
Trump vor dem Midterm-Debakel: Wird ausgerechnet das zum Börsen-Booster?

Die Amerikaner wählen am heutigen 3. November einen neuen Kongress, und für Donald Trump könnte der Abend bitter enden. An der Wall Street rechnen einige Analysten aber mit dem Gegenteil von Katerstimmung. Gerade ein Sieg der Demokraten könnte dem S&P 500 nach ihrer Einschätzung kräftig Auftrieb geben.
Klingt paradox? Ist es auch. Wer genauer hinschaut, erkennt trotzdem eine nüchterne Logik dahinter.
Ein Präsident im Umfragetief
Trump ist im Januar 2025 ins Weiße Haus zurückgekehrt. Seitdem hat der US-Aktienmarkt um mehr als 30 Prozent zugelegt. In der Bevölkerung sieht die Bilanz ganz anders aus: Einer aktuellen Umfrage von Reuters/Ipsos zufolge sind nur noch 32 Prozent mit seiner Arbeit zufrieden. Das liegt nahe an einem Rekordtief.
Die Gründe kennt jeder Amerikaner von der Supermarktkasse. Hohe Inflation und teure Lebenshaltung drücken auf die Stimmung, dazu kommt der Krieg mit dem Iran. Auf Prognosemärkten wird ein Sieg der Demokraten in beiden Kammern deshalb mit 66 Prozent bewertet. Ein geteilter Kongress kommt auf 27 Prozent. Dass die Republikaner beide Kammern halten, trauen die Wettenden ihnen nur mit sieben Prozent zu.
Blockade als Beruhigungspille
Gewinnen die Demokraten beide Kammern, könnte Trump kaum noch neue Steuersenkungen oder große Ausgabenprogramme durchsetzen. Für die Börse klingt das zunächst schlecht. Die Analysten von Bravos Research sehen darin jedoch eine der größten Chancen seit Langem. Ihr Argument lautet Unsicherheit.
Mit Handelskriegen, geopolitischen Krisen und plötzlichen Kehrtwenden aus dem Oval Office sei die wirtschaftspolitische Unsicherheit auf ein außergewöhnlich hohes Niveau gestiegen. Das habe Investoren verschreckt. Ein blockierter Kongress würde große Gesetzesvorhaben erschweren. Es gäbe dann weniger Überraschungen und weniger Chaos, und genau das wünschen sich Anleger.
Gewinne steigen, Bewertungen sinken
Die Zahlen untermauern diese These. Seit Anfang 2025 sind die Unternehmensgewinne um rund 50 Prozent gestiegen, der S&P 500 aber nur um gut 30 Prozent. Sein Kurs-Gewinn-Verhältnis ist von 22 auf etwa 18 gefallen. Steigt es wieder auf 22, ergäbe sich bei gleichbleibenden Gewinnen rechnerisch ein Plus von gut 20 Prozent.
Die Statistik auf Seiten der Bullen
Auch der Blick in die Vergangenheit spricht für die Optimisten. Nach allen 20 Zwischenwahlen seit 1946 stand der S&P 500 zwölf Monate später höher, im Schnitt um rund 14 Prozent. Das ist allerdings eine Statistik und kein Naturgesetz. Frühere Ergebnisse sind keine Garantie für künftige Gewinne.
Ein Punkt sollte vor allem Sparer aufhorchen lassen. Die Haushaltsdefizite in den USA dürften nach Einschätzung der Analysten hoch bleiben, egal wer den Kongress beherrscht. Die wachsenden Schulden könnten die Kaufkraft des Dollars weiter schwächen. Die Unternehmensgewinne würden dadurch nominal steigen, real aber nicht unbedingt. Den Preis dafür zahlen alle, die ihr Geld auf dem Konto liegen lassen. Diese Entwicklung kennt man auch in Europa. In Berlin werden gerade 500 Milliarden Euro Sondervermögen auf Pump beschlossen.
Erst Turbulenzen, dann Rally?
Völlig entspannt sind aber auch die Optimisten nicht. Bravos Research hält vorerst einen großen Teil des Geldes in bar. Wie Trump auf eine mögliche Niederlage reagiere und wie nervös die Anleger würden, könne zunächst weitere Rückschläge auslösen. Erst danach rechnen die Analysten mit einer kräftigen Rally zum Jahresende.
Ähnlich sieht es Mike Wilson, Chefstratege für US-Aktien bei Morgan Stanley. Er hält einen weiteren Ausverkauf beim S&P 500 für möglich, bevor der Index rasant aufholen könne. Die Wall Street setzt also auf eine Achterbahnfahrt mit gutem Ende. Ob es so kommt, ist offen.
Für Anleger zählt vor allem eines: Prognosen von Analysten sind keine Gewissheit. Wer sein Vermögen gegen Schuldenpolitik und Geldentwertung absichern will, sollte breit streuen. Physisches Gold und Silber gehören seit Jahrhunderten als Beimischung dazu, unabhängig davon, wer gerade in Washington regiert.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar und ist keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Edelmetallen. Jeder Anleger muss sich selbst informieren und ist für seine Anlageentscheidungen allein verantwortlich.
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