
Tankerkrieg am Hormus: Ölpreis klettert Richtung 100 Dollar

Die Straße von Hormus ist zum Schlachtfeld geworden. Nach den bislang heftigsten gegenseitigen Angriffen auf Öltanker zwischen den USA und dem Iran zog der Brent-Preis am Montagmorgen um rund 1,2 Prozent an und notierte wieder über 97 Dollar je Barrel. Am Freitag war die Nordseesorte zeitweise noch unter 93,50 Dollar gerutscht.
Drei Tanker getroffen – Teheran spricht von Vergeltung
Wie Bloomberg berichtet, erklärte der Iran am Wochenende, drei mit den USA verbundene Schiffe attackiert zu haben – Begründung: eine nicht genehmigte Route durch die Meerenge. Teheran stellte die Angriffe als Antwort auf amerikanische Schläge gegen iranische Öltanker dar.
Zuvor hatte das US-Militär nach eigenen Angaben drei iranische Rohöltanker angegriffen. Der unbeladene Suezmax-Tanker „Kylo“ sei im Golf von Oman gesunken, die „Stark I“ und der Großtanker „Downy“ außer Gefecht gesetzt worden. Washington begründet den Einsatz mit ballistischen Raketenangriffen der Revolutionsgarden auf zwei US-Kriegsschiffe.
Mohammad Bagher Ghalibaf, Präsident des iranischen Parlaments, erklärte laut einem Telegram-Beitrag, die Ära der „verhältnismäßigen Reaktionen“ sei beendet. Die USA müssten „verstehen, bevor es zu spät ist, dass sich die Spielregeln geändert haben“. Jede weitere Aggression werde „schneller, härter und schmerzhafter“ beantwortet.
Eine Sperrzone mit unklaren Grenzen
Zusätzliche Nervosität schürt eine Ankündigung des obersten iranischen Sicherheitsverantwortlichen Mohsen Rezaee. Laut Press TV soll in den kommenden Tagen eine neue Sperrzone außerhalb der Straße von Hormus entstehen – beginnend an der Blockadelinie der US-Marine, hineinreichend in Teile des Persischen Golfs. Wer sie durchfährt, soll auf einer iranischen Sanktionsliste landen.
Wo die Grenzen genau verlaufen und wie Teheran sie durchsetzen will, blieb offen. Genau diese Unklarheit ist für Reeder und Versicherer das eigentliche Gift.
Washington bleibt – und eskortiert
US-Energieminister Chris Wright stellte im CNN-Format „State of the Union“ klar, dass die Marinepräsenz nicht reduziert werde. Seine Worte:
„Es sollte nicht allein in der Verantwortung der Vereinigten Staaten liegen. Aber bis der Iran seine Position oder seine Regierung ändert, werden wir uns darum kümmern müssen.“
Nach Wrights Angaben passieren derzeit rund neun Millionen Barrel pro Tag die Meerenge – zusammen mit alternativen Pipeline-Routen mindestens zwei Drittel des Vorkriegsniveaus. Zur Einordnung: In normalen Zeiten fließt durch Hormus etwa ein Fünftel des global gehandelten Öls. Der Weltmarkt hängt damit am militärischen Schutzschirm einer einzigen Nation.
Goldman Sachs warnt vor 120 Dollar
Goldman Sachs sieht bei einer Verschärfung erhebliche Preisrisiken: Nehmen die Angriffe auf den Schiffsverkehr zu, sei ein Anstieg auf bis zu 120 Dollar je Barrel möglich. Rohstoffstratege Daan Struyven bezeichnete ausgeweitete Lieferstörungen als ernst zu nehmendes Risiko.
Dass Brent bislang nur moderat zulegt, zeigt: Der Markt preist eine höhere Risikoprämie ein – aber noch keinen Lieferausfall. Historisch ist das Muster bekannt. Schon im „Tankerkrieg“ der 1980er Jahre zwischen Iran und Irak wurden Handelsschiffe systematisch zum Ziel, und 2022 katapultierte der Ukraine-Krieg Brent über 120 Dollar.
Was das für deutsche Verbraucher bedeutet
Für Deutschland ist teures Öl doppelt bitter: Es treibt Sprit-, Heiz- und Transportkosten – und damit die Inflation, während die EZB in dieser Woche über die Zinsen entscheidet. Eine Energiepolitik, die auf teure Importe und regulatorische Umwege setzt, wirkt in solchen Lagen wie ein Klotz am Bein der Industrie.
Aus Sicht unserer Redaktion zeigt der Konflikt vor allem eines: Geopolitische Schocks kommen ohne Vorwarnung. Wer sein Vermögen breit streut, sollte physische Edelmetalle als krisenerprobten Stabilitätsanker nicht ausblenden – Gold und Silber kennen keine Blockadelinie.
Hinweis: Dieser Beitrag ist journalistische Information und keine Anlageberatung. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Leser trifft seine Anlageentscheidungen eigenverantwortlich und sollte sich unabhängig informieren.

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