
Trumps neuer Zoll-Coup: 60 Länder im Visier – und die EU sitzt einmal mehr am Katzentisch
Es ist ein Paukenschlag im Welthandel, den Washington da inszeniert. Unter dem moralisch aufpolierten Banner des Kampfes gegen Zwangsarbeit hat die US-Regierung Zölle gegen sage und schreibe 60 Handelspartner verhängt. Zehn Prozent hier, 12,5 Prozent dort – je nachdem, wie unliebsam man in Washington gerade eingestuft wird. Und wieder einmal darf Europa erleben, wie es in der Weltordnung tatsächlich um seinen Einfluss bestellt ist.
Die Moral als Türöffner für knallharte Handelspolitik
Man muss der Trump-Administration eines lassen: Sie versteht es, ihre Interessenpolitik in ein hübsches Gewand zu kleiden. Der Schritt sei die „umfassendste Maßnahme im Bereich der internationalen Arbeitsrechte, die die Vereinigten Staaten jemals ergriffen hätten – die jedes Land jemals ergriffen habe“, ließ ein hochrangiger Regierungsvertreter verlauten. Ein „längst überfälliger Schlag gegen die Verbreitung von Zwangsarbeit in globalen Lieferketten“ sei das Ganze.
Wer die vollmundigen Worte hört, könnte fast meinen, in Washington regiere plötzlich das Gewissen der Weltwirtschaft. Doch der geübte Beobachter weiß: Hinter der schönen Fassade des Arbeiterschutzes verbirgt sich schlicht eine handelspolitische Waffe. Denn während China und Japan mit dem höheren Satz von 12,5 Prozent abgestraft werden, kommen die EU, Großbritannien und Kanada mit zehn Prozent davon. Ein feines Gespür für Freund und Feind, muss man neidlos anerkennen.
Wenn Gerichte Nein sagen, sucht man sich einfach einen neuen Paragrafen
Besonders pikant ist die juristische Vorgeschichte. Der Oberste Gerichtshof der USA hatte Trumps frühere Zölle im Februar für rechtswidrig erklärt. Der Präsident habe seine Befugnisse überschritten, urteilte eine deutliche Richtermehrheit. Milliarden an bereits kassierten Zöllen müssen zurückgezahlt werden.
Statt sich geschlagen zu geben, greift Washington nun beherzt in dieselbe Gesetzeskiste – nur zieht man diesmal einen anderen Paragrafen heraus.
Möglich macht das der Paragraf 301 des Handelsgesetzes von 1974, der bei „ungerechtfertigten, unangemessenen oder diskriminierenden“ Handelspraktiken zum Handeln ermächtigt. Ein Lehrstück in politischer Kreativität: Wenn die Richter den einen Weg versperren, findet sich eben ein anderer. Man kann darüber schmunzeln oder erschauern – Effizienz kann man dieser Vorgehensweise jedenfalls nicht absprechen.
Kanada rüstet zum Gegenschlag
Nicht alle nehmen den Schlag klaglos hin. Der kanadische Premierminister Mark Carney kündigte an, man werde sich mit allen Mitteln zur Wehr setzen und schließe Vergeltungsmaßnahmen nicht aus. Man werde nicht zögern, die eigenen Interessen zu verteidigen, wenn es sein müsse, so Carney kämpferisch. Ottawa intensiviere die Handelsverhandlungen mit den USA. Man darf gespannt sein, wer in diesem Kräftemessen den längeren Atem beweist.
Der wackelige „Turnberry-Deal“ – Europas Papiertiger
Und die EU? Sie klammert sich an das im August 2025 zwischen Ursula von der Leyen und Trump ausgehandelte Handelsabkommen, den sogenannten „Turnberry-Deal“. Brüssel machte dabei Zugeständnisse über Zugeständnisse, schaffte gar EU-Zölle auf US-Industriegüter ab. Für rund 93 Prozent der europäischen Exporte gelten nun Zölle von maximal 15 Prozent. Klingt nach einem Erfolg? Für deutschen Käse etwa liegt der effektive Satz bei knapp 25 Prozent.
Es ist das altbekannte Muster: Brüssel gibt nach, hofft auf Verlässlichkeit und muss dann feststellen, dass in Washington andere Regeln gelten. Zwar hat man ein „Sicherheitsnetz“ eingebaut, das Gegenmaßnahmen erlaubt, sollte Amerika seine Zusagen aussetzen. Doch wer glaubt ernsthaft, dass die zerstrittene und wirtschaftlich geschwächte Europäische Union hier auf Augenhöhe verhandelt? Während deutsche Politik sich in Klimazielen und ideologischen Grabenkämpfen verliert, spielen andere knallhartes Machtpoker um Handelsströme und Arbeitsplätze.
Was das für den Anleger bedeutet
Zollkriege, gerichtliche Kehrtwenden, sprunghafte Regierungen und eine EU, die dem Geschehen weitgehend hilflos zuschaut – all das ist reines Gift für Planungssicherheit und stabile Märkte. In einer Welt, in der Handelsabkommen offenbar nur so lange gelten, bis der nächste Paragraf entdeckt wird, gewinnt eines an Bedeutung: die Rückbesinnung auf handfeste, krisenfeste Werte. Physisches Gold und Silber kennen keine Zollschranken, keine Gerichtsurteile und keine politischen Launen. Sie sind seit Jahrtausenden der ruhende Pol, wenn Politiker die Nerven verlieren. Als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen bieten Edelmetalle genau jene Stabilität, die in turbulenten Zeiten Gold wert ist.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt ausschließlich die Meinung unserer Redaktion sowie die uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger ist verpflichtet, eigenständig zu recherchieren und trägt die Verantwortung für seine Investitionsentscheidungen selbst.

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