
Schuldspruch in London: Tommy Robinson drohen bis zu zehn Jahre Haft!

Der bekannteste Islamkritiker Großbritanniens steht wieder vor einer Gefängnisstrafe. Am Mittwoch hat eine Jury am Southwark Crown Court in London Tommy Robinson schuldig gesprochen. Er soll zwei Journalisten der Daily Mail belästigt und ihnen Angst vor Gewalt gemacht haben. Das Strafmaß will das Gericht im Dezember verkünden. Möglich sind bis zu zehn Jahre Haft.
Ein Zeitungsartikel als Auslöser
Die Vorgeschichte reicht zurück in den August 2024. Damals warfen die Daily Mail und ihr Onlineportal MailOnline dem 43-Jährigen vor, er habe die Unruhen im englischen Southport angeheizt, und zwar von einer Sonnenliege aus. Robinson, der eigentlich Stephen Yaxley-Lennon heißt, machte zu dieser Zeit Urlaub auf Zypern.
Er reagierte heftig auf den Bericht. Laut Anklage habe er die beteiligten Reporter auf X angegriffen und Privatdetektive beauftragt, ihre Wohnadressen herauszufinden. Bei einem Telefonat am 5. August 2024 soll er einem der beiden gedroht haben: „Ich komme, um dich zu holen.“
Personenschutz und Umzug
Die Folgen für die Betroffenen waren nach deren eigenen Angaben erheblich. Einer der Journalisten habe einen Personenschützer gebraucht, nachdem Robinson Fotos seiner Frau und seiner Kinder auf X veröffentlicht hatte. Der andere sei wegen der Belästigungen umgezogen. Die Staatsanwaltschaft warf Robinson vor, soziale Medien gezielt als Druckmittel eingesetzt zu haben. Britischen Medienberichten zufolge war im Prozess von Einschüchterungsmethoden nach Art eines Schlägers die Rede.
Die Geschworenen berieten elf Stunden und 25 Minuten lang. Am Ende stand es zehn zu zwei, in beiden Anklagepunkten. Eindeutig, aber nicht einstimmig.
Southport: Die Wunde, die nicht heilt
Ohne Southport ist dieser Fall nicht zu verstehen. Im Sommer 2024 tötete ein Mann ruandischer Abstammung in der Küstenstadt drei kleine Mädchen. Danach kam es zu Ausschreitungen, die sich über das ganze Land ausbreiteten. Der Täter erhielt im Januar 2025 eine lebenslange Haftstrafe mit einer Mindestverbüßungsdauer von 52 Jahren.
Robinson machte den Fall damals in den sozialen Netzwerken groß. Ein Grund dafür war, dass viele Medien anfangs kaum etwas über den Täter und seine Herkunft berichteten. Für viele Briten war genau dieses Schweigen der eigentliche Skandal. Hätten Behörden und Redaktionen offener informiert, hätten Gerüchte und Wut vermutlich weniger Raum bekommen.
Märtyrer oder Täter?
Robinson ist kein unbeschriebenes Blatt. Er saß schon mehrfach im Gefängnis, unter anderem wegen Missachtung des Gerichts und wegen Betrugs. Er selbst sagt, der Staat verfolge ihn wegen seiner politischen Ansichten. Seine Anhänger werden das Urteil als neuen Beleg dafür sehen.
Trotzdem muss man klar trennen. Wer Familienfotos von Journalisten verbreitet und Detektive auf deren Wohnungen ansetzt, betreibt keine Meinungsäußerung mehr. Das ist Einschüchterung, und die gehört in einem Rechtsstaat bestraft, ganz gleich, von welcher politischen Seite sie kommt.
Die eigentlich unbequeme Frage geht deshalb an die britische Justiz: Misst sie überall mit demselben Maß? Kritiker im Vereinigten Königreich bezweifeln das seit Jahren. Sie verweisen auf den schleppenden Umgang mit den sogenannten Grooming-Gangs und auf harte Urteile gegen Menschen, die sich nach Southport im Netz geäußert hatten. Ob die Strafe im Dezember verhältnismäßig ausfällt, dürfte zeigen, ob das Land diese Debatte entschärft oder neu anheizt.
Auch in Deutschland sollte man genau hinsehen. Wenn der Staat als Erstes kommunikativ versagt und dann besonders hart zuschlägt, verliert er das Vertrauen seiner Bürger. Und dieses Vertrauen lässt sich nicht per Gerichtsbeschluss zurückholen.
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