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Kettner Edelmetalle
22.06.2026
06:10 Uhr

Straße von Hormus: Während Tanker wieder rollen, zeigt sich Deutschlands gefährliche Abhängigkeit

Straße von Hormus: Während Tanker wieder rollen, zeigt sich Deutschlands gefährliche Abhängigkeit

Es ist ein Bild, das wie ein Sinnbild für die brüchige Weltordnung wirkt: Nachdem die Vereinigten Staaten und der Iran die Seestraße von Hormus für den kommerziellen Schiffsverkehr wieder freigegeben hätten, ströme das schwarze Gold erneut durch eine der wichtigsten Wasserstraßen der Welt. Mindestens zwanzig Öltanker hätten die Meerenge nach Angaben des Handelsanalysten Kpler passiert – der höchste Wert seit dem 2. Juni. Doch wer nun aufatmet, sollte genauer hinsehen.

Ein fragiler Waffenstillstand auf hoher See

Der Schiffsverkehr habe wieder zugenommen, nachdem die US-Marine ihre Blockade des Irans beendet habe, während Teheran nun Schiffen erlaube, für sechzig Tage ohne Mautgebühren zu passieren. US-Vizepräsident J.D. Vance erklärte gegenüber Reportern, die Iraner würden ihren Teil der Vereinbarung bislang einhalten. Man verzeihe mir die Skepsis: Diplomatische Versprechen aus Teheran haben in der Vergangenheit etwa die Haltbarkeit von Schnittblumen gehabt.

Insgesamt hätten am Donnerstag fünfundzwanzig Schiffe die Meerenge durchquert – darunter Fracht-, Container- und andere Schiffsklassen. Dennoch liege der Verkehr noch deutlich unter dem Niveau vor dem Krieg, als täglich mehr als hundert Schiffe passiert seien. Die Normalität, von der hier die Rede ist, ist also bestenfalls eine halbe.

"Die wechselseitigen Schiffsbewegungen deuten darauf hin, dass der iranische Rohölhandel allmählich zu normalen Betriebsmustern zurückkehrt", hätten die Analysten von Kpler ihren Kunden mitgeteilt.

Wenn Tanker im Dunkeln segeln

Besonders aufschlussreich: Iranische Supertanker, die während des Krieges ihre Transponder abgeschaltet hätten – also schlicht im Dunkeln gefahren seien – würden diese nun beim Verlassen der Region wieder einschalten. Fünf solcher mit Öl beladenen Riesen seien am Freitag beim Auslaufen beobachtet worden. Drei Supertanker aus Saudi-Arabien und einer aus den Vereinigten Arabischen Emiraten hätten Hormus passiert. Diese Giganten, sogenannte Very Large Crude Carriers, könnten bis zu zwei Millionen Barrel Öl transportieren.

Wer kontrolliert künftig das Nadelöhr der Weltwirtschaft?

Pikant ist eine Klausel der Vereinbarung: Achtzehn der durchquerenden Schiffe hätten die von Iran festgelegte Route befolgt, lediglich ein einziges die von der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation definierte. Teheran diktiert also die Spielregeln auf einer Wasserstraße, durch die ein erheblicher Teil des globalen Öls fließt. Nach Ablauf der sechzigtägigen mautfreien Frist wolle der Iran mit Oman und den Golfstaaten über die Verwaltung der Meerenge verhandeln. Dass dabei künftig Mautgebühren erhoben werden könnten, bleibe ausdrücklich offen.

Die deutsche Lektion, die niemand lernen will

Was bedeutet das für uns? Eine ganze Menge. Während sich in Berlin die Große Koalition unter Friedrich Merz und Lars Klingbeil mit 500-Milliarden-Sondervermögen und im Grundgesetz verankerter Klimaneutralität selbst feiert, zeigt der Blick auf Hormus die nackte Wahrheit: Energieversorgung und Wohlstand hängen an dünnen Fäden, die von Regimes auf der anderen Seite des Globus gespannt werden. Eine einzige Eskalation in dieser Meerenge, ein einziger gebrochener Deal – und die Ölpreise schießen in die Höhe, mit voller Wucht auf die ohnehin gebeutelte deutsche Industrie.

Wer in einer Welt, in der Supertanker ihre Transponder ausschalten und Mullahs über Handelsrouten entscheiden, sein Vermögen ausschließlich in Papierwerten, Aktien oder vermeintlich sicheren Fonds parkt, vertraut auf ein Kartenhaus. Physisches Gold und Silber kennen keine Transponder, keine Mautgebühren und keine diplomatischen Lippenbekenntnisse. Sie sind seit Jahrtausenden das, was sie sind – greifbarer Wert, unabhängig von der Laune eines Regimes. Als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio bieten Edelmetalle genau jene Stabilität, die geopolitische Beben aus den Krisenregionen dieser Welt eben nicht erschüttern können.

Fazit: Ruhe vor dem nächsten Sturm

Die Tanker rollen wieder, die Märkte atmen kurz auf. Doch dieser Frieden ist gemietet, nicht gekauft – auf sechzig Tage befristet und vom Wohlwollen Teherans abhängig. Wer klug ist, nutzt die ruhige See nicht zum Träumen, sondern zur Vorsorge.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Die hier wiedergegebenen Einschätzungen entsprechen der Meinung unserer Redaktion sowie den uns vorliegenden Informationen. Jede Anlageentscheidung – ob in Edelmetalle, Rohstoffe, Aktien oder andere Anlageklassen – erfordert eine eigenständige und sorgfältige Recherche. Für Ihre Investitionsentscheidungen sind Sie selbst verantwortlich.

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