
Silbermarkt im Ausnahmezustand: Nach 156 Prozent Rallye folgt der brutale Absturz

Was für eine Achterbahnfahrt am Edelmetallmarkt. Innerhalb weniger Wochen hat der Silberpreis eine historische Rallye hingelegt, nur um anschließend in einem spektakulären Crash fast die Hälfte seiner Gewinne wieder abzugeben. Wer jetzt in Panik verfällt, hat die fundamentalen Zusammenhänge nicht verstanden – denn die übergeordnete Struktur bleibt intakt.
Von 45 auf 116 Dollar – und dann der freie Fall
Die Zahlen sprechen für sich. Nachdem Silber im Oktober vergangenen Jahres die historisch bedeutsame Marke von 50 US-Dollar durchbrochen hatte, setzte eine Aufwärtsbewegung ein, wie sie der Edelmetallmarkt selten erlebt hat. In nur drei Monaten schoss der Preis von 45,51 auf ein neues Allzeithoch von 116,86 US-Dollar – ein Plus von über 156 Prozent. Doch was folgte, war ebenso dramatisch: Zwei heftige Korrekturwellen drückten den Kurs bis zum 6. Februar auf 64,04 US-Dollar zurück. Fast die Hälfte der gesamten Rekordrallye – ausradiert in einer einzigen Woche.
Allein am gestrigen Donnerstag verlor Silber mehr als zehn Prozent und fiel auf 73,93 Dollar. Gold brach zeitgleich um rund 200 Dollar ein und markierte ein Tagestief bei 4.878 US-Dollar. Doch schon am Freitagvormittag kehrten die Käufer zurück. Der Goldpreis notierte kurz vor Wochenschluss wieder bei rund 4.975 Dollar – die magische 5.000er-Marke bleibt in Reichweite.
China als Epizentrum der Verwerfungen
Wer verstehen will, was an den Edelmetallmärkten gerade geschieht, muss nach Osten blicken. An der Shanghai Futures Exchange hatte sich eine spekulative Überhitzung aufgebaut, mit Silberpreisen von über 38.000 Yuan pro Kilogramm. Als die Blase platzte, wurden unzählige gehebelte Positionen zwangsliquidiert – ein klassischer „Long Squeeze", der die Preise massiv unter Druck setzte.
Besonders brisant: Ab dem 15. Februar schließen die Shanghaier Metallbörsen für neun Tage anlässlich des chinesischen Neujahrsfestes. Da in Shanghai mehr physisches Gold umgesetzt wird als an allen westlichen Handelsplätzen zusammen, hinterlässt eine solche Pause ein gewaltiges Vakuum. Historisch betrachtet führten vergleichbare Unterbrechungen zu Preisrückgängen von fünf bis zwölf Prozent – gefolgt allerdings von kräftigen Erholungen, sobald der physische Handel wieder aufgenommen wurde.
Die Bestandsdaten zeichnen dabei ein aufschlussreiches Bild: Während die Silberbestände an der Shanghai Futures Exchange um 3,7 Tonnen auf 353 Tonnen anstiegen, verzeichnete die Shanghai Gold Exchange dramatische Abflüsse von 43 Tonnen auf nur noch 450,5 Tonnen. Insgesamt umfassen die kombinierten Bestände beider Börsen derzeit 804 Tonnen – ein klares Indiz dafür, dass die physische Nachfrage trotz aller Preisturbulenzen robust bleibt.
Forcierte Liquidation statt fundamentaler Schwäche
Man muss es deutlich sagen: Der jüngste Einbruch bei den Edelmetallpreisen hat wenig mit einer Verschlechterung der fundamentalen Rahmenbedingungen zu tun. Vielmehr handelt es sich um ein Liquiditätsereignis. Hedgefonds und spekulative Marktteilnehmer mussten gehebelte Positionen abbauen, um Margin Calls zu bedienen. Das ist ein klassisches Zeichen forcierter Liquidation – und kein struktureller Bruch im Aufwärtstrend.
Die grundlegenden Treiber für steigende Edelmetallpreise sind nach wie vor intakt. Die weltweite Inflation liegt weiterhin oberhalb der Zielmarken der Zentralbanken. Notenbanken – allen voran aus den BRICS-Staaten – bauen ihre Goldreserven systematisch aus, um die Abhängigkeit vom US-Dollar zu reduzieren. Und das Vertrauen vieler Investoren in ungedeckte Papierwährungen und Schuldversprechen schwindet zusehends.
Ein globales Vertrauensproblem
Wer sich die geopolitische Großwetterlage anschaut, erkennt schnell, warum physische Edelmetalle als Vermögenssicherung unverzichtbar bleiben. China verfolgt mit seiner Gold-Akkumulation und der Aufwertung des Yuan eine langfristige Strategie, die das internationale Währungssystem strukturell verändern dürfte. Die massiven Zollerhöhungen der Trump-Administration – 20 Prozent auf EU-Importe, 34 Prozent auf China – verschärfen die globalen Spannungen zusätzlich und treiben die Nachfrage nach sicheren Häfen.
Auch in Deutschland gibt es wenig Grund zur Entwarnung. Das geplante 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen der neuen Bundesregierung unter Friedrich Merz wird die Inflation weiter befeuern und kommende Generationen mit Zinszahlungen belasten. Wer sein Vermögen in einer solchen Umgebung ausschließlich in Papierwerten hält, geht ein erhebliches Risiko ein.
Silber unter 70 Dollar – eine Kaufgelegenheit?
Das technische Bild beim Silber ist nach dem Crash naturgemäß angeschlagen. Die 50-Tagelinie bei 79,84 US-Dollar hat die Angriffe der Bären bislang aufgefangen, doch das untere Bollinger-Band hat nach unten abgedreht und könnte weiteren Spielraum nach unten eröffnen. Im schlimmsten Fall wäre in den kommenden Monaten sogar ein Rücklauf bis an die historische Ausbruchszone bei rund 50 US-Dollar denkbar – solange sich Gold allerdings über 4.500 Dollar behauptet, erscheint dieses Szenario eher unwahrscheinlich.
Für physische Zukäufe dürften sich Kurse unterhalb von 70 US-Dollar als interessant erweisen. Denn eines hat die Geschichte immer wieder gezeigt: Silber übertreibt in beide Richtungen, folgt langfristig aber stets dem Weg des Goldes. Und dieser Weg zeigt nach oben.
Physische Edelmetalle als Anker in stürmischen Zeiten
Die aktuelle Konsolidierung sollte nicht als Ende des Bullenmarktes missverstanden werden, sondern als das, was sie ist: eine Durchschnaufpause innerhalb eines übergeordneten Aufwärtstrends. Wer die Nerven behält und die Volatilität als Chance begreift, könnte langfristig belohnt werden. Physische Edelmetalle bleiben in einem Umfeld aus galoppierender Staatsverschuldung, geopolitischen Verwerfungen und schwindendem Vertrauen in Papierwährungen ein unverzichtbarer Baustein für jedes breit aufgestellte Anlageportfolio.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Die dargestellten Informationen und Einschätzungen dienen ausschließlich der allgemeinen Information und spiegeln die Meinung unserer Redaktion wider. Jede Anlageentscheidung sollte auf Basis eigener, sorgfältiger Recherche und gegebenenfalls nach Rücksprache mit einem qualifizierten Finanzberater getroffen werden. Für etwaige Verluste, die aus der Nutzung der hier bereitgestellten Informationen resultieren, übernehmen wir keinerlei Haftung.
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