
Stillstand auf Deutschlands Rolltreppen: Wenn die Bahn nicht einmal mehr den Aufstieg schafft

Man könnte es für eine Satire halten, wäre es nicht bittere Realität: Die Deutsche Bahn hat bundesweit rund 130 Rolltreppen an ihren Bahnhöfen gesperrt. Nicht wegen eines Terroranschlags, nicht wegen einer Naturkatastrophe – sondern wegen möglicher Getriebedefekte bei Anlagen eines einzigen Herstellers. Ein Sinnbild für den Zustand der deutschen Infrastruktur, das treffender kaum sein könnte.
Berlin als Epizentrum des Versagens
Am Berliner Hauptbahnhof, jenem gläsernen Prestigebau, der einst als Aushängeschild moderner deutscher Ingenieurskunst galt, stehen seit Mittwochabend 42 Rolltreppen still. Am Bahnhof Südkreuz kommen weitere zehn hinzu. Reisende mit schwerem Gepäck, ältere Menschen, Eltern mit Kinderwagen – sie alle dürfen nun die Treppen zu Fuß bewältigen. Willkommen im Deutschland des Jahres 2026, wo selbst das mechanische Treppensteigen zum Abenteuer wird.
Ein Bahninsider schilderte die Lage gegenüber der Presse in drastischen Worten: Der Ärger über den finnischen Hersteller Kone sei „riesengroß". Es mangele an Ersatzteilen, es mangele an Technikern vor Ort. Man fragt sich unwillkürlich: Gibt es eigentlich irgendetwas in diesem Land, woran es nicht mangelt?
Bundesweites Problem – nicht nur ein Berliner Phänomen
Wer nun glaubt, das Debakel beschränke sich auf die Hauptstadt, der irrt gewaltig. Da sämtliche betroffenen Rolltreppen vom gleichen Bautyp stammen, hat die Deutsche Bahn vorsorglich auch Anlagen in Frankfurt am Main, am Flughafen Köln/Bonn sowie in Dresden, Essen, Hamburg und Düsseldorf außer Betrieb genommen. Eine vorbildliche Vorsichtsmaßnahme, gewiss – doch sie offenbart zugleich eine erschreckende Abhängigkeit von einem einzigen Zulieferer. Dass ein Konzern wie die Deutsche Bahn offenbar keine ausreichende Diversifizierung seiner Lieferketten betreibt, wirft Fragen auf, die weit über defekte Getriebe hinausreichen.
Sicherheitsprüfungen mit Verzögerung
DB-Managerin Katja Hüske erklärte, die Sicherheitsprüfungen hätten am Donnerstag begonnen und sollten am Freitag fortgesetzt werden. Erste Rolltreppen am Berliner Hauptbahnhof könnten ab Samstag wieder in Betrieb gehen, nachdem Mitarbeiter der Bahn und des Herstellers die Überprüfungen erfolgreich abgeschlossen hätten. Bis dahin heißt es für Millionen Pendler und Reisende: Geduld – jene Tugend, die der deutsche Bahnkunde ohnehin längst zur Perfektion kultiviert hat.
Symptom einer maroden Infrastruktur
Dieser Vorfall reiht sich nahtlos ein in eine endlose Kette von Pannen, Verspätungen und Ausfällen, die das Bild der Deutschen Bahn seit Jahren prägen. Marode Brücken, veraltete Stellwerke, chronisch unpünktliche Züge – und nun auch noch stillstehende Rolltreppen. Die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz hat zwar ein 500 Milliarden Euro schweres Sondervermögen für Infrastruktur angekündigt, doch angesichts des Ausmaßes des Investitionsstaus fragt man sich, ob selbst diese gewaltige Summe ausreichen wird, um Jahrzehnte der Vernachlässigung wettzumachen.
Dabei ist die Bahn nur ein Symptom eines viel größeren Problems. Deutschland, einst weltweit bewundert für seine Effizienz und Zuverlässigkeit, verliert zunehmend den Anschluss. Während andere Nationen in Hochgeschwindigkeitsstrecken und modernste Infrastruktur investieren, kämpft die Bundesrepublik mit Rolltreppen, die nicht funktionieren. Es ist ein Treppenwitz der Geschichte – im wahrsten Sinne des Wortes.
Die Bürger dieses Landes haben ein Recht darauf, dass ihre Steuergelder in eine funktionierende Infrastruktur fließen. Stattdessen werden Milliarden in ideologische Projekte gepumpt, während die Grundversorgung bröckelt. Wann endlich kehrt die Politik zu den Prioritäten zurück, die den Menschen tatsächlich im Alltag helfen? Die stillstehenden Rolltreppen sind mehr als ein technisches Problem. Sie sind ein Mahnmal für den schleichenden Verfall eines einst großartigen Landes.
- Themen:
- #Energie

- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik











