
Selenskyjs Basar-Diplomatie: Drohnenabwehr gegen Patriot-Raketen – ein verzweifelter Tauschhandel
Während die Welt gebannt auf die Eskalation am Persischen Golf blickt, wittert der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj offenbar eine Gelegenheit. Sein jüngster Vorschlag an die Golfstaaten liest sich wie ein Angebot auf einem orientalischen Basar: ukrainische Drohnenabwehrsysteme gegen die dringend benötigten PAC-3-Raketen für das Patriot-Luftabwehrsystem. Ein „fairer Tausch", wie Selenskyj es selbst nennt. Doch ist er das wirklich?
Not macht erfinderisch – Kiews Raketenengpass
Die Lage ist für die Ukraine prekär. Seit Beginn des russischen Angriffskrieges fehlt es Kiew chronisch an Munition für das westliche Patriot-System. PAC-3-Raketen, die Großstädte vor anfliegenden Kurzstreckenraketen schützen können, sind Mangelware. Gleichzeitig hat die Ukraine in den vergangenen Jahren beachtliche Erfahrungen in der Abwehr iranischer Schahed-Kamikaze-Drohnen gesammelt und vergleichsweise kostengünstige Abfangsysteme entwickelt. Dieses Know-how will Selenskyj nun zu Geld – oder besser gesagt: zu Raketen – machen.
Vor Journalisten in Kiew formulierte der ukrainische Präsident sein Angebot unmissverständlich: „Sprechen wir über die Waffen, die uns fehlen: PAC-3-Raketen." Im Gegenzug wolle man den Golfstaaten Abfangraketen gegen Drohnen liefern. Zuvor hatte Selenskyj mit dem Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate, Mohammed bin Sajed, telefoniert.
Iranische Angriffe als Katalysator
Der Zeitpunkt des Vorstoßes ist kein Zufall. Seit mehreren Tagen werden Golfstaaten von iranischen Angriffen erschüttert – eine Reaktion auf die von den USA und Israel begonnenen Luftschläge gegen den Iran. Drohnen und Raketen treffen dabei nicht nur Militärstützpunkte, sondern auch zivile Infrastruktur: Wohnhäuser, Hotels, Flughäfen. Die Golfstaaten stehen unter massivem Druck, ihren Luftraum zu schützen. Und genau hier setzt Selenskyj den Hebel an.
Denn das Patriot-System, so leistungsfähig es gegen ballistische Raketen auch sein mag, erweist sich gegen tieffliegende Drohnen als wenig effektiv. Die Golfstaaten verfügen über PAC-3-Raketen in erheblichen Mengen, brauchen aber dringend Lösungen gegen die Drohnenschwärme aus Teheran. Die Ukraine wiederum hat genau diese Expertise – benötigt aber die Patriot-Munition für den eigenen Überlebenskampf.
Ein Geschäft mit doppeltem Boden
Was auf den ersten Blick wie eine elegante Win-win-Situation erscheint, wirft bei näherer Betrachtung erhebliche Fragen auf. Kann die Ukraine es sich überhaupt leisten, eigene Abwehrsysteme abzugeben, während russische Drohnen weiterhin täglich auf ukrainische Städte niedergehen? Und werden die Golfstaaten – traditionell vorsichtige Akteure auf der geopolitischen Bühne – tatsächlich bereit sein, hochsensible westliche Waffensysteme an Kiew weiterzureichen, ohne vorher Washington um Erlaubnis zu fragen?
Man darf nicht vergessen: Die PAC-3-Raketen sind amerikanische Technologie. Jede Weitergabe bedarf der Zustimmung der US-Regierung. Und unter Präsident Trump, der bekanntlich kein unbedingter Freund großzügiger Waffenlieferungen an die Ukraine ist, dürfte eine solche Genehmigung alles andere als selbstverständlich sein. Selenskyjs Vorschlag könnte daher weniger ein konkreter Rüstungsdeal sein als vielmehr ein geschickter diplomatischer Schachzug, um die eigene Relevanz im sich rasant verändernden geopolitischen Gefüge zu unterstreichen.
Die Ukraine droht ins Abseits zu geraten
Denn genau das ist die eigentliche Sorge in Kiew: Die Eskalation zwischen dem Iran einerseits und den USA sowie Israel andererseits frisst die internationale Aufmerksamkeit auf. Der Ukraine-Krieg, der nun schon seit über drei Jahren tobt, droht in der öffentlichen Wahrnehmung zur Randnotiz zu verkommen. Selenskyj weiß das – und er weiß auch, dass er sich neu positionieren muss, um weiterhin westliche Unterstützung zu sichern.
Auch die EU hat bereits signalisiert, auf die ukrainischen Erfahrungen in der Drohnenabwehr zurückgreifen zu wollen. Die Ukraine als Exporteur von Verteidigungstechnologie – das wäre tatsächlich eine bemerkenswerte Wendung für ein Land, das seit Jahren am Tropf westlicher Waffenlieferungen hängt. Ob dieser Rollenwechsel gelingt, bleibt freilich abzuwarten.
Für den deutschen Steuerzahler, der über EU-Beiträge und bilaterale Hilfen Milliarden in die Ukraine pumpt, stellt sich derweil eine ganz andere Frage: Wie lange noch? Während die Bundesregierung unter Friedrich Merz das 500-Milliarden-Sondervermögen für die eigene marode Infrastruktur aufnimmt und damit kommende Generationen belastet, fließen gleichzeitig gewaltige Summen in einen Konflikt, dessen Ende nicht absehbar ist. Eine ehrliche Debatte darüber, was Deutschland sich leisten kann und was nicht, wäre längst überfällig – wird aber von der politischen Klasse in Berlin konsequent vermieden.
Selenskyjs Tauschgeschäft mag kreativ sein. Doch es offenbart vor allem eines: die zunehmende Verzweiflung eines Landes, das im Strudel multipler Krisen um seine Existenz kämpft – und dabei immer neue Wege finden muss, um nicht vergessen zu werden.












