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26.05.2026
07:48 Uhr

Strom-Rationierung in Hamburg: Wenn die Energiewende zur Mangelverwaltung wird

Strom-Rationierung in Hamburg: Wenn die Energiewende zur Mangelverwaltung wird

Was sich derzeit in der Hansestadt anbahnt, hat das Zeug zu einem Lehrstück über den ideologischen Bankrott der deutschen Energiepolitik. Künftig soll in Hamburg nicht mehr das altbewährte Prinzip „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst" gelten, wenn Unternehmen einen Stromanschluss begehren. Stattdessen entscheidet künftig der Netzbetreiber Hamburger Energienetze – eine hundertprozentige Tochter der Stadt – darüber, wer überhaupt noch ans Netz kommt. Großverbraucher mit einem Bedarf von mehr als 1,5 Megavoltampere müssen sich auf ein sogenanntes „Repartierungsverfahren" einstellen. Schöner kann man Strommangel kaum verpacken.

Die Sprache der Mangelwirtschaft kehrt zurück

Die Verantwortlichen sprechen von einer „fairen Verteilung". Wer in Geschichte ein wenig aufgepasst hat, dem dürfte bei dieser Wortwahl ein Schauer über den Rücken laufen. Denn „faire Verteilung" ist die euphemistische Begleitmusik überall dort, wo Knappheit herrscht und der freie Markt seine Steuerungsfunktion eingebüßt hat. Es ist die Sprache der Bewirtschaftung – jener Praxis, die wir eigentlich in den staubigen Geschichtsbüchern über zentralverwaltete Volkswirtschaften vermutet hätten.

Hamburg steht dabei keineswegs allein. In zahlreichen industriellen und urbanen Regionen Deutschlands offenbart sich derzeit dasselbe Problem: Die Netzkapazitäten reichen nicht aus. Die jahrelang beschworene „Transformation" – wer hätte es gedacht – funktioniert eben nicht, wenn man die nötige Infrastruktur dafür schlicht vergisst. Oder, wie es bissiger formuliert werden könnte: Während Milliarden in Wind- und Solarsubventionen flossen, hat man den banalen Umstand übersehen, dass Strom auch irgendwie beim Verbraucher ankommen muss.

Vom Industriestandort zur Rationierungszone

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Bis 2020 dümpelte die Hamburger Energienachfrage stabil zwischen 12 und 13 Terawattstunden pro Jahr. Doch die politisch erzwungene Elektrifizierung von Mobilität und Wärme, der Aufbau von Rechenzentren sowie ideologisch motivierte Wasserstoffprojekte treiben die benötigte Anschlussleistung in die Höhe. Die aktuelle Netzlast liegt bei rund 1,8 Gigawatt – zusätzliche Kapazitätsanfragen von etwa 2 Gigawatt stehen im Raum. Mit anderen Worten: Die Nachfrage könnte sich beinahe verdoppeln, während das Netz an seine Grenzen stößt.

Ein Beispiel macht das Dilemma plastisch: Stehen an einem Netzabschnitt 100 Megawatt zur Verfügung und bewerben sich ein Rechenzentrum (80 MW), ein Wasserstoff-Elektrolyseur (70 MW) und ein Batteriespeicher (50 MW), so muss der Netzbetreiber entscheiden – politisch, bürokratisch, intransparent. Wer sich da nicht an dirigistische Planspiele vergangener Tage erinnert fühlt, hat entweder selektive Wahrnehmung oder ein erstaunlich kurzes Gedächtnis.

Das Subventionsdesaster und seine Erben

Wie konnte es so weit kommen? Die Antwort ist unbequem, aber simpel: Im Subventionsrausch um Solar- und Windkraft wurde die Netzinfrastruktur sträflich vernachlässigt. Es wurden Erzeuger mit Einspeisegarantien geradezu belohnt, völlig unabhängig davon, ob die produzierte Energie überhaupt sinnvoll abtransportiert werden konnte. Die Folge: Wenn die Sonne scheint und der Wind bläst, müssen die Nachbarländer dafür bezahlt werden, dass sie unseren Überschussstrom überhaupt abnehmen. Wenn nachts Flaute herrscht, kauft Deutschland teuer zurück. Ein wirtschaftspolitisches Meisterstück – sofern man Selbstsabotage als Kunstform begreift.

Datenintensive Wirtschaftsbereiche wie die Künstliche Intelligenz, die in den USA und China für regelrechte Sonderkonjunkturen sorgen, kann Deutschland unter diesen Bedingungen vergessen. Welcher internationale Konzern errichtet ein milliardenschweres Rechenzentrum dort, wo die Stromversorgung von einem staatlichen Zuteilungsbeamten abhängt? Die Antwort liegt auf der Hand – und sie lautet nicht: Hamburg.

Der Staat als großer Verteiler – ein gefährliches Spiel

Besonders pikant: Aus dem selbstverschuldeten Staatsversagen erwächst ein gewaltiger Machtzuwachs des staatlichen Akteurs. Wer entscheidet, wer Strom bekommt, hat eine enorme Machtfülle in der Hand. Lobbyismus, politische Beziehungen, möglicherweise auch Korruption werden zur heimlichen Währung. Wer das passende Parteibuch hat oder die richtigen Kontakte pflegt, mahlt zuerst. Wer als unliebsames Unternehmen gilt, geht leer aus. Das ist nicht Marktwirtschaft – das ist planwirtschaftliches Funktionärstum in neuer Verpackung.

Die Energieintensive Industrie wird mit den Betreibern von Rechenzentren um die knapper werdenden Kapazitäten ringen müssen. Wer da im Wettstreit verliert, hat zwei Optionen: Betrieb einstellen oder Deutschland verlassen. Beides bedeutet Wohlstandsverlust für ein Land, das sich solche Aderlässe längst nicht mehr leisten kann.

Was bleibt dem Bürger?

Während die Politik einen ideologischen Kurs verfolgt, der das Industrieland Deutschland Stück für Stück demontiert, bleibt dem Bürger vor allem eines: die Erkenntnis, dass auf staatliche Versprechen kein Verlass ist. Was gestern als „Versorgungssicherheit" galt, ist morgen ein bürokratisches Zuteilungsverfahren. Was als „grüne Revolution" gefeiert wurde, entpuppt sich als Mangelverwaltung.

In einem solchen Umfeld gewinnt die Frage nach realer Vermögenssicherung neue Brisanz. Wer sein Vermögen ausschließlich in Papierwerten oder Anlageklassen hält, die unmittelbar von politischen Entscheidungen abhängen, setzt sich erheblichen Risiken aus. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben über Jahrhunderte bewiesen, dass sie sowohl politische Verwerfungen als auch wirtschaftliche Krisen überdauern. Als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio bieten sie das, was die deutsche Energiepolitik gerade verspielt: Substanz und Verlässlichkeit.

Hinweis: Der vorstehende Beitrag stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Es handelt sich ausschließlich um die journalistische Einordnung und Meinung unserer Redaktion auf Grundlage der uns vorliegenden Informationen. Jeder Leser ist aufgefordert, eigene Recherchen anzustellen und gegebenenfalls qualifizierten Rat von Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatern einzuholen. Für Anlageentscheidungen trägt jeder Anleger die alleinige Verantwortung.

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