
Wachstum auf Pump: Reiches 1,3-Prozent-Wunder hat einen Haken

Die Bundesregierung verbreitet plötzlich wieder Zuversicht. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) rechnet Medienberichten zufolge für 2026 mit einem Wachstum von 1,3 Prozent. Im Frühjahr waren es noch magere 0,5 Prozent. Der Haken: Ein großer Teil dieses Plus ist offenbar mit neuen Schulden erkauft.
Ist das die Wende nach Jahren der Rezession? Oder doch nur ein teurer Zahlentrick, bei dem der Staat das eigene Wachstum bezahlt?
Die Prognose im Überblick
Wie aus Berichten über die neue Herbstprojektion hervorgeht, folgt Berlin damit den führenden Wirtschaftsforschungsinstituten. Die Eckdaten:
- 2026: 1,3 Prozent statt bisher 0,5 Prozent
- 2027: 1,1 Prozent statt bisher 0,9 Prozent
- 2028: nur noch rund 0,6 Prozent
Als Gründe nennt die Ministerin zwei Dinge: Das Exportgeschäft innerhalb der EU ziehe an. Und das Sondervermögen für Infrastruktur und Verteidigung wirke. Außerdem habe der Nahost-Krieg die deutsche Wirtschaft weniger ausgebremst als befürchtet. Berichten zufolge kommen die Impulse 2026 aber deutlich stärker vom Konsum des Staates als von den privaten Haushalten.
Der Staat kauft sich sein Wachstum selbst
Genau hier liegt das Problem. Bei einer Staatsquote von offiziell über 52 Prozent zählt jeder auf Pump ausgegebene Euro in der Statistik als Wirtschaftsleistung. Mehr als die Hälfte der Wirtschaftsleistung läuft also bereits über öffentliche Kassen.
Schätzungen zufolge nimmt der Bund in diesem Jahr mindestens 190 Milliarden Euro neue Schulden auf. Dazu kommen wohl mindestens 40 Milliarden Euro bei den Kommunen. Zusammen könnten das rund fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts sein. Zieht man das ab, bleibt vom gefeierten Aufschwung wenig übrig.
Pikant ist auch, wohin das Geld fließt. Im März sollen Berechnungen des ifo-Instituts und des Instituts der deutschen Wirtschaft gezeigt haben, dass über 90 Prozent der Mittel für Infrastruktur am Ende die Sozialhaushalte entlasten. Dabei hatte Friedrich Merz im Wahlkampf eine solide Haushaltsführung versprochen.
Die Industrie schrumpft weiter
Ein Blick in die echte Wirtschaft macht wenig Hoffnung. Seit 2018 sind Berichten zufolge etwa ein Fünftel der Industrieproduktion und rund eine halbe Million Industriejobs verloren gegangen. Im Juli lag die Industrieproduktion 3,3 Prozent unter dem Vorjahr.
Auch den Verbrauchern geht es nicht besser. Das Gastgewerbe verlor im ersten Halbjahr real 5,7 Prozent Umsatz. Nach Jahren hoher Preise und steigender Arbeitslosigkeit fehlt vielen schlicht das Geld. Sieht so ein Aufschwung aus?
Reformen? Bisher vor allem Ankündigungen
Immerhin warnt Reiche selbst davor, sich auf Staatsausgaben zu verlassen. Nötig seien Reformen bei Sozialsystem, Arbeitsmarkt und Energiepreisen sowie mehr private Investitionen. Damit hat sie recht. Kritiker halten aber dagegen: Bei der Umsetzung hake es ständig.
Ein Beispiel ist die Energiepolitik. Die Förderung für Ökostrom wird etwas gekürzt, gleichzeitig sollen Gaskraftwerke als Reserve mit Krediten finanziert werden. Am Grundmodell wird kaum gerüttelt. Der CO₂-Zertifikatehandel bringt dem Staat jährlich rund 22 Milliarden Euro ein. Freiwillig wird darauf wohl kein Finanzminister verzichten.
Der Anleihemarkt glaubt der Geschichte nicht
Für Inflation und Industrieabbau macht Berlin gern andere verantwortlich: den Ukraine-Krieg oder Donald Trumps Zölle. Über Energiepolitik, hohe Abgaben und den Atomausstieg spricht die Regierung deutlich weniger.
Ehrlicher als jede Pressekonferenz sind die Anleihemärkte. Sie zeigen, wie viel Vertrauen Investoren in die Staatsfinanzen haben. Und die Signale dort klingen eher nach Sturm als nach Aufschwung. Bezahlen werden die Rechnung Steuerzahler, Sparer und künftige Generationen.
Wer seine Ersparnisse vor Inflation und wachsenden Staatsschulden schützen will, kann physisches Gold und Silber als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen in Betracht ziehen. Edelmetalle lassen sich nicht per Beschluss vermehren. Gerade darin liegt seit Jahrhunderten ihr Wert.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Edelmetallen. Er gibt unsere redaktionelle Meinung und die uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger sollte selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen allein verantwortlich.












