
Sprit-Rationierung in Moskau: Putins Öl-Imperium wankt

Im größten Ölförderland Europas wird das Benzin knapp – und zwar mitten in der Hauptstadt. Gazprom Neft und Tatneft haben nach Angaben ihrer eigenen Kundendienste die Abgabemengen an Moskauer Tankstellen begrenzt. Rosneft, Russlands größter Ölproduzent, deckelt den Benzinverkauf landesweit auf 30 Liter pro Fahrzeug.
An den Zapfsäulen der Metropolregion bilden sich lange Autoschlangen. Bei automatisierten Gazprom-Neft-Stationen in Moskau sind laut Unternehmensangaben nur noch 40 Liter Benzin oder Diesel pro Kunde erlaubt, an anderen Tankstellen des Konzerns 60 Liter Benzin – Diesel bleibt dort unbegrenzt.
Ein Ölriese, der seine eigenen Autofahrer nicht versorgen kann
Die offizielle Begründung der Konzerne klingt harmlos: „außerplanmäßige Wartungsarbeiten“ in den Raffinerien. Jeder in Russland weiß, was damit gemeint ist. Seit Monaten fliegt die Ukraine eine systematische Drohnenkampagne gegen Raffinerien, Pumpstationen und Industrieanlagen – zuletzt auch gegen Unternehmen der Privatwirtschaft und Online-Händler.
Am Dienstag registrierte die Hauptstadtregion eine der größten Drohnenwellen des gesamten Krieges: mindestens 600 Flugkörper sollen gegen Moskau und Umgebung gestartet worden sein, mit Panik in der Bevölkerung und Berichten über Opfer.
Am Mittwoch traf es die Republik Baschkortostan – tausende Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt, nördlich von Kasachstan. Regionalchef Radi Chabirow bestätigte den Angriff auf eine Raffinerie und ein Wohnhaus.
„Wir bewerten den Schaden noch, vorläufige Berichte deuten darauf hin, dass eine Anlage getroffen wurde, die sich in der Wartung befand“, sagte Chabirow der Agentur TASS. Er erwarte, dass alles „in ein paar Tagen“ reparariert sei.
„Zweite Welle“ – und der Kreml gibt es selbst zu
Bemerkenswert ist, dass Moskau die Krise inzwischen offen einräumt. Ölkonzerne ergriffen „die notwendigen Maßnahmen“, um Lieferungen in besonders betroffene Regionen zu erhöhen, hieß es in einer Kreml-Mitteilung. Beobachter sprechen von der „zweiten Welle“ der russischen Treibstoffkrise.
Die erste hatte das Land bereits im Frühsommer erfasst. Medienberichten zufolge wurde Sprit damals in Dutzenden Regionen rationiert – von der Krim bis Sibirien –, Lukoil begrenzte die Abgabe, Kanisterverkäufe wurden vielfach untersagt. Einzelne Analysen sprachen vom schwersten Treibstoffmangel seit 2009.
Marokkanisches Benzin für die Supermacht
Wie groß die Not ist, zeigen die Notmaßnahmen: Nach Medienberichten verlängerte die Regierung das Exportverbot für Benzin und Diesel bis Ende Januar 2027. Ende Juli soll erstmals eine Schiffsladung mit rund 37.000 Tonnen Benzin aus Marokko im Hafen Taman eingetroffen sein. Zudem müssten Ölfirmen der Landwirtschaft feste Kontingente garantieren – vorerst bis 1. November 2026.
Russland hat seine Wachstumsprognose für dieses Jahr Berichten zufolge deutlich gesenkt und den Kraftstoffmangel ausdrücklich als Belastungsfaktor genannt. Ein Rohstoffimperium, das Benzin importieren muss – deutlicher lässt sich strukturelle Verwundbarkeit kaum illustrieren.
Was das für Europa bedeutet
Für deutsche Verbraucher ist das keine ferne Randnotiz. Fallen russische Raffineriekapazitäten dauerhaft aus, verschieben sich globale Produktströme – mit Wirkung auf Diesel-, Fracht- und letztlich Lebensmittelpreise. Wer glaubt, Energiemärkte hätten mit dem Alltag hierzulande nichts zu tun, hat 2022 verschlafen.
Aus Sicht unserer Redaktion zeigt der Fall vor allem eines: Versorgungssicherheit ist kein Naturgesetz, sondern das Ergebnis kluger Politik. Wo Infrastruktur verwundbar wird und Papierwerte an Vertrauen verlieren, bleiben physische Sachwerte wie Gold und Silber eine sinnvolle Beimischung zur Vermögenssicherung.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Anleger muss sich eigenverantwortlich informieren und trägt die Verantwortung für seine Entscheidungen selbst.
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