derzeit an einer umfassenden Reform des Bundesausbildungsförderungsgesetzes, die zum Wintersemester 2026/2027 in Kraft treten soll. Das BAföG soll digitaler, einfacher und bekannter werden – von einer Abschaffung ist keine Rede.

Allerdings prüft die Regierung offenbar parallel auch die Möglichkeit eines attraktiven und einkommensunabhängigen Bildungskredits. Hier zeigen sich durchaus Schnittmengen mit Kooths' Überlegungen.

Eine überfällige Debatte?

Man mag von dem Vorschlag halten, was man will – eines muss man dem IfW-Forscher zugestehen: Er traut sich, eine Debatte anzustoßen, die in Deutschland lange als Tabu galt. Während in anderen Ländern wie Großbritannien oder den USA Studiengebühren längst Normalität sind, hält man hierzulande eisern am Prinzip des kostenfreien Studiums fest. Ob das angesichts explodierender Staatsschulden und eines maroden Bildungssystems auf Dauer tragfähig ist, darf bezweifelt werden.

Die Frage, wer für Bildung bezahlen soll, ist letztlich auch eine Frage der Gerechtigkeit. Ist es fair, dass der Steuerzahler – darunter viele Handwerker und Facharbeiter ohne akademischen Abschluss – das Studium künftiger Besserverdiener finanziert? Kooths' Modell würde diese Schieflage zumindest teilweise korrigieren.

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