
Säure-Attacke auf AfD-Stand: Zehn Verletzte in Bad Kreuznach

Ein AfD-Infostand mitten in der Innenstadt, ein geöffnetes Fenster, dann fliegt eine unbekannte Flüssigkeit auf Passanten und Politiker: In Bad Kreuznach sind am Mittwochnachmittag nach Polizeiangaben zehn Menschen leicht verletzt worden. Zwei von ihnen kamen vorsorglich ins Krankenhaus. Die Polizei hat inzwischen einen Tatverdächtigen ermittelt.
Gegen 16.45 Uhr am Kornmarkt
Der Vorfall ereignete sich Medienberichten zufolge gegen 16.45 Uhr im Bereich des Kornmarkts, Ecke Mannheimer Straße und Mühlenstraße. Ein Mann soll die Flüssigkeit aus einem Fenster auf den Stand geschüttet haben. Die Betroffenen klagten anschließend laut Polizei über Hautreizungen.
Was genau da auf Menschen herabregnete, ist offiziell noch unklar. Der Südwestrundfunk berichtete unter Berufung auf die Polizei ausdrücklich von einer bislang unbekannten Substanz. Der örtliche AfD-Kreisvorsitzende Jürgen Klein erklärte dagegen gegenüber der Rhein-Zeitung, es habe sich wohl um Chlorphenol beziehungsweise ein Desinfektionsmittel gehandelt.
Bundestagsabgeordnete unter den Betroffenen
Am Stand hielten sich zum Zeitpunkt des Angriffs mehrere prominente Parteivertreter auf – nach Angaben der AfD unter anderem die Bundestagsabgeordneten Nicole Höchst und Sebastian Münzenmaier sowie der rheinland-pfälzische Generalsekretär Damian Lohr. Der Landtagsabgeordnete Joachim Paul erklärte am Abend auf der Plattform X, Höchst und Lohr hätten behandelt werden müssen.
„Soviel zur Lage der Opposition in Rheinland-Pfalz“
Höchst sagte dem SWR, der Stand sei gut besucht gewesen; ein Sonnenschirm habe einen Teil der Flüssigkeit abgefangen. Mit einer Demonstration habe man in Bad Kreuznach vielleicht gerechnet – mit so etwas nicht.
Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst rückten mit mehreren Kräften an. Der Bereich wurde gereinigt, die Flüssigkeit zur Untersuchung sichergestellt. Einzelne Medien berichteten zunächst von elf, andere von neun Betroffenen – maßgeblich ist die Polizeiangabe von zehn Leichtverletzten.
Die Zahlen, über die kaum jemand spricht
Der Fall ist kein Ausreißer, sondern fügt sich in ein Muster, das amtliche Statistiken seit Jahren dokumentieren. Nach einer Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage registrierte die Polizei im Jahr 2025 insgesamt 5.140 Straftaten gegen Repräsentanten der im Bundestag vertretenen Parteien. Die Verteilung:
- AfD: 1.852 Fälle
- CDU: 1.171 Fälle
- Grüne: 1.005 Fälle
Hinzu kamen 845 Straftaten gegen Parteigebäude und -einrichtungen. Die politisch motivierte Kriminalität insgesamt erreichte 2025 mit 85.837 erfassten Delikten laut Bundeskriminalamt einen neuen Höchststand.
Wenn der Meinungsstreit die Straße verlässt
Aus Sicht unserer Redaktion offenbart der Vorfall ein tiefes Problem der politischen Kultur in Deutschland: Wer Andersdenkende jahrelang als Feinde markiert, darf sich über eine Verrohung nicht wundern. Ein Infostand ist Herzstück demokratischer Willensbildung – egal, welches Logo darauf klebt.
Für den Tatverdächtigen gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung. Entscheidend wird nun sein, ob Justiz und Politik diesen Fall mit derselben Entschlossenheit verfolgen, die sie bei Angriffen auf Vertreter anderer Parteien reflexhaft einfordern. Alles andere wäre ein fatales Signal – und viele Bürger würden sehr genau hinsehen.
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