
Thiel-Beben bei Springer: Milliardär rechnet mit den Medien ab!

Peter Thiel hat bei der Verleihung des Axel Springer Awards am Donnerstagabend in Berlin mit Teilen der Medienlandschaft abgerechnet. Der Palantir-Mitgründer sagte, er frage sich, warum so viele Medien „zu einer Art linken Hassfabrik verkommen“ seien. Vor dem Verlagsgebäude protestierten zahlreiche Menschen, und im Saal kam es zu einer kurzen Störaktion.
„Sehr, sehr einseitig“: Thiels Generalabrechnung
Diplomatisch war seine Rede nicht. Die Medienlandschaft sei „sehr, sehr einseitig“, sagte Thiel, und sie sei „bei weitem nicht so frei, wie wir es uns wünschen würden“. Gemeint ist offenbar ein Journalismus, den viele Bürger als belehrend statt informierend empfinden.
Lob bekamen dagegen Springer-Chef Mathias Döpfner und die US-Journalistin Bari Weiss vom Sender CBS, die ebenfalls auf der Bühne sprach. Thiel würdigte ihren „Mut“ und nannte sie „Gegenstimmen“. Ohne solche Menschen, sagte er, wäre die Lage „wirklich sehr, sehr schlecht“.
Berlin-Wahl: Das richtige Problem, die falsche Medizin
Interessant wurde es, als Thiel auf die Berliner Wahl zu sprechen kam. Bei der Abgeordnetenhauswahl am 20. September hatte die Linke nach dem vorläufigen Ergebnis 25,7 Prozent geholt und ihren Stimmenanteil damit mehr als verdoppelt. CDU und SPD verloren deutlich.
Thiel zeigte Verständnis für die Wähler. Es gebe ein „sehr reales Problem“, Wohnen sei zu teuer und zu stark reguliert. Die Linke habe darauf aber keine guten Antworten. Mit Mietpreisbindungen werde man Berlin wahrscheinlich „in ein Elendsviertel verwandeln“, warnte er.
Die Hauptstadt kennt das Experiment schon. Der rot-rot-grüne Mietendeckel scheiterte 2021 vor dem Bundesverfassungsgericht. Zurück blieben verunsicherte Mieter und Vermieter, die sich zurückhielten. Trotzdem will Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp Medienberichten zufolge nun private Wohnungsunternehmen vergesellschaften. Mehr Wohnungen entstehen durch Enteignung allerdings nicht, und Investoren dürften sich eher abschrecken lassen.
Wer ist der Mann, der die Gemüter spaltet?
Der in Frankfurt am Main geborene Thiel gehört zu den einflussreichsten Investoren der digitalen Ära. Er war Mitgründer von PayPal und später von Palantir, dessen Software für Datenanalyse auch Sicherheitsbehörden nutzen. In Deutschland wird heftig darüber gestritten, ob sich Polizei und Behörden auf solche Produkte verlassen sollten. Thiel gilt zudem als Vertrauter von US-Präsident Donald Trump und kritisiert liberale Demokratien.
Springer ehrt mit ihm den zehnten Preisträger des nicht dotierten Awards, der Persönlichkeiten auszeichnet, die Märkte in herausragender Weise verändern. Döpfner begründete die Wahl mit Thiels Unternehmertum, seiner Risikobereitschaft und seinem unkonventionellen Denken. Vor ihm erhielten den Preis unter anderem:
- Mark Zuckerberg (Facebook)
- Jeff Bezos (Amazon)
- Elon Musk (Tesla)
- Tim Berners-Lee, Erfinder des World Wide Web
Protest vor der Tür, Störer auf der Bühne
Vor dem Springer-Komplex versammelten sich zahlreiche Demonstranten, zu denen linke Gruppen aufgerufen hatten. Auf einem Banner stand „Thiel Shall Not Pass“, eine Anspielung auf „Der Herr der Ringe“. Laut Polizei blieb die Kundgebung störungsfrei. Auch der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) hatte die Preisvergabe vorab kritisiert.
Während der Verleihung trat nach Angaben von Springer ein Mitarbeiter eines Dienstleisters mit einem Transparent auf die Bühne. Darauf stand: „They know that we know that they lie.“ Sicherheitskräfte brachten den Mann von der Bühne, verletzt wurde laut Verlag niemand.
Der Abend zeigte, wie gereizt die Debatte in Deutschland inzwischen ist. Thiel wirft den Medien Einseitigkeit vor, und seine Gegner reagieren mit Bannern und Störaktionen statt mit Argumenten. Damit bestätigen sie ungewollt einen Teil seiner Kritik. Beantwortet ist die Frage, wie frei der Diskurs in diesem Land noch ist, damit allerdings nicht.
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