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26.05.2026
12:53 Uhr

Steuermilliarden für Stromnetze: Der Bund kauft sich bei Tennet ein – ein Deal mit fragwürdigem Beigeschmack

Steuermilliarden für Stromnetze: Der Bund kauft sich bei Tennet ein – ein Deal mit fragwürdigem Beigeschmack

Es ist ein Vorgang, der das ganze Dilemma der deutschen Energiepolitik in einem einzigen Satz zusammenfasst: Der Staat greift tief in die Steuerkasse, um zu retten, was eine ideologiegetriebene Energiewende erst in diese Lage manövriert hat. Brüssel hat nun grünes Licht gegeben – der Bund darf sich mit 25,1 Prozent beim Stromübertragungsnetzbetreiber Tennet Deutschland einkaufen. Preisschild für den deutschen Steuerzahler: rund 3,3 Milliarden Euro, abgewickelt über die staatliche KfW-Förderbank.

Wenn der Staat zum Lückenbüßer wird

Die EU-Kommission, sonst nicht eben zimperlich bei wettbewerbsrechtlichen Bedenken, hat dem Vorhaben keine Steine in den Weg gelegt. Das angemeldete Geschäft, so die Brüsseler Wettbewerbshüter, gebe keinen Anlass zur Beanstandung. Ein bemerkenswerter Vorgang, denn faktisch wird hier ein Stück kritischer Infrastruktur, das eigentlich am Markt funktionieren sollte, in staatliche Hand überführt. Die Frage, warum private Investoren offensichtlich keine Lust verspüren, sich an diesem milliardenschweren Abenteuer zu beteiligen, beantwortet sich von selbst: Das Risiko-Rendite-Verhältnis ist schlicht unattraktiv geworden.

Niederlande wollen raus – Deutschland muss zahlen

Tennet Deutschland betreibt mit rund 14.000 Kilometern Höchstspannungsleitung das größte der vier deutschen Übertragungsnetze – eine elektrische Lebensader, die sich von Schleswig-Holstein bis nach Bayern erstreckt. Die niederländische Muttergesellschaft, die sich vollständig im Besitz des Staates Den Haag befindet, will seit Jahren raus aus diesem deutschen Engagement. Die Begründung der niederländischen Regierung ist entlarvend: Der Erhalt und Ausbau des deutschen Hochspannungsnetzes erfordere derart gewaltige Investitionen, dass dies nicht zu den Aufgaben eines niederländischen Staatsunternehmens gehöre.

Übersetzt heißt das: Die Niederländer wollen die Kosten der deutschen Energiewende nicht länger schultern. Verständlich. Nach der vollständigen Übernahme bleibt Tennet Niederlande zwar noch mit 28,9 Prozent beteiligt, doch der schrittweise Rückzug ist eingeleitet. Den Rest darf nun – wie so oft – der deutsche Steuerzahler übernehmen.

Der Bund als Dauerinvestor in eigener Sache

Mit dem Tennet-Einstieg ist der Bund künftig an drei der vier deutschen Stromübertragungsnetzbetreiber beteiligt. Bei 50Hertz hält er 20 Prozent, bei TransnetBW 24,95 Prozent. Schritt für Schritt verstaatlicht sich die kritische Infrastruktur – nicht weil dies eine geniale industriepolitische Strategie wäre, sondern weil der Markt schlicht nicht mehr mitmacht. Wenn private Akteure die Flucht ergreifen, springt eben der Staat ein. Klingt nach Planwirtschaft? Ist es im Kern auch.

Die wahren Kosten der Energiewende

Was hier sichtbar wird, ist die ungeschönte Realität einer Energiepolitik, die seit Jahren mehr Wunschdenken als Ingenieurskunst gewesen ist. Der hektische Ausbau erneuerbarer Energien ohne entsprechende Netzkapazitäten, die Abschaltung verlässlicher Kraftwerke, der gleichzeitige politische Druck auf den massiven Leitungsausbau quer durch die Republik – all das verschlingt astronomische Summen. Schätzungen für den notwendigen Netzausbau bewegen sich längst im dreistelligen Milliardenbereich. Und wer zahlt? Wie immer der Bürger – einmal als Steuerzahler, ein zweites Mal über die Netzentgelte auf seiner Stromrechnung.

Die neue Große Koalition unter Friedrich Merz, die mit dem 500-Milliarden-Sondervermögen ohnehin schon ein historisches Schuldenpaket geschnürt hat, fügt diesem Berg an Verbindlichkeiten nun stillschweigend weitere Milliarden hinzu. Das Versprechen, keine neuen Schulden zu machen, wirkt mit jedem solchen Deal wie eine ferne Erinnerung an vergangene Wahlkampftage.

Was Anleger daraus lernen sollten

Wenn Staaten beginnen, im großen Stil kritische Infrastruktur aufzukaufen, weil der Markt sie nicht mehr finanzieren mag, dann ist das ein Alarmsignal. Die Bilanz der öffentlichen Hand wird länger, die Schulden steigen, die Spielräume schrumpfen. In solchen Zeiten zeigt sich der Wert von Sachwerten, die sich keinem staatlichen Bilanztrick unterwerfen lassen. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber waren über Jahrhunderte hinweg das verlässliche Gegengewicht zu staatlicher Verschuldungspolitik – und sind es bis heute. Wer sein Vermögen krisenfest aufstellen möchte, sollte den Anteil physischer Edelmetalle in einem breit gestreuten Portfolio bedenken. Sie sind keine Wundermittel, aber ein bewährter Anker in unruhigen Zeiten.

Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Die hier geäußerten Einschätzungen geben ausschließlich die Meinung unserer Redaktion wieder. Jeder Anleger ist verpflichtet, sich vor einer Investitionsentscheidung selbst ausreichend zu informieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen allein. Bei Bedarf sollte ein unabhängiger Finanzberater hinzugezogen werden.

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