
Strandkorb-Posse im Kanzleramt: Amthor schickt sein Heimat-Möbel weg!

Der Strandkorb ist weg. Staatsminister Philipp Amthor (CDU) hat das blau-weiße Möbel vom Balkon des Berliner Kanzleramts wieder nach Mecklenburg-Vorpommern bringen lassen. Das gab die Bundesregierung am Montag bekannt. Vorausgegangen war eine Szene aus der ZDF-Dokumentation „Inside CDU“, die im Netz tagelang für Spott sorgte.
„Das sieht doch super aus“
Die Bilder haben es in sich. Der Strandkorb wird angeliefert, und Amthor zeigt sich begeistert: „Das sieht doch super aus“, sagt er in der Doku. Danach gibt er genaue Anweisungen, wie das Möbel ausgerichtet werden soll, und zwar, wie er selbst sagt, „für den unwahrscheinlichen Fall“, dass er sich einmal erhole.
Dazu kommt eine Anekdote über einen „Kanzleramtsfuchs“, der sich vom Balkon aus regelmäßig blicken lasse. Das ZDF legte eine majestätische Musik unter die Szene. Heraus kam ein Clip, der wie gemacht wirkt für die Häme im Internet.
Das Netz lacht, die CDU leidet
Die Reaktionen kamen schnell und waren gnadenlos. Auf den sozialen Plattformen machten sich unzählige Nutzer über die fast karikaturhafte Inszenierung lustig. Bald kursierten auch KI-generierte Bilder und Videos. Medienberichten zufolge schrieb ein Nutzer von „spätrömischer Dekadenz im Endstadium“. Die „Bild“ sah für die CDU durch den Clip sogar einen weiteren Rückschlag.
Hat der Staatsminister das Bild von Politikern, die weit weg vom Alltag der Bürger leben, damit selbst bedient? Viele Kritiker meinen ja. Allerdings stellt sich auch eine andere Frage: Wie viel ist hier echte Abgehobenheit und wie viel ist Schnitt, Musik und Dramaturgie des gebührenfinanzierten Senders? Die ZDF-Macher dürften jedenfalls gewusst haben, welche Wirkung die Szene haben würde.
Rückzug nach dem Shitstorm
In der Regierungspressekonferenz am Montagvormittag erklärte der stellvertretende Regierungssprecher Steffen Meyer, der Strandkorb sei nach Mecklenburg-Vorpommern zurückgeschickt worden. Grund sei die laute öffentliche und mediale Kritik gewesen.
Laut Meyer sollte der Strandkorb für die „Verbundenheit zur Heimat“ stehen. Er sei in Amthors Wahlkreis auf der Insel Usedom gebaut worden. Der CDU-Politiker habe ein „sichtbares Zeichen seiner Heimat“ ins Kanzleramt holen wollen.
Wer hat bezahlt?
Das war für viele Bürger die spannendste Frage. Nach Angaben des Regierungssprechers habe Amthor den Strandkorb selbst gekauft. Auch Transport, Aufbau und alle weiteren Kosten habe er privat bezahlt. Steuergeld sei demnach nicht geflossen. Die Skepsis im Netz wurde dadurch aber kaum kleiner.
Ein Karrierepolitiker mit Pannen-Historie
Amthor sitzt seit 2017 im Bundestag. 2025 zog er zum dritten Mal über die Landesliste seiner Partei ins Parlament ein. Zuerst wurde er Parlamentarischer Staatssekretär im neuen Ministerium für Digitales und Staatsmodernisierung. Im Juli folgte der Wechsel ins Kanzleramt, wo er seitdem Staatsminister für Bund-Länder-Zusammenarbeit ist.
Es ist nicht das erste Mal, dass Amthor mit schlechten Schlagzeilen auffällt. 2020 geriet er wegen seines Einsatzes für das US-Unternehmen Augustus Intelligence in die Kritik. Er räumte damals einen Fehler ein.
Symbol für eine angeschlagene Koalition
Der Strandkorb ist nur ein Möbelstück. Er landet aber mitten in einer Zeit, in der die schwarz-rote Koalition von Kanzler Friedrich Merz ohnehin schlecht dasteht. Die Bürger kämpfen mit hohen Abgaben, einem Schuldenberg in Rekordhöhe und einer Wirtschaft, die nicht in Gang kommt. Da wirkt ein Urlaubsmöbel auf dem Balkon der Macht fast wie ein Sinnbild.
Das Möbel ist zurück auf Usedom, der Imageschaden bleibt in Berlin. Für die Union ist die Lehre klar: Politik wird auch über Bilder gemacht, und dieses Bild hat die CDU selbst geliefert.
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