
US-Konzerne fordern Deeskalation nach tödlichem Polizeieinsatz bei ICE-Razzia

Nach dem Tod eines Intensivpflegers bei einem Einsatz der US-Einwanderungsbehörde ICE haben sich rund 60 amerikanische Unternehmen in einem offenen Brief zu Wort gemeldet. Der Vorfall in Minnesota hat eine ungewöhnliche Reaktion aus der Wirtschaft ausgelöst, die normalerweise politische Stellungnahmen meidet.
Tödliche Schüsse lösen Protestwelle aus
Der 37-jährige Intensivpfleger Alex Pretti wurde am vergangenen Wochenende bei einem ICE-Einsatz von Polizisten erschossen. Die Umstände seines Todes haben in den Vereinigten Staaten für erhebliche Aufregung gesorgt. Die Handelskette Target sowie weitere namhafte Unternehmen aus Minnesota reagierten mit einem gemeinsamen Schreiben, in dem sie eine sofortige Deeskalation der Spannungen fordern.
Zu den Unterzeichnern des Briefes gehören bedeutende Wirtschaftsakteure wie der Krankenversicherer United Health Group, der Mischkonzern 3M sowie einer der führenden Milchproduzenten des Landes. Die Unternehmen verlangen eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen lokalen, staatlichen und bundesstaatlichen Behörden.
Target-Chef äußert sich in Videobotschaft
Michael Fiddelke, der designierte Vorstandsvorsitzende von Target, wandte sich in einer Videobotschaft an die Öffentlichkeit. Er bezeichnete die Gewalt und das Sterben in der Stadt als unglaublich schmerzhaft und räumte ein, dass diese Ereignisse viele Menschen im Land schwer belasten würden. Obwohl seine Worte nicht direkt an Präsident Donald Trump gerichtet waren, zeigen sie eine deutliche Positionierung.
Auch Jamie Dimon, der Chef der Großbank JP Morgan Chase, hatte bereits beim Weltwirtschaftsforum in Davos Kritik an den ICE-Einsätzen geäußert. Er beschrieb Szenen, in denen mehrere erwachsene Männer eine ältere Frau zusammengeschlagen hätten, und distanzierte sich von solchen Vorgehensweisen.
Experten sehen bedeutsamen Wendepunkt
Jeffrey Sonnenfeld, Management-Professor an der Yale-Universität, bewertet den offenen Brief als großen Wendepunkt. Er sieht darin ein sehr wichtiges Zeichen und einen kollektiven Widerstand, der ihn an die Bürgerrechtsbewegung erinnere. Gleichzeitig gibt er zu bedenken, dass CEOs großer Konzerne politische Standpunkte normalerweise vermeiden, um keine Kunden zu verlieren.
Zu Beginn der zweiten Amtszeit Trumps hatten viele Vorstandschefs den Präsidenten noch unterstützt. Sie hofften auf Steuerkürzungen und Deregulierungen. Einige Unternehmen stellten sogar Diversitätsinitiativen ein, um sich die Gunst der Regierung zu sichern.
Kundendruck als treibende Kraft
Ob weitere US-Unternehmen dem Beispiel folgen und sich gegen die aktuelle Migrationspolitik positionieren werden, bleibt nach Einschätzung von Experten fraglich. Sonnenfeld vermutet, dass die Unternehmen weniger aus Überzeugung handeln, sondern vielmehr dem Druck ihrer Kunden nachgeben. Umfragen deuten darauf hin, dass ein erheblicher Teil der amerikanischen Bevölkerung die Methoden der Einwanderungsbehörde kritisch sieht.
Der Investor Jason Calacanis aus dem Silicon Valley wies darauf hin, dass der erschossene Pfleger kein inländischer Terrorist gewesen sei, wie es von manchen Unterstützern der Trump-Regierung dargestellt werde. Die Debatte über das Vorgehen der ICE-Behörde dürfte die amerikanische Gesellschaft in den kommenden Wochen weiter beschäftigen.

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