
US-Zwischenwahlen: Gold stieg 8 von 13 Mal – Zufall oder Muster?

Amerika wählt – und Goldanleger rund um den Globus schauen gebannt nach Washington. Am heutigen 3. November 2026 entscheiden die US-Bürger bei den Midterms über die Mehrheiten im Kongress. Eine neue historische Auswertung zeigt, was das gelbe Metall nach den 13 vorangegangenen Zwischenwahlen seit 1974 getan hat.
Das Ergebnis klingt verlockend: In acht von 13 Fällen lag der Goldpreis zwölf Monate nach der Wahl höher, im Schnitt um 14 Prozent. Doch hinter der hübschen Durchschnittszahl verbirgt sich eine Achterbahnfahrt.
Die nackten Zahlen: Mehr Licht als Schatten
Für die Studie wurde der durchschnittliche Goldpreis im Wahlmonat November mit dem Durchschnitt im November des Folgejahres verglichen. Der Median lag bei plus 15 Prozent. Auch die jüngste Vergangenheit spricht für das Edelmetall: Nach den Midterms 2018 legte Gold um 20 Prozent zu, nach 2022 um 15 Prozent.
Elf der 13 Wahljahre bewegten sich zwischen minus 8 und plus 28 Prozent. Die beiden Ausreißer allerdings haben es in sich.
1978 und 1974: Zwischen Goldrausch und Katzenjammer
Nach der Wahl 1978 kletterte der Preis von rund 206 auf etwa 392 Dollar je Unze – ein Plus von 90 Prozent. Mit der Politik hatte das wenig zu tun. Die zweite Ölkrise, die iranische Revolution, die Geiselnahme in Teheran und der Amtsantritt von Fed-Chef Paul Volcker im August 1979 trieben die Flucht ins Gold an. Im Januar 1980 übersprang der Preis kurzzeitig sogar die Marke von 850 Dollar.
Das Gegenstück liefert 1974. Nach dem steilen Anstieg seit dem Ende der Dollar-Goldbindung 1971 fiel der Preis binnen eines Jahres von etwa 182 auf rund 142 Dollar. Minus 22 Prozent – der Auftakt zum ersten großen Bärenmarkt der Ära frei schwankender Währungen.
2010: Wahlsieg am Dienstag, Gelddruckmaschine am Mittwoch
Am aufschlussreichsten ist das Jahr 2010. Am 2. November eroberten die Republikaner das Repräsentantenhaus. Schon am Tag darauf verkündete die US-Notenbank ihr zweites Anleihekaufprogramm über 600 Milliarden Dollar. Ein Jahr später notierte Gold 27 Prozent höher. Die Lehre? Nicht der Wähler bewegt den Goldpreis, sondern die Notenpresse.
Silber: Der wilde kleine Bruder
Silber stieg sogar in neun von 13 Fällen, im Schnitt um 20 Prozent, im Median um 12 Prozent. Den Durchschnitt treibt allerdings 1978 nach oben, als sich das Metall von etwa 5,90 auf rund 16,70 Dollar fast verdreifachte. Bemerkenswert: In drei seiner vier Verlustjahre fiel Silber weniger stark als Gold.
Und ob sich die Machtverhältnisse ändern? Nach einem Mehrheitswechsel in mindestens einer Kammer stieg Gold im Schnitt um 15 Prozent, ohne Wechsel um 11 Prozent. Ein Unterschied, den schon eine einzige Wahl wegwischen könnte.
Warum die Statistik allein nicht reicht
13 Beobachtungen sind statistisch dünnes Eis. Zwar liegt der Median nach Midterms deutlich über den 5,9 Prozent, die Gold seit 1971 im Schnitt nach jedem beliebigen Monat zulegte. Ein verlässliches Gesetz lässt sich daraus aber nicht ableiten – das räumen auch die Autoren der Auswertung ein.
Die Ausgangslage 2026 ist angespannt. Medienberichten zufolge verlor Gold im Oktober 6,8 Prozent, fiel unter die Marke von 4.000 Dollar und markierte ein Jahrestief. Der seit neun Monaten andauernde Konflikt zwischen den USA und Iran treibt den Ölpreis und damit die Inflation. Händler rechnen laut CME-FedWatch mit rund 75 Prozent Wahrscheinlichkeit mit einer Zinserhöhung der Fed im Dezember. Umfragen sehen die Demokraten im Repräsentantenhaus vorn, im Senat gilt das Rennen als offen.
Bemerkenswert bleibt der lange Atem des Metalls: Im Februar 1971 kostete eine Unze 39 Dollar, inzwischen sind es um die 3.900. Regierungen kamen und gingen, Währungen verloren Kaufkraft – Gold blieb. Wer sein Vermögen gegen die Launen von Politik und Notenbanken absichern will, für den können physisches Gold und Silber als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio eine sinnvolle Ergänzung sein – ganz gleich, wer heute Nacht in Washington jubelt.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Historische Entwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Jeder Anleger sollte selbst recherchieren und trägt für seine Anlageentscheidungen die alleinige Verantwortung.
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