
Trumps Diesel-Deal mit Putin: Berlin bleibt hart, die Preise bleiben ruhig

Washington kauft Diesel beim Kreml, Berlin bleibt beim Nein. Nachdem US-Präsident Donald Trump eine Vereinbarung mit Wladimir Putin über russische Diesellieferungen verkündet hat, hält die Bundesregierung ausdrücklich an den Sanktionen gegen Moskau fest. An deutschen Tankstellen hat sich am Freitag, 10. Oktober, so gut wie nichts bewegt.
Ein Deal mit Blick auf die Wahlurne
Nach einem Telefonat mit dem Kremlchef gab Trump die Lieferung von Hunderttausenden Tonnen russischem Diesel bekannt. Medienberichten zufolge sollen 300.000 Tonnen sofort fließen. Damit das möglich ist, wollen die USA die Sanktionen gegen russischen Diesel vorübergehend aussetzen. Moskau hat die Vereinbarung bestätigt.
Warum das Ganze? Seit dem Krieg gegen den Iran sind die Spritpreise auch in Amerika deutlich gestiegen. In weniger als einem Monat stehen die Zwischenwahlen an, und für Trump wird der Preis an der Zapfsäule zum politischen Problem. Schon Anfang Oktober hatte er die Nutzung von steuerfreiem Diesel erlaubt. Kurz davor hatten die G7-Staaten auf Druck Washingtons bis zu 100 Millionen Barrel Rohöl und Diesel aus ihren Reserven freigegeben. Nun also Putin. Selbst unter Republikanern regt sich Berichten zufolge Widerstand gegen den Kurs.
Berlin: "Kenntnis genommen" und sonst nichts
Regierungssprecher Stefan Kornelius wählte seine Worte vorsichtig. Man habe die US-Entscheidung zur Kenntnis genommen, erklärte er. Direkte Kritik am Weißen Haus vermied er. In der Sache blieb er aber eindeutig:
"Die Bundesregierung hält an den Sanktionsbeschlüssen gegen Russland fest und arbeitet gemeinsam mit den europäischen Partnern an weiteren Sanktionen."
Die Hilfe für die Ukraine gehe unvermindert weiter, auch die diplomatischen Bemühungen um Frieden würden fortgesetzt. Aus dem Haus von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) kam die Ansage, Deutschland stehe "uneingeschränkt zu den Sanktionspaketen". Seit 2023 beziehe die Bundesrepublik weder Öl noch Ölprodukte aus Russland. "Unsere Versorgung ist hier diversifiziert, wir sind unabhängig von russischem Öl", sagte eine Sprecherin.
Das klingt souverän. Teuer bezahlt ist es trotzdem. Deutsche Pendler, Handwerker und Spediteure tragen seit Jahren hohe Energiekosten, während Washington sich die Freiheit nimmt, Sanktionen nach Wahlkampflage zu lockern. Viele Bürger dürften sich fragen, wer in der westlichen Allianz eigentlich die Spielregeln macht.
Grüne schäumen und haben die alte Antwort parat
Am lautesten fiel die Reaktion bei den Grünen aus. Parteichefin Franziska Brantner sagte der Nachrichtenagentur dpa:
"Erst ohne erkennbaren Plan einen Krieg gegen den Iran beginnen, der die Energiepreise weltweit in die Höhe treibt - und dann ausgerechnet mit dem Kriegstreiber Putin einen Deal machen, um die Folgen vor den Midterms abzufedern: Skrupelloser geht es nicht."
Die Rechnung zahlten nach ihrer Darstellung die Ukrainer und alle, die unter den hohen Preisen litten. Ihre Lösung ist bekannt: schneller raus aus den fossilen Energien. Genau diese Rezeptur hat Deutschland allerdings Rekordstrompreise und eine verunsicherte Industrie eingebracht. Kritiker dürften daran zweifeln, dass noch mehr davon das richtige Mittel gegen eine akute Ölkrise ist.
Tankstellen: kein Ausschlag
Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie rechnet nicht mit spürbaren Folgen für deutsche Autofahrer. Seit dem 5. Februar 2023 gelte ein EU-Importverbot für russischen Diesel, und dabei bleibe es, so ein Sprecher. Bei den gemeldeten Mengen seien keine nennenswerten Auswirkungen auf den Weltmarkt zu erwarten. Spritpreis-Portale bestätigen das: Diesel und Super kosteten fast genauso viel wie am Vortag.
Was bleibt
Ruhig ist es nur an der Zapfsäule. Iran-Krieg, aufgezehrte Notreserven und ein Bündnispartner, der Sanktionen als Verhandlungsmasse behandelt, zeigen, wie zerbrechlich die geopolitische Ordnung geworden ist. In solchen Zeiten setzen viele Sparer wieder auf das, was ohne Gegenpartei und ohne politische Zusagen auskommt. Physisches Gold und Silber können als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen Stabilität bringen, wenn Energiepreise und Weltpolitik aus dem Ruder laufen.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Jeder Leser muss eigenständig recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.
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