
Tradition stirbt in Sachsen: 120 Jahre Damino enden im bürokratischen Devisen-Sumpf

Was für ein bitteres Ende für ein Stück sächsischer Industriegeschichte: Die Damino GmbH aus Großschönau, einst gegründet um die Jahrhundertwende und seit 1906 Hersteller hochwertiger Damaststoffe, Tischdecken sowie Sitzbezüge für Züge und Flugzeuge, stellt Anfang Juni 2026 ihren Betrieb endgültig ein. Die letzte Hoffnung, ein potenzieller Investor aus Usbekistan, hat sich in den Wirren des dortigen Finanzsystems verloren. 120 Jahre Tradition – ausradiert durch ein bürokratisches Hindernis, das in einem funktionierenden Wirtschaftsumfeld vermutlich kaum eine Rolle gespielt hätte.
Wenn Devisenkontrollen ein Lebenswerk vernichten
Der Fall liest sich wie aus einem Lehrbuch über die Gefahren globaler Finanzverflechtungen: Der Investor habe, so die offizielle Mitteilung der mit der Sachverwaltung betrauten Kanzlei Schultze & Braun, den vertraglich vereinbarten Kaufpreis schlicht nicht nach Deutschland überweisen können. Devisentransaktionen in Usbekistan würden faktisch zentral durch die Banken überwacht, ohne verbindliche Fristen, mit unklarer Zuteilung. Eine Anzahlung sei zwar geflossen, doch der vollständige Betrag bleibe in den Mühlen einer staatlich gelenkten Devisenbewirtschaftung stecken. Großschönaus Bürgermeister Frank Peuker zeigte sich gegenüber dem MDR irritiert, das Ganze lese sich nicht gerade schlüssig, äußerte er Zweifel.
81 Familien stehen vor dem Nichts
Hinter den nüchternen Insolvenzformulierungen verbergen sich Schicksale: 81 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verlieren ihre Arbeitsplätze, 20 davon bereits zuvor, weitere 61 nun endgültig. Geschäftsführer Sandro Strack ließ verlautbaren, man habe alles im eigenen Ermessen Stehende unternommen, um den Kaufvertrag zur Wirksamkeit zu bringen. Sanierungsgeschäftsführer Dirk Eichelbaum sprach von einem nach knapp einem Jahr Reorganisation ausgesprochen ernüchternden Befund. Nüchterne Worte für ein industrielles Drama.
Symptom eines kranken Standorts
Doch wer den Fall isoliert betrachtet, übersieht das größere Bild. Damino ist kein Einzelfall, sondern Teil einer beunruhigenden Serie. Die deutsche Industrielandschaft, einst Stolz der Republik, blutet seit Jahren aus. Energiekosten auf Rekordniveau, eine Bürokratie, die selbst gestandene Mittelständler in die Knie zwingt, und eine Politik, die ideologische Projekte über industrielle Realitäten stellt – das ist der Nährboden, auf dem solche Tragödien gedeihen. Wenn ein Traditionsbetrieb am Ende auf einen Investor aus Zentralasien angewiesen ist, weil sich im eigenen Land oder im benachbarten europäischen Wirtschaftsraum kein Käufer findet, dann sagt das mehr über die deutsche Standortpolitik aus als jede Sonntagsrede aus Berlin.
Sachsen verliert ein weiteres Stück Identität
Die Oberlausitz war einmal Synonym für hochwertige Damastproduktion, eine Region mit Stolz auf ihr Handwerk und ihre Webkunst. Mit Damino verschwindet nun ein weiteres Glied dieser einst stolzen Kette. Wer auf Zugfahrten oder Flugreisen auf den Stoffen aus Großschönau Platz genommen hat, ahnte vermutlich kaum, dass er auf einem Stück echten deutschen Industrieerbes saß. Künftig wird man wohl auf Importware aus Fernost ausweichen müssen. Die jüngsten Insolvenzzahlen zeigen zwar einen leichten Rückgang nach dem Rekord-Pleitenjahr, doch die strukturelle Schwäche bleibt. Jeder einzelne Fall wie Damino ist ein Mahnmal dafür, wie schnell jahrzehntelang gewachsene Substanz verloren gehen kann, wenn Politik und Wirtschaftsbedingungen nicht zusammenpassen.
Warum reale Werte heute wichtiger sind denn je
Fälle wie dieser führen einmal mehr vor Augen, wie fragil scheinbar solide Wirtschaftsstrukturen sein können. Wenn selbst ein 120 Jahre alter Traditionsbetrieb innerhalb eines Jahres verschwinden kann, was bedeutet das erst für Sparguthaben, Aktiendepots oder Unternehmensbeteiligungen? Wer sein Vermögen langfristig sichern möchte, sollte über eine breite Streuung nachdenken. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben sich über Jahrhunderte als wertstabile Beimischung in einem ausgewogenen Portfolio bewährt – unabhängig von Devisenkontrollen, Bankensystemen oder politischen Verwerfungen. Sie sind das, was bleibt, wenn Papierversprechen zerfallen.
Haftungsausschluss: Die in diesem Artikel geäußerten Einschätzungen stellen die Meinung der Redaktion dar und sind keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Anlageentscheidungen sollten stets auf Grundlage eigener, gründlicher Recherche oder nach Konsultation eines qualifizierten Beraters getroffen werden. Jeder Anleger ist für seine Investitionsentscheidungen selbst verantwortlich.
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