
Vattenfall setzt auf Kernkraft: Schweden plant Mini-AKWs – und Deutschland schaut in die Röhre
Während Deutschland seine letzten Kernkraftwerke im April 2023 vom Netz nahm und sich seither im ideologischen Rausch der sogenannten Energiewende sonnt, geht man andernorts einen diametral entgegengesetzten Weg. Der schwedische Energieriese Vattenfall prüft den Neubau von bis zu fünf kleinen modularen Reaktoren – sogenannten Small Modular Reactors (SMRs) – auf der Halbinsel Värö südlich von Göteborg. Eine Nachricht, die wie eine schallende Ohrfeige für all jene klingt, die Kernenergie zum Auslaufmodell erklärt haben.
Vattenfall-Chefin Borg: „Kernenergie liefert Grundlaststrom"
Anna Borg, die Vorstandsvorsitzende des schwedischen Konzerns, ließ in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur keinen Zweifel an ihrer Einschätzung: Neue Kernenergie befinde sich international im Aufwind. Das ist keine bloße Behauptung einer Lobbyistin, sondern eine nüchterne Bestandsaufnahme der globalen Energielandschaft. Frankreich baut aus, Großbritannien investiert Milliarden, selbst die USA unter Präsident Trump setzen verstärkt auf nukleare Kapazitäten. Nur Deutschland – ja, ausgerechnet das Land der Ingenieure und Tüftler – hat sich freiwillig aus dem Rennen genommen.
Borg brachte es auf den Punkt: „Kernenergie liefert Grundlaststrom, der zur Stabilität der Strompreise in Schweden beiträgt." Ein Satz, so simpel wie wahr. Und doch scheint diese Erkenntnis, die zum kleinen Einmaleins der Ingenieurswissenschaften gehört, in den Berliner Regierungsetagen noch immer nicht angekommen zu sein.
SMRs: Die Zukunft der Kernenergie?
Was genau plant Vattenfall? Die Small Modular Reactors unterscheiden sich fundamental von den klassischen Großkraftwerken, die man aus der Vergangenheit kennt. Statt eines gewaltigen Einzelblocks handelt es sich um standardisierte, modular aufgebaute Einheiten mit deutlich geringerer Leistung pro Modul. Der entscheidende Vorteil liegt in der Skalierbarkeit: Komponenten können in Fabriken vorgefertigt werden, die Bauzeiten verkürzen sich erheblich, und mehrere Module lassen sich an einem Standort schrittweise ergänzen – je nach Bedarf.
Borg zeigte sich zuversichtlich, dass der modulare Ansatz mit der Zeit zu erheblichen Kosteneinsparungen führen werde. Lern- und Serieneffekte, wie man sie aus der industriellen Fertigung kennt, sollen die Wirtschaftlichkeit stetig verbessern. Parallel dazu plant Vattenfall, bestehende schwedische Atomkraftwerke zu modernisieren und deren Laufzeit um rund 20 Jahre zu verlängern. Ein pragmatischer, zukunftsorientierter Ansatz – und das genaue Gegenteil dessen, was Deutschland in den vergangenen Jahren praktiziert hat.
Deutschlands energiepolitischer Irrweg
Man muss sich die Absurdität der deutschen Situation einmal vor Augen führen. Während Schweden in neue Kernkraftkapazitäten investiert, hat die Bundesrepublik ihre funktionierenden, modernen Meiler abgeschaltet – und zwar nicht etwa, weil sie unsicher gewesen wären, sondern aus rein ideologischen Gründen. Die Konsequenzen sind längst spürbar: Deutschland verfügt über die höchsten Strompreise in Europa, die Industrie wandert ab, und in wind- und sonnenarmen Phasen – den berüchtigten Dunkelflauten – muss teurer Strom aus dem Ausland importiert werden. Woher? Unter anderem aus französischen und tschechischen Kernkraftwerken. Die Ironie könnte kaum größer sein.
Erneuerbare Energien spielen zweifellos eine Rolle im Energiemix der Zukunft. Doch wer glaubt, eine Industrienation wie Deutschland allein mit Wind und Sonne versorgen zu können, der betreibt keine Energiepolitik, sondern Wunschdenken. Auch Borg räumte ein, dass erneuerbare Energien wichtig seien – betonte aber zugleich, dass sie flexible Speicher benötigten, um Schwankungen auszugleichen. Speicher, die in ausreichender Kapazität schlicht nicht existieren und deren Entwicklung noch Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauern wird.
Die neue Bundesregierung und das Erbe der Energiewende
Bundeskanzler Friedrich Merz und seine Große Koalition stehen vor einem gewaltigen energiepolitischen Scherbenhaufen. Das im Koalitionsvertrag verankerte Ziel der Klimaneutralität bis 2045 und das 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen für Infrastruktur werden die ohnehin angespannte Haushaltslage weiter verschärfen. Generationen von Steuerzahlern werden die Zeche für eine Politik begleichen müssen, die ideologische Träumerei über ökonomische Vernunft gestellt hat. Ob Merz den Mut aufbringt, das Ruder herumzureißen und zumindest eine Debatte über die Rückkehr zur Kernenergie zu eröffnen, darf bezweifelt werden – zu groß scheint der politische Druck jener Kräfte, die den deutschen Atomausstieg zu ihrem identitätsstiftenden Projekt erklärt haben.
Schweden macht derweil vor, wie rationale Energiepolitik aussieht. Dort sind übrigens selbst die Grünen für Kernkraft – ein Umstand, der deutschen Grünen-Politikern vermutlich schlaflose Nächte bereiten dürfte. Oder auch nicht, denn Selbstreflexion gehörte noch nie zu den Kernkompetenzen dieser Partei.
Ein Weckruf, der in Berlin verhallen wird?
Die Entscheidung von Vattenfall ist mehr als eine unternehmerische Weichenstellung. Sie ist ein Signal an die gesamte europäische Energielandschaft. Kernenergie ist nicht tot – sie erlebt eine Renaissance. Und Deutschland? Deutschland steht am Rand und schaut zu, wie andere Nationen die Energieversorgung der Zukunft gestalten. Mit jedem neuen Reaktor, der anderswo geplant wird, wächst der Wettbewerbsnachteil der deutschen Wirtschaft. Die Frage ist nicht mehr, ob sich der Atomausstieg als historischer Fehler erweisen wird. Die Frage ist nur noch, wie teuer dieser Fehler die deutschen Bürger und Unternehmen am Ende zu stehen kommt.
Vielleicht sollte man in Berlin einmal genauer nach Stockholm schauen. Dort versteht man offenbar noch, dass eine sichere, bezahlbare und verlässliche Energieversorgung kein Luxus ist, sondern das Fundament jeder funktionierenden Volkswirtschaft. Aber das wäre ja pragmatisch. Und Pragmatismus war in der deutschen Energiepolitik zuletzt ein eher seltener Gast.
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