
Rom statt Berlin: Steinmeiers Amtschefin soll UN-Spitzenposten bekommen

Die Bundesregierung will offenbar Dörte Dinger, Staatssekretärin und Chefin des Bundespräsidialamts, als stellvertretende Exekutivdirektorin des Welternährungsprogramms (WFP) in Rom durchsetzen. Das berichtet der "Spiegel" unter Berufung auf Diplomatenkreise. Der Grund für den Umweg über Italien: Außenminister Johann Wadephul (CDU) soll eine Rückkehr Dingers ins Auswärtige Amt blockiert haben.
Ein Personalpoker hinter verschlossenen Türen
Die Ausgangslage ist klar: Mit dem Ende der Amtszeit von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im kommenden März verlieren auch seine engsten Mitarbeiter ihre Posten. Steinmeier habe gewollt, dass Dinger anschließend ins Auswärtige Amt zurückkehrt – dort begann ihre Laufbahn.
Doch dem Bericht zufolge stellte sich Wadephul quer. Das Ergebnis ist ein diplomatischer Spitzenjob in Rom statt eines Schreibtischs an der Spree. Bestätigen will das offiziell niemand: Das Bundespräsidialamt verwies auf die Bundesregierung, das Auswärtige Amt äußerte sich zur Personalie gar nicht.
Dinger, Jahrgang 1981, promovierte Politikwissenschaftlerin, steht seit März 2022 an der Spitze des Bundespräsidialamts – im Rang einer Staatssekretärin. Zuvor leitete sie das persönliche Büro des Bundespräsidenten. Sie gilt als eine der engsten Vertrauten Steinmeiers.
Warum Berlin sich Chancen ausrechnet
Der Chefposten des WFP ist bereits vergeben: Er ging an Luke Lindberg, derzeit Unterstaatssekretär im US-Landwirtschaftsministerium. Lindberg war Medienberichten zufolge von Präsident Donald Trump als US-Kandidat nominiert worden und tritt die Nachfolge von Cindy McCain an. Die Spitze der UN-Organisation ist damit traditionsgemäß amerikanisch besetzt – der Vize-Posten dagegen ist offen.
Genau hier setzt Berlin an. Zwei Argumente sprechen aus Sicht der Bundesregierung für einen deutschen Zugriff:
- Das Geld: Deutschland zählt zu den größten Geldgebern des WFP. Nach Angaben der Organisation stellte die Bundesrepublik 2025 mehr als eine halbe Milliarde Euro bereit und war damit nach den USA zweitgrößtes Geberland.
- Die Macht: Deutsche sind in Leitungsfunktionen der Vereinten Nationen deutlich unterrepräsentiert – ein seit Jahren beklagtes Missverhältnis zwischen Zahlkraft und Einfluss.
Zahlmeister ohne Stimme?
Dieses Missverhältnis ist der eigentliche Skandal hinter der Personalie. Die Bundesrepublik überweist Jahr für Jahr dreistellige Millionenbeträge an internationale Organisationen – Steuergeld deutscher Bürger. Doch wenn es um Führungspositionen, Strategie und Budgetkontrolle geht, sitzen andere am Steuer.
Aus Sicht unserer Redaktion ist es überfällig, dass Berlin seine Finanzkraft endlich in politisches Gewicht übersetzt. Nur: Ob ausgerechnet ein Vize-Posten in Rom, der nach einem internen Berliner Personalstreit vergeben wird, dafür das richtige Instrument ist, darf man kritisch hinterfragen.
Beobachter sehen in dem Vorgang vor allem eines: den Beleg dafür, wie in Berlin Karrieren organisiert werden, wenn ein Amt endet. Wadephuls Haus hält sich bedeckt, das Präsidialamt verweist weiter. Transparenz sieht anders aus.
Ob die Kandidatur Erfolg hat, entscheidet sich im Exekutivrat des WFP. Dort zählen am Ende Stimmen – nicht Überweisungen.
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