
Schüsse in Schöneberg: 26-Jähriger niedergestreckt – Berlin in Sorge

Es war 20.20 Uhr an einem gewöhnlichen Dienstagabend, als in der Feurigstraße in Berlin-Schöneberg Schüsse peitschten. Ein 26-Jähriger wurde aus einer Personengruppe heraus mehrfach getroffen und lebensgefährlich verletzt. Bei Polizei und Feuerwehr gingen mehrere Notrufe von alarmierten Anwohnern ein.
Zwei Ersthelfer versorgten den Schwerverletzten noch am Tatort, bevor Rettungskräfte übernahmen und ihn in eine Klinik brachten. Dort musste er notoperiert werden. Nach Angaben der Ärzte sei sein Zustand inzwischen stabil.
Die Täter flüchteten – die Mordkommission ermittelt
Nach Angaben der Polizei entkamen die bislang unbekannten Schützen unerkannt. Die 5. Mordkommission hat den Fall übernommen. Zu den Hintergründen hüllen sich die Ermittler bislang in Schweigen – die Frage, ob hier rivalisierende kriminelle Gruppen aneinandergerieten, steht im Raum, bestätigt ist sie nicht.
Der Sprecher der Gewerkschaft der Polizei, Benjamin Jendro, wurde nach dem Vorfall deutlich:
„Berlin ist und bleibt der Hotspot der Waffengewalt“
Durch die hohe Verfügbarkeit von Schusswaffen müsse man längst über „jede Menge Halbstarke“ sprechen, die mitunter auch gezielte Auftragstaten übernähmen, ohne fest in Strukturen eingebunden zu sein, so Jendro weiter.
Ein Sommer der Schüsse – die Chronik einer Eskalation
Der Fall reiht sich in eine erschreckende Serie. Am 12. August wurde ein 40-Jähriger in einer Bar in Wedding angeschossen. Am 9. August starb ein 30-Jähriger nach Schüssen am Hardenbergplatz vor dem Bahnhof Zoo – mitten im Touristenherzen der Hauptstadt.
Nach Erkenntnissen der Polizei geht ein Teil der Schussabgaben auf Erpressungen von Geschäftsleuten durch türkische Banden zurück. Im Juli explodierte laut Behördenangaben sogar eine Handgranate auf dem Gelände eines Autohandels in Zehlendorf. In anderen Fällen gehe es um Konflikte im Drogenmilieu; auch Mitglieder arabischer Clans seien in der Vergangenheit wiederholt aneinandergeraten.
Zahlen, die alarmieren müssten
Wie dramatisch die Lage ist, zeigen offizielle Statistiken. Medienberichten zufolge registrierte die Berliner Polizei im Jahr 2025 insgesamt 1.119 Fälle von Schusswaffengebrauch – ein Plus von 68 Prozent gegenüber 2024. Ein Teil des Anstiegs geht laut Polizei allerdings auf eine seit 2025 verpflichtende, genauere Erfassung zurück; mitgezählt werden auch Drohungen sowie Schreckschuss- und Signalwaffen.
Ende 2025 zog die Polizei die Notbremse und gründete die Sondereinheit „Ferrum“, flankiert von der Ermittlungsgruppe „Telum“ bei der Staatsanwaltschaft. Die Bilanz nach rund neun Monaten kann sich sehen lassen: über 600 Ermittlungsverfahren, 68 Haftbefehle, mehr als 50 Verdächtige in Untersuchungshaft, tausende überprüfte Fahrzeuge und Lokale.
Warum das Löschen des Feuers nicht reicht
Doch Ermittlungserfolge sind das eine – die Ursachen das andere. Aus Sicht unserer Redaktion offenbart die Berliner Lage ein jahrelanges Versagen beim konsequenten Zugriff auf kriminelle Strukturen, bei Waffenkontrollen und bei einer Justiz, die schneller und härter urteilen müsste.
Für viele Bürger ist es längst keine abstrakte Statistik mehr, wenn im eigenen Kiez Patronenhülsen auf dem Gehweg liegen. Kriminalbeamte warnen bundesweit vor der wachsenden Verfügbarkeit illegaler Waffen – inzwischen auch aus dem 3D-Drucker.
Wer Sicherheit will, muss sie durchsetzen. Alles andere ist Verwaltung des Verfalls.
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