
Straße von Hormus wird zum Spielball: Wie ein Nadelöhr am Persischen Golf über unseren Wohlstand entscheidet

Es gibt Momente, in denen sich die ganze Fragilität unserer globalisierten Wirtschaft an einem einzigen geografischen Punkt entlädt. Die Straße von Hormus – eine schmale Wasserstraße, gerade einmal 33 Kilometer breit an ihrer engsten Stelle – ist ein solcher Punkt. Und dieser Punkt droht erneut zum Krisenherd zu werden, der die Ölpreise, die Inflation und damit letztlich den Geldbeutel eines jeden deutschen Bürgers in Mitleidenschaft ziehen könnte.
Von der Entwarnung zurück in die Eskalation
Kaum hatte man geglaubt, die Lage habe sich beruhigt, kippt sie erneut. Nach dem vorläufigen Friedensabkommen zwischen Washington und Teheran nahm der Schiffsverkehr durch die weltweit bedeutendste Öltransportroute wieder spürbar Fahrt auf. Nach Daten des Analysehauses Kpler passierten in den drei Wochen nach der Einigung durchschnittlich 34 Rohstoffschiffe täglich die Meerenge, am 24. Juni wurde mit 59 Transitfahrten gar ein Höchststand erreicht.
Doch die Erholung war ein Strohfeuer. Neue US-Angriffe auf den Iran – laut Bloomberg der zweite Tag in Folge – ließen den Verkehr am Donnerstag nahezu zum Stillstand kommen. Die wenigen beobachtbaren Bewegungen verliefen fast ausschließlich entlang einer vom Iran genehmigten Nordroute, während der von den USA protegierte Korridor vor Oman weitgehend verwaist blieb.
Bereits am Mittwoch passierten nur noch 14 Rohstoffschiffe die Meerenge – so wenige wie seit dem Friedensabkommen Mitte Juni nicht mehr.
Goldman Sachs schlägt Alarm – und das aus gutem Grund
Die Investmentbank Goldman Sachs sieht die regionale Ölversorgung noch immer im Reparaturmodus. Die Analysten schätzen, dass die Rohölproduktion der Golfstaaten im Juni rund 10,5 Millionen Barrel pro Tag unter dem Vorkriegsniveau lag. Zwar hätten die Produzenten begonnen, stillgelegte Förderquellen wieder anzufahren – doch ohne einen sicheren Transport durch Hormus verpufft dieser Fortschritt.
Die Öltransporte durch den Persischen Golf sind nach den jüngsten Tankerangriffen bereits wieder auf rund 70 Prozent des Normalniveaus zurückgefallen. Zuvor hatten sie sich kurzzeitig auf über 80 Prozent erholt. Ein volatiles Auf und Ab, das den Nerv der Märkte strapaziert.
Die Preise reagieren – prompt und schmerzhaft
Wenig überraschend blieben die Spannungen am Ölmarkt nicht folgenlos. Brent-Rohöl kletterte am Mittwoch um mehr als fünf Prozent und legte am Donnerstag zeitweise um weitere 1,5 Prozent auf über 79 US-Dollar je Barrel zu. Die US-Sorte WTI notierte wieder nahe der 74-Dollar-Marke. Bemerkenswert dabei: Die Preisbewegung speist sich weniger aus tatsächlichen Produktionsausfällen als aus der blanken Angst vor Lieferkettenstörungen.
Wer profitiert – und wer die Zeche zahlt
Es lohnt sich, einen kritischen Blick auf die Gesamtlage zu werfen. Während westliche Reserven angeblich zur Neige gehen, fließt das Öl der durchgekommenen Tanker nach Asien – nach China. Ob man dies nun als geopolitisches Kalkül oder als Verkettung unglücklicher Umstände deutet, das Ergebnis bleibt dasselbe: Der Westen leert seine Speicher, während andere Mächte ihre Versorgung sichern. Ein Szenario, das man in Berlin lieber ausblendet, statt sich ernsthaft mit einer verlässlichen Energiestrategie zu befassen.
Genau hier zeigt sich die deutsche Misere. Anstatt auf eine breit aufgestellte, souveräne Energieversorgung zu setzen, hat man sich jahrelang in ideologische Experimente verrannt und macht sich abhängig von Faktoren, die in einer schmalen Meerenge am Golf entschieden werden. Die Folgen einer erneuten Ölpreisexplosion – steigende Energiekosten, angeheizte Inflation, gebeutelte Verbraucher – würden ein weiteres Mal jene treffen, die ohnehin schon unter der Fehlpolitik der vergangenen Jahre ächzen.
Jetzt entscheidet Hormus – und niemand hat es in der Hand
Wie es weitergeht, hängt maßgeblich von der Entwicklung in der Meerenge ab. Sollten die Verhandlungen zwischen Washington und Teheran fortgesetzt werden und Reedereien neue Sicherheitsgarantien erhalten, könnte sich die Versorgung bis Ende Juli erholen. Scheitern die Gespräche jedoch und diskutiert Teheran gar eine vollständige Blockade, dann drohen neue Angriffe auf Tanker und ein anhaltender Aufwärtsdruck auf die Ölpreise.
Die entscheidende Frage lautet damit nicht, wie viel die OPEC-Staaten fördern, sondern: Bleibt die wichtigste Ölroute der Welt geöffnet – oder wird die Straße von Hormus erneut zum geopolitischen Nadelöhr des globalen Energiemarktes?
Warum physische Edelmetalle in solchen Zeiten glänzen
Geopolitische Krisen dieser Art führen uns immer wieder vor Augen, wie verletzlich ein rein papiergebundenes Vermögen ist. Wenn Öl steigt, die Inflation anzieht und die Finanzmärkte ins Wanken geraten, suchen kluge Anleger seit jeher Zuflucht in Werten, die keiner politischen Laune und keinem eingefrorenen Schifffahrtskorridor unterliegen. Gold und Silber haben über Jahrhunderte hinweg bewiesen, dass sie in Zeiten der Unsicherheit Bestand haben. Als Beimischung zu einem breit gestreuten Vermögensportfolio bieten physische Edelmetalle einen soliden Anker – unabhängig davon, ob die Straße von Hormus offen oder geschlossen bleibt.
Hinweis: Die in diesem Beitrag dargestellten Einschätzungen geben die Meinung unserer Redaktion sowie die uns vorliegenden Informationen wieder. Wir betreiben ausdrücklich keine Anlageberatung. Jeder Anleger ist verpflichtet, eigenständig zu recherchieren und trägt die Verantwortung für seine Investitionsentscheidungen selbst. Die genannten Kurse und Marktdaten dienen lediglich der Information und stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung für irgendein Finanzinstrument dar.

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