
Trumps Venezuela-Coup: US-Ölkonzerne schneller als Diplomaten

Was sich derzeit in Venezuela abspielt, gleicht einem geopolitischen Lehrstück über amerikanische Machtprojektion in Reinform. Nach dem militärisch gestützten Sturz von Nicolás Maduro hat Präsident Donald Trump am Donnerstag die Wiedereröffnung des venezolanischen Luftraums für kommerzielle Flüge angeordnet – ein symbolträchtiger Akt, der die neue Realität in dem ölreichen südamerikanischen Staat unmissverständlich unterstreicht.
Fünf Jahre Isolation beendet – unter amerikanischer Aufsicht
Seit Mai 2019, noch während Trumps erster Amtszeit, waren direkte Passagier- und Frachtflüge zwischen den USA und Venezuela unmöglich gewesen. Das Land befand sich in einer Isolation, die in vielerlei Hinsicht an das Embargo gegen Kuba erinnerte. Nun soll diese Ära enden – allerdings unter Bedingungen, die Venezuela faktisch zu einem amerikanischen Protektorat degradieren.
Trump verkündete bei einer im Fernsehen übertragenen Kabinettssitzung, er habe die Interimspräsidentin Delcy Rodríguez bereits darüber „informiert", dass US-Ölkonzerne in Kürze eintreffen würden, um potenzielle Projekte zu erkunden. Die Wortwahl ist bezeichnend: Man informiert, man fragt nicht um Erlaubnis.
Ölmanager vor Diplomaten – ein bekanntes Muster
Die Parallelen zum Sturz Muammar Gaddafis in Libyen sind frappierend. Damals erreichten die Ölmanager Tripolis vor den Diplomaten – ihre Privatjets waren schlicht schneller. In Venezuela wiederholt sich dieses Schauspiel: Die US-Botschaft ist noch nicht einmal wiedereröffnet, doch die Energiekonzerne stehen bereits in den Startlöchern.
„Amerikanische Bürger werden sehr bald nach Venezuela reisen können, und sie werden dort sicher sein. Es steht unter sehr starker Kontrolle"
So Trumps Worte im Weißen Haus. American Airlines kündigte prompt an, Flüge nach Venezuela wieder aufnehmen zu wollen – vorbehaltlich formeller Genehmigungen und der Zusicherung „sicherer Bedingungen".
Washingtons Griff nach dem venezolanischen Staatshaushalt
Die wahre Dimension der amerikanischen Kontrolle offenbart sich jedoch in den finanziellen Arrangements. Laut Außenminister Marco Rubio hat sich die venezolanische Übergangsregierung bereit erklärt, der Trump-Administration einen monatlichen „Haushalt" zur Genehmigung vorzulegen. Washington wird Gelder aus einem Konto freigeben, das aus venezolanischen Ölverkäufen gespeist und zunächst von Katar verwaltet wird.
Die Rolle des Golfstaates sorgt für erhebliche Irritationen – ausgerechnet bei konservativen Kreisen, die Katar traditionell mit Argwohn betrachten. Rubio selbst räumte vor dem Auswärtigen Ausschuss des Senats ein, das Arrangement sei „neuartig" und in Eile konzipiert worden.
Demokraten fordern Transparenz
Senatorin Shaheen enthüllte, dass 500 Millionen Dollar aus venezolanischen Ölverkäufen im Raum stehen. 300 Millionen seien an die Maduro-Regierung geflossen, die restlichen 200 Millionen lägen „einfach auf einem Konto" – in Katar. Wer kontrolliert dieses Geld? Wer profitiert davon? Und warum wird der Kongress im Dunkeln gelassen?
Interimspräsidentin Rodríguez hatte noch vor Tagen erklärt, sie werde keine Befehle aus Washington entgegennehmen. Doch diese Rhetorik war offensichtlich für den heimischen Konsum bestimmt – ein Feigenblatt nationaler Souveränität, das niemanden täuschen kann. Venezuela ist derzeit alles andere als ein souveräner Staat.

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