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Kettner Edelmetalle
01.09.2026
10:16 Uhr
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Sprengung in Voerde: 695 Megawatt weg – Ersatz frühestens 2030

Sprengung in Voerde: 695 Megawatt weg – Ersatz frühestens 2030
Symbolbild: KI-generiert

Punkt 12 Uhr fiel in Voerde am Niederrhein ein Stück deutscher Industriegeschichte. RWE ließ am 21. August 2026 das 90 Meter hohe Kesselhaus von Block B des früheren Steinkohlekraftwerks sprengen, zusammen mit zwei Entstickungsanlagen. Rund 30.000 Tonnen Stahl sanken in sich zusammen.

Wegen Druckwelle und Staubentwicklung galt ein Sicherheitsradius von 350 Metern. Gebäude wurden geräumt, Straßen gesperrt – und selbst der Schiffsverkehr auf dem Rhein stand zeitweise still. Ein Spektakel, das Tausende verfolgten. Und ein Symbol, über das sich streiten lässt.

695 Megawatt, die niemand mehr zurückholt

Block B lieferte einst 695 Megawatt netto steuerbare Leistung – exakt so viel wie Block A. Alle vier Blöcke am Standort brachten es früher zusammen auf über zwei Gigawatt. Das Kraftwerk ging bereits 2017 vom Netz, seit 2023 läuft der Rückbau.

Eine kurzfristige Wiederinbetriebnahme war also längst keine Option mehr. Doch mit dem Kesselhaus verschwindet das Herzstück des Blocks. Damit ist auch die theoretische Möglichkeit einer späteren Reaktivierung endgültig vom Tisch.

Der Staat sucht genau das, was hier gerade fällt

Pikant ist der Zeitpunkt. Denn während in Voerde Beton bricht, organisiert Berlin hektisch einen Markt für gesicherte Leistung. Nach dem Referentenentwurf zum geplanten Strom-Versorgungssicherheits- und Kapazitätengesetz soll die Bundesnetzagentur laut Branchenberichten am 1. September 2026 und am 8. Dezember 2026 jeweils 4,5 Gigawatt neuer Langzeitkapazitäten ausschreiben.

Diese Anlagen müssen mindestens zehn Stunden im Dauerbetrieb einspeisen können – das sogenannte Langzeitkriterium. Die Begründung des Wirtschaftsministeriums ist entwaffnend ehrlich: Die beiden kalten Dunkelflauten des Jahres 2025 dauerten Berichten zufolge zwei beziehungsweise acht Tage. Wind und Sonne liefern eben nicht auf Zuruf.

Besonders bemerkenswert: Bestehende Gaskraftwerksstandorte sind in den ersten beiden Auktionen ausdrücklich ausgeschlossen. Bestandsanlagen dürfen erst am 18. Mai 2027 mitbieten – dann um lediglich zwei Gigawatt.

Neubau am selben Ort – irgendwann

Auf demselben Gelände plant RWE erneut ein thermisches Großkraftwerk: eine wasserstofffähige Gas-und-Dampfturbinenanlage mit rund 850 Megawatt. Das Genehmigungsverfahren läuft, seit dem 14. August 2026 liegen die Unterlagen öffentlich aus. Eine endgültige Investitionsentscheidung gibt es allerdings noch nicht. Frühester Strom: 2030.

Man rechne kurz nach: Seit neun Jahren erzeugt der Standort keine Kilowattstunde mehr. Der mögliche Ersatz kommt am Ende des Jahrzehnts – wenn er kommt. Erst wird abgerissen, dann gesucht, dann gebaut. Aus Sicht unserer Redaktion ist das eine energiepolitische Reihenfolge, die man sich schwer erklären kann.

Wer zahlt am Ende die Rechnung?

Offen bleibt die entscheidende Frage: die Vergütung. Kritiker aus der Opposition monieren laut Medienberichten, dass gerade die Finanzierung im Entwurf nicht abschließend geregelt sei – und damit unklar bleibe, welche Belastungen auf die Stromkunden zukämen. Auch die Wasserstoffumstellung wirkt fern: Von insgesamt vier Gigawatt sei die Rede, jeweils zur Hälfte 2040 und 2043.

Kraftwerke, die sich am Markt nicht selbst tragen, sollen also mit staatlich gesetzten Anreizen entstehen. Für Industriestandorte, Mittelstand und private Haushalte heißt das: Planungsunsicherheit heute, Kostenrisiko morgen.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt die Einordnung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen dar. Er ist keine Anlageberatung und keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzprodukten. Wer Vermögen aufbauen oder absichern möchte, sollte eigenständig recherchieren und Entscheidungen in eigener Verantwortung treffen. Physische Edelmetalle können als krisenerprobte Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio dienen.

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