
Vier Jahrzehnte Stillstand: Der Münchner Flughafen und das Drama des fehlenden ICE-Anschlusses

Es ist eine dieser Geschichten, die wie ein Brennglas auf den Zustand der deutschen Infrastrukturpolitik wirken. Seit der Münchner Flughafen 1992 seine Tore öffnete, fehlt ihm bis heute eine Fernverkehrsanbindung. Vierunddreißig Jahre Betrieb, vierzig Jahre Diskussion – und am Ende steht das Land genau dort, wo es vor Jahrzehnten schon einmal stand: bei einem leeren Versprechen.
Die jüngste Hoffnung war bescheiden genug. Man wollte keine Großtat vollbringen, sondern lediglich eine Behelfslösung finden: ICE-Züge auf der bestehenden Trasse für S-Bahnen und Regionalzüge fahren lassen. Doch selbst dieser Minimalkompromiss ist nun gescheitert. Eine Prüfung der Deutschen Bahn habe ergeben, dass die ohnehin überlasteten Gleise keinen zusätzlichen Fernverkehr verkraften könnten, so eine Sprecherin des Konzerns.
Ein Provisorium, das zum Dauerzustand wurde
Man muss sich die Dimension dieser Posse vor Augen führen. Geplant wurde der Flughafen in den 1980er Jahren mit großem Anspruch – ursprünglich mit gleich vier Startbahnen und einem eigenen Fernbahnhof. Gebaut wurden am Ende zwei Startbahnen und eine schlichte S-Bahn-Verbindung. Die große Vision wich der typisch deutschen Realität: Wo Mut und Weitsicht gefragt gewesen wären, regierte am Ende der Rotstift.
Besonders bitter: Als Ende der 1980er Jahre die Entscheidung für die 2006 eröffnete Schnellstrecke München–Nürnberg fiel, verzichtete man kurzerhand auf einen Halt am Flughafen. Eine Fehlentscheidung mit Langzeitwirkung, deren Folgen heute Tausende Reisende täglich zu spüren bekommen.
Für eine stabile Anbindung sei der Bau einer komplett neuen Trasse unerlässlich, teilte die DB-Sprecherin mit. Man befürworte dies ausdrücklich – etwa im Zuge eines Ausbaus der Achse München–Ingolstadt.
Die Leidtragenden sitzen im Norden
Wer aus dem nördlichen Oberbayern oder aus Franken anreist, kennt das Trauerspiel aus eigener Erfahrung. Obwohl der Flughafen rund 30 Kilometer nordöstlich der Landeshauptstadt liegt, müssen Reisende entweder den Bus nehmen oder mit dem Zug bis zum Münchner Hauptbahnhof fahren, um dort umständlich in S-Bahn oder Bus umzusteigen. Ein logistischer Irrsinn, der für ein Hochtechnologieland wie Deutschland schlicht beschämend ist.
Symptom eines größeren Versagens
Man fragt sich unweigerlich: Wie kann es sein, dass der zweitgrößte Flughafen der Republik über vier Jahrzehnte hinweg ohne vernünftige Fernverkehrsanbindung auskommen muss? Während andernorts in der Welt Hochgeschwindigkeitszüge selbstverständlich an internationale Drehkreuze andocken, verheddert sich Deutschland in endlosen Prüfungen, Gutachten und Absichtserklärungen. Das Land, das einst für Ingenieurskunst stand, scheint heute vor allem eines zu beherrschen: das Verwalten des Stillstands.
Und so reiht sich diese Geschichte nahtlos in das größere Bild ein – marode Brücken, verspätete Züge, Großprojekte, die Jahrzehnte verschlingen. Während die Politik Milliardensummen für allerlei ideologische Lieblingsprojekte verbrennt und nun gar ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen auflegt, bleibt für eine funktionierende Grundversorgung der Bürger offenbar weder Geld noch politischer Wille übrig.
Was bleibt, ist Ernüchterung
Die Bahn setzt nun erneut ihre Hoffnungen auf eine neue Trasse – jenes seit Jahrzehnten angedachte Projekt, das bislang über das Stadium der Skizze nie hinauskam. Wer glaubt, dass sich daran in absehbarer Zeit etwas ändert, dürfte gut beraten sein, seinen Optimismus zu zügeln. Denn eines hat dieses Provisorium über vierzig Jahre eindrucksvoll bewiesen: In Deutschland ist nichts so dauerhaft wie das vermeintlich Vorübergehende.
In Zeiten, in denen politische Versprechen schneller verfallen als Bahntickets ihre Gültigkeit verlieren, gewinnt ein anderer Gedanke an Bedeutung – der nach echter Beständigkeit. Wer angesichts schuldenfinanzierter Milliardenprojekte und einer Inflation, die das ersparte Vermögen schleichend entwertet, nach krisenfesten Werten sucht, findet in physischen Edelmetallen wie Gold und Silber seit jeher einen verlässlichen Anker. Anders als politische Ankündigungen behalten sie ihren Wert über Generationen hinweg – ganz ohne Prüfgutachten und Trassenversprechen.
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