
Stollen-Taxi nach Rom: Kretschmers Papst-Geschenk reiste im Dienstwagen

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat Papst Leo XIV. am 23. September bei einer Privataudienz im Vatikan einen rund vier Kilogramm schweren Dresdner Stollen überreicht. Die Delegation flog nach Rom, der Stollen nicht. Laut Medienberichten fuhr ihn ein eigener Dienstwagen samt Fahrer über die Alpen. Die Kosten trug die Staatskanzlei.
Ein Christstollen mit eigenem Chauffeur
Vom 22. bis 24. September war Kretschmer in Rom und im Vatikan. Mit ihm reisten Kulturministerin Barbara Klepsch, Infrastrukturministerin Regina Kraushaar, Justizministerin Constanze Geiert und Vertreter des Bistums Dresden-Meißen. Die Gruppe war also groß. Das Geschenk war allerdings noch aufwendiger.
Gebacken wurde der Stollen in der Konditorei Thomas Neubert in Bärenstein im Erzgebirge. Überreicht wurde er auf einem Holzbrett, in das ein Tischler den Namen des Papstes gelasert hatte. Dazu gab es einen Herrnhuter Stern für die Adventskrippe des Heiligen Stuhls. Das ist sächsisches Handwerk vom Feinsten, und dagegen gibt es nichts einzuwenden.
Die Staatskanzlei zahlt, nennt aber keine Summe
Fragwürdig ist der Weg nach Rom. Laut der Sächsischen Staatskanzlei war der Stollen zu groß und zu empfindlich für das Flugzeug. Er habe weder in die Kabine noch ins Aufgabegepäck gedurft. Deshalb sei ein Dienstwagen notwendig gewesen. Die Fahrtkosten habe die Staatskanzlei übernommen. Wie hoch sie waren, sagte sie nicht.
Von Dresden nach Rom sind es rund 1.400 Kilometer. Mit der Rückfahrt sind es also fast 3.000 Kilometer für einen Hefekuchen. Dazu kommen Sprit, Maut, Übernachtungen und die Arbeitszeit des Fahrers. Hätte es keinen Paketdienst gegeben, keinen Kurier, keine einfachere Lösung? Die Bürger müssen diese Frage stellen dürfen. Schließlich ist es ihr Geld.
Noch ein Detail: Am 21. September hatte die dpa gemeldet, Kretschmer habe den Stollen „im Gepäck“. Medienberichten zufolge stimmte das so nicht ganz.
Butterbrief, Staatskirchenvertrag und große Politik
Kretschmer begründete die Wahl seines Geschenks mit der Geschichte. Er erinnerte an den Dresdner Butterbrief von Papst Innozenz VIII. aus dem Jahr 1491. Bis dahin durften die Sachsen in der Fastenzeit nicht mit Butter backen. Der Brief erlaubte es ihnen. Ohne diese päpstliche Erlaubnis wäre der Dresdner Stollen, wie man ihn heute kennt, wohl kaum denkbar.
Anlass der Reise war ein Jubiläum. Seit 30 Jahren gibt es den Staatskirchenvertrag zwischen dem Freistaat Sachsen und dem Heiligen Stuhl. Er regelt das Verhältnis zwischen dem Staat und der katholischen Kirche in Sachsen. Laut Kretschmer sprach er mit dem Papst auch über die politische Lage in Deutschland, über künstliche Intelligenz und über einen möglichen Besuch Leos XIV. in Deutschland. Für Kretschmer war es die zweite Papst-Audienz. Im Jahr 2022 hatte er Franziskus getroffen.
Kleiner Betrag, starkes Signal
Nach der Audienz sagte Kretschmer vor Journalisten, der Papst wolle eigentlich gar keine Geschenke. Dann fügte er hinzu:
„Den Stollen fand er gut.“
Das ist schön für den Bäcker aus dem Erzgebirge. Für viele Steuerzahler bleibt trotzdem ein schaler Nachgeschmack. Die Summe mag klein sein, verglichen mit den Milliarden, die Bund und Länder sonst ausgeben. Doch an kleinen Beispielen sieht man oft, wie die Politik mit öffentlichem Geld umgeht. Viele Familien in Sachsen ächzen unter hohen Energiepreisen und Abgaben. Sie werden kaum verstehen, warum ein Kuchen einen eigenen Dienstwagen braucht und die Kosten geheim bleiben.
Die Lösung ist einfach: Die Staatskanzlei sollte die Zahlen offenlegen. Ehrlichkeit kostet nichts, schon gar keine 3.000 Kilometer.












