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23.01.2026
07:11 Uhr

TikTok bleibt in Amerika: Trump feiert Deal als patriotischen Triumph

TikTok bleibt in Amerika: Trump feiert Deal als patriotischen Triumph

Die chinesische Videoplattform TikTok hat offiziell ein Joint Venture gegründet, das den Weiterbetrieb der App in den Vereinigten Staaten sicherstellt. Was auf den ersten Blick wie ein wirtschaftlicher Kompromiss erscheint, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als geopolitisches Machtspiel zwischen Washington und Peking – mit Donald Trump als selbsternanntem Sieger.

Neue Führung unter amerikanischer Flagge

Adam Presser, bislang Leiter des operativen Geschäfts und der Sicherheitsabteilung bei TikTok, übernimmt die Geschäftsführung des neu gegründeten Unternehmens namens TikTok USDS Joint Venture. Der ehemalige Warner Bros.-Manager arbeitet seit knapp vier Jahren für die Plattform und gilt als Vertrauensmann beider Seiten. Der bisherige TikTok-Chef Shou Chew wird künftig als Direktor im siebenköpfigen Vorstand sitzen, der mehrheitlich aus amerikanischen Vertretern besteht.

Die Zusammensetzung des Gremiums liest sich wie ein Who's Who der amerikanischen Finanz- und Technologieelite: Vertreter von TPG Global, Susquehanna International Group, Silver Lake, Oracle und dem Staatsfonds MGX aus Abu Dhabi nehmen Platz am Entscheidungstisch. ByteDance, der chinesische Mutterkonzern, behält lediglich 19,9 Prozent der Anteile – eine symbolische Beteiligung, die den Anschein wahrt, ohne echte Kontrolle zu gewähren.

Trumps triumphaler Auftritt

Präsident Trump ließ es sich nicht nehmen, den Abschluss auf seiner Plattform Truth Social als persönlichen Erfolg zu verkaufen. Das Unternehmen gehöre nun einer „Gruppe großartiger amerikanischer Patrioten und Investoren", verkündete er stolz. Bemerkenswert dabei: Trump dankte ausdrücklich dem chinesischen Staatschef Xi Jinping für dessen Zustimmung zum Geschäft.

„Er hätte auch anders entscheiden können, aber das tat er nicht, und das wird geschätzt."

Eine offizielle Bestätigung aus Peking blieb allerdings aus. Die chinesische Regierung hüllt sich in Schweigen – ein diplomatisches Manöver, das Raum für Interpretationen lässt. Ob Xi tatsächlich aktiv zugestimmt hat oder lediglich nicht intervenierte, bleibt im Nebel der Geheimdiplomatie verborgen.

Der lange Schatten des Sicherheitsgesetzes

Die Vorgeschichte dieses Deals reicht bis in die Biden-Administration zurück. Ein nationales Sicherheitsgesetz hatte ByteDance vor die Wahl gestellt: Entweder den Verkauf der US-Geschäfte oder ein vollständiges Verbot der App. Die Sorge vor chinesischer Spionage und Datenabfluss trieb die amerikanischen Gesetzgeber um – nicht ganz unberechtigt, wenn man bedenkt, welche Datenmassen eine Plattform mit über 170 Millionen amerikanischen Nutzern sammelt.

Trump setzte das Gesetz jedoch nie durch. Stattdessen unterzeichnete er mehrere Exekutivanordnungen, die dem Justizministerium die Hände banden, während hinter den Kulissen verhandelt wurde. Ein klassisches Manöver: Druck aufbauen, dann als Retter auftreten.

Datensicherheit made in America?

Das neue Joint Venture verspricht umfassende Sicherheitsmaßnahmen. Der begehrte Empfehlungsalgorithmus – das eigentliche Herzstück von TikToks Erfolg – wird künftig in amerikanischen Rechenzentren von Oracle gehostet. Dort soll er mit ausschließlich amerikanischen Nutzerdaten trainiert und aktualisiert werden. Klingt beruhigend, wirft aber Fragen auf: Wie unabhängig kann ein Algorithmus sein, dessen Grundstruktur in China entwickelt wurde?

Die Vereinbarung sichert zudem den Fortbestand von Schwester-Apps wie CapCut und Lemon8 auf dem amerikanischen Markt. Für Content-Ersteller und Werbetreibende bedeutet dies Kontinuität – und für ByteDance einen Fuß in der Tür des lukrativsten Werbemarktes der Welt.

Ein Deal mit Fragezeichen

Die Bewertung des US-Geschäfts von TikTok liegt Berichten zufolge bei rund 14 Milliarden Dollar. Vizepräsident JD Vance hatte bereits im September eingeräumt, dass es „gewissen Widerstand" aus Peking gegeben habe. Dass der Deal nun dennoch zustande kam, deutet auf erheblichen Druck hin – oder auf Zugeständnisse, die nicht öffentlich kommuniziert wurden.

Was bleibt, ist ein bemerkenswertes Schauspiel: Eine chinesische App, die unter amerikanischer Aufsicht weiterbetrieben wird, mit einem Vorstand voller Wall-Street-Größen und einem Präsidenten, der sich als Dealmaker inszeniert. Ob die nationale Sicherheit damit tatsächlich gewahrt ist oder ob hier lediglich Kosmetik betrieben wurde, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen.

Eines steht fest: Im Ringen um technologische Vorherrschaft zwischen den USA und China ist TikTok zum Spielball geworden. Und wie bei jedem guten Spiel gilt auch hier: Der wahre Gewinner zeigt sich erst am Ende.

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