
Sieben Millionen Euro im Leerlauf: Bielefelds Wasserstoff-Müllwagen verrotten auf dem Hof
Man könnte es sich nicht besser ausdenken, selbst wenn man wollte. Die Stadt Bielefeld hat ihre gesamte Flotte von sieben wasserstoffbetriebenen Müllwagen stillgelegt – nicht etwa wegen eines technischen Defekts, nicht wegen mangelnder Nachfrage, sondern schlicht und ergreifend, weil es keine Tankstelle mehr in erreichbarer Nähe gibt. Sieben Fahrzeuge im Wert von rund sieben Millionen Euro, hochsubventioniert mit Bundesmitteln, stehen nun nutzlos herum. Ein Sinnbild für die deutsche Energiewende, das treffender kaum sein könnte.
80 Kilometer für eine Tankfüllung – und das war noch die gute Zeit
Bereits vor der Stilllegung war der Betrieb der Wasserstoff-Müllwagen ein logistisches Abenteuer. Die Fahrzeuge mussten zum Tanken nach Rheda-Wiedenbrück fahren – rund 40 Kilometer einfache Strecke, also 80 Kilometer hin und zurück. Bei einer Gesamtreichweite von etwa 300 Kilometern verschwand damit bereits mehr als ein Viertel der Tagesleistung allein auf dem Weg zur Zapfsäule. Wohlgemerkt: nicht für die Müllabfuhr, sondern nur fürs Tanken.
Doch damit nicht genug. Die Tankstelle in Rheda-Wiedenbrück wurde geschlossen. Die nächste Alternative? Münster. Rund 90 Kilometer je Strecke, also satte 180 Kilometer nur für eine einzige Betankung. Bei 300 Kilometern Reichweite blieben damit gerade noch 120 Kilometer für die eigentliche Arbeit übrig. Selbst der wohlwollendste Betriebsleiter dürfte eingesehen haben, dass dies, wie es offiziell heißt, „nicht mehr darstellbar" sei.
Eine Million Euro pro Müllwagen – der Steuerzahler zahlt die Zeche
Die Zahlen hinter diesem Debakel sind atemberaubend. Ein konventioneller Müllwagen kostet etwa 250.000 Euro. Ein Wasserstoff-Müllwagen hingegen schlägt mit rund einer Million Euro zu Buche – das Vierfache. Die Mehrkosten von 750.000 Euro pro Fahrzeug übernahm der Bund zu 90 Prozent, was einem Zuschuss von 675.000 Euro pro Fahrzeug entspricht. Für die gesamte Flotte summiert sich die Bundesförderung auf fast fünf Millionen Euro.
Fünf Millionen Euro Steuergelder, die nun auf einem Betriebshof in Bielefeld vor sich hin rosten. Geld, das hart arbeitende Bürger erwirtschaftet haben und das in einem ideologisch motivierten Prestigeprojekt versenkt wurde. Wer angesichts solcher Summen noch von verantwortungsvollem Umgang mit öffentlichen Mitteln spricht, dem ist wahrlich nicht mehr zu helfen.
Die absurde Pointe: Eine Tankstelle gibt es – aber sie ist tabu
Als wäre die Geschichte nicht schon grotesk genug, setzt die Bürokratie noch einen drauf. In Bielefeld selbst existiert nämlich durchaus eine Wasserstofftankstelle. Sie wurde ebenfalls mit staatlichen Fördermitteln errichtet. Doch ihre Nutzung ist vertraglich ausschließlich den Wasserstoffbussen der Stadt vorbehalten. Die Müllwagen – obwohl sie zum selben kommunalen Fuhrpark gehören – dürfen dort nicht tanken. Eine formale Förderregel verhindert also die naheliegendste aller Lösungen. Deutsche Bürokratie in Reinkultur.
Man stelle sich das einmal vor: Zwei staatlich geförderte Projekte derselben Kommune, beide auf Wasserstoff basierend, und trotzdem darf das eine nicht vom anderen profitieren, weil irgendein Förderbescheid es so vorsieht. Kafka hätte seine helle Freude daran gehabt.
Symptom einer gescheiterten Strategie
Der Fall Bielefeld ist kein Einzelfall. Auch in Duisburg und Lübeck standen oder stehen Wasserstoff-Müllwagen still, weil der Treibstoff fehlt. Die Wasserstoffzüge der Heidekrautbahn mussten ebenfalls wegen Versorgungsengpässen pausieren. Und was tut der Bund? Er pumpt weitere 220 Millionen Euro in Wasserstoff-Lkw und Tankstellen. Man behandelt die Symptome, während die Krankheit munter fortschreitet.
Das grundlegende Problem ist so offensichtlich, dass man es kaum aussprechen mag: Es wurde massiv in Fahrzeuge investiert, ohne eine verlässliche Infrastruktur sicherzustellen. Erst die Pferde kaufen, dann nach dem Stall suchen – so lässt sich die Strategie wohl am treffendsten zusammenfassen. Und der deutsche Steuerzahler darf die Rechnung begleichen, während die politisch Verantwortlichen sich längst dem nächsten Leuchtturmprojekt zugewandt haben dürften.
Wenn Ideologie auf Realität trifft
Was bleibt, ist ein bitterer Nachgeschmack. Die Energiewende, wie sie in Deutschland betrieben wird, gleicht zunehmend einem Fass ohne Boden. Milliarden fließen in Technologien, deren Alltagstauglichkeit nicht ansatzweise gesichert ist. Statt pragmatischer Lösungen regiert der ideologische Überbau. Statt solider Planung herrscht politischer Aktionismus. Und statt Verantwortung für das Geld der Bürger zu übernehmen, werden Förderbescheide geschrieben, die sich gegenseitig blockieren.
Die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz wäre gut beraten, solche Projekte einer schonungslosen Überprüfung zu unterziehen. Denn wenn Deutschland seine wirtschaftliche Stärke bewahren will, kann es sich derartige Millionengräber schlicht nicht mehr leisten. Sieben stillgelegte Müllwagen in Bielefeld mögen wie eine Randnotiz wirken. Doch sie sind das Symptom eines weit größeren Problems: einer Politik, die den Bezug zur Realität verloren hat – und die den Bürger dafür bezahlen lässt.

- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik











