
Sparkassen-Chef fordert Abkehr von Amerika: Deutschland muss neue Handelspartner suchen

Die Zeiten der blinden Treue gegenüber dem transatlantischen Partner scheinen endgültig vorbei zu sein. Sparkassen-Präsident Ulrich Reuter hat sich mit deutlichen Worten zur aktuellen Handelspolitik der USA geäußert und der deutschen Wirtschaft einen klaren Kurswechsel empfohlen. Angesichts der erratischen Zollpolitik unter Präsident Donald Trump sei es an der Zeit, neue internationale Partnerschaften zu schmieden.
Die Illusion der verlässlichen Partnerschaft
„Man darf nur nicht blauäugig sein", mahnte der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands am Montag in Berlin. Eine Aussage, die wie ein Weckruf an all jene gerichtet scheint, die noch immer an die unerschütterliche deutsch-amerikanische Wirtschaftsfreundschaft glauben. Die Realität zeichnet ein anderes Bild: Die Trump-Administration hat sich von der regelbasierten Weltordnung verabschiedet, und deutsche Unternehmen spüren die Konsequenzen bereits deutlich.
Noch im vergangenen Sommer, nach dem Handelsabkommen zwischen EU und USA, hatten zahlreiche deutsche Firmen begonnen, Investitionen in den Vereinigten Staaten zu planen und eine verstärkte Produktion vor Ort vorzubereiten. Doch die jüngsten Signale aus Washington haben die Euphorie merklich gedämpft. Reuter beobachtet zwar noch keine „breite Front", die spontan die Handbremse zieht, doch die Unsicherheit steige spürbar. Jedes Unternehmen überlege nun genau, ob Investitionen in den USA noch sinnvoll seien.
Neue Horizonte: Kanada, Indien und Südamerika
Der Sparkassen-Präsident fordert Politik und Wirtschaft gleichermaßen auf, den Blick zu weiten. „Wir müssen offen sein", betonte er und nannte konkret Handelsabkommen mit Kanada, Indien und anderen asiatischen Ländern als vielversprechende Alternativen. Die Botschaft ist unmissverständlich: Deutschland kann es sich nicht leisten, alle Eier in einen Korb zu legen – schon gar nicht, wenn dieser Korb von einem unberechenbaren Partner getragen wird.
„Zum Händchenhalten wartet niemand auf uns, aber um gemeinsam nach vorne hin den weltweiten Handel aufrechtzuerhalten, darauf warten viele."
Besonders eindringlich warnte Reuter vor einem Scheitern des Mercosur-Abkommens mit südamerikanischen Ländern. Ein solches Scheitern wäre ein „herber Schlag" für die europäische Wirtschaft. Das Abkommen würde eine Freihandelszone mit mehr als 700 Millionen Einwohnern schaffen – ein Markt von enormer Bedeutung. In diesen turbulenten Zeiten brauche es Zeichen der europäischen Handlungsfähigkeit, weshalb eine vorläufige Anwendung des Abkommens der richtige Schritt wäre.
Die bittere Lektion der Abhängigkeit
Was Reuter hier anspricht, ist im Grunde eine längst überfällige Erkenntnis: Die deutsche Wirtschaft hat sich über Jahrzehnte in eine gefährliche Abhängigkeit von wenigen Handelspartnern manövriert. Erst die Energiekrise nach dem Bruch mit Russland, nun die Zolldrohungen aus Washington – die Verwundbarkeit des deutschen Exportmodells wird immer offensichtlicher.
Die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz steht vor der Herausforderung, diese Diversifizierung politisch zu begleiten. Doch ob der politische Mut vorhanden ist, die notwendigen Schritte zu gehen und faire Handelsabkommen zu schließen, bleibt abzuwarten. Die Erfahrung lehrt, dass deutsche Regierungen in der Vergangenheit oft zu zögerlich agierten, wenn es darum ging, wirtschaftspolitische Weichen neu zu stellen.
Für deutsche Anleger und Sparer bedeutet diese Entwicklung vor allem eines: erhöhte Unsicherheit. In Zeiten, in denen selbst vermeintlich sichere Handelsbeziehungen über Nacht in Frage gestellt werden können, gewinnen krisensichere Anlagen wie physische Edelmetalle zusätzlich an Bedeutung. Gold und Silber haben sich über Jahrhunderte als Wertspeicher bewährt – unabhängig davon, welche politischen Stürme gerade über die Weltwirtschaft hinwegfegen.

- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik











