
Trotz Pekings Wutgeheul: Somaliland eröffnet diplomatisches Büro in Taiwan – ein Lehrstück über staatliche Souveränität
Während sich die Großmächte dieser Welt routiniert in fremde Angelegenheiten einmischen, geschieht am Horn von Afrika etwas Bemerkenswertes: Ein Land, das offiziell auf keiner Landkarte der Vereinten Nationen existiert, setzt ein selbstbewusstes Zeichen gegen den Druck zweier weitaus mächtigerer Akteure. Somaliland hat am vergangenen Freitag ein neues Vertretungsbüro in Taiwan eröffnet – und das, obwohl Peking und Mogadischu vor Empörung kaum an sich halten konnten.
Zwei Außenseiter finden zueinander
Die Symbolik könnte kaum stärker sein. Hier verbünden sich gleich zwei Gebilde, die von der internationalen Staatengemeinschaft beharrlich ignoriert werden. Somaliland erklärte bereits 1991 seine Unabhängigkeit von Somalia und funktioniert seither als faktischer Staat mit eigenen Regierungsinstitutionen und Sicherheitsstrukturen. Anerkennung von einem UN-Mitgliedsstaat? Lange Fehlanzeige – bis Israel im Dezember als erster Staat den Schritt wagte.
Mahmoud Adam Jama Galaal, Somalilands Vertreter in Taiwan, brachte es auf den Punkt: Man habe das Recht, sich seine Beziehungen selbst auszusuchen. Druckmittel seien schlicht erfolglos geblieben. Eine Haltung, die man sich in mancher europäischen Hauptstadt durchaus zum Vorbild nehmen dürfte, wo Souveränität allzu oft auf dem Altar globaler Befindlichkeiten geopfert wird.
"Taiwan und Somaliland sind beide Leuchttürme der Demokratie, der Freiheit und der Rechtsstaatlichkeit", soll Taiwans stellvertretender Außenminister Francois Wu bei der Eröffnung erklärt haben.
Die geopolitische Schachpartie am Roten Meer
Wer glaubt, es ginge hier nur um zwei abgeschiedene Gebiete, der unterschätzt die strategische Brisanz. Somaliland liegt am Horn von Afrika – einer der sensibelsten Regionen des Welthandels. Israel sucht die Nähe, um Militärbasen zu errichten und Macht im Roten Meer zu projizieren, insbesondere an der strategisch entscheidenden Meerenge Bab al-Mandab, wo die jemenitischen Streitkräfte das Sagen haben.
Taiwan wiederum kennt das Dilemma der fehlenden Anerkennung nur zu gut. Seit der Trennung von China nach dem Bürgerkrieg 1949 beansprucht die Kommunistische Partei in Peking die Insel als ihr Territorium. Bereits 2020 eröffneten beide Seiten gegenseitige Vertretungsbüros in ihren Hauptstädten.
Washington fällt um – Berlin schweigt ohnehin
Doch nicht alles läuft für die unbeugsamen Somaliländer rund. Ausgerechnet die Vereinigten Staaten erklärten jüngst ihre Unterstützung für die Souveränität Somalias. In einem Bericht des Außenministeriums an den Kongress hieß es, Somaliland sei Teil der Bundesrepublik Somalia. Eine US-Kongressquelle stellte gegenüber Middle East Eye klar, dass eine Anerkennung Somalilands niemals ernsthaft im Raum gestanden habe.
Mogadischu reagierte erwartungsgemäß scharf und verurteilte die "unautorisierten" diplomatischen Bemühungen Taiwans. Somaliland bleibe ein "unveräußerlicher Teil Somalias", so der somalische Staatsminister.
Bleibt eine ernüchternde Erkenntnis: In einer Welt, in der Selbstbestimmung und nationale Souveränität gern beschworen, aber selten respektiert werden, zeigt ein kleines, formal nicht existentes Land mehr Rückgrat als so manche etablierte Demokratie. Während Berlin sich in moralischen Belehrungen ergeht, demonstrieren andere, was Standhaftigkeit bedeutet.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der vorliegenden Informationen wieder und stellt keine politische oder rechtliche Beratung dar.
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