
Waffenruhe in Syrien: Kurden kapitulieren vor der neuen Ordnung

Nach tagelangen erbitterten Gefechten haben die syrische Übergangsregierung und die kurdischen Kräfte im Nordosten des Landes eine sofortige Waffenruhe vereinbart. Was auf den ersten Blick wie ein diplomatischer Erfolg erscheint, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als faktische Kapitulation der Kurden-Miliz SDF vor den neuen Machthabern in Damaskus. Die Vereinbarung markiert einen fundamentalen Wandel in der syrischen Machtarchitektur – mit weitreichenden Konsequenzen für die gesamte Region.
Die Bedingungen: Ein Diktat aus Damaskus
Das Abkommen, das vom syrischen Präsidialamt verkündet wurde, liest sich wie eine Unterwerfungserklärung. Sämtliche Kämpfer der SDF-Miliz müssen sich auf das Gebiet östlich des Euphrat zurückziehen. Doch damit nicht genug: Nach entsprechenden Sicherheitsüberprüfungen sollen alle SDF-Einheiten in das Verteidigungs- und Innenministerium der syrischen Regierung eingegliedert werden. Die Kurden verlieren damit ihre militärische Eigenständigkeit vollständig.
Besonders brisant erscheint die Klausel, wonach die SDF-Miliz alle ausländischen Anführer und Kämpfer mit Verbindungen zur kurdischen Arbeiterpartei PKK des Landes verweisen muss. Die PKK wird bekanntlich von der Türkei, der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft. Präsident Recep Tayyip Erdoğan dürfte diese Entwicklung mit besonderer Genugtuung verfolgen.
Kontrolle über strategische Ressourcen wechselt die Seiten
Die syrische Regierung unter Ahmed al-Scharaa übernimmt die vollständige militärische und administrative Kontrolle über die bisher von den Kurden verwalteten Provinzen Deir al-Sor und Rakka. Damit fallen auch sämtliche Grenzübergänge sowie die strategisch bedeutsamen Gas- und Ölfelder der Region an Damaskus. Präsident Scharaa hatte es zuletzt als inakzeptabel bezeichnet, dass eine Miliz ein Viertel des Landes kontrolliere und über dessen wichtigste Rohstoffvorkommen verfüge. Nun bekommt er, was er forderte.
Die militärische Realität erzwang das Einlenken
Die SDF-Miliz war in den vergangenen Tagen durch die Offensive der Regierungsarmee schwer unter Druck geraten. Unterstützt von arabischen Stammeskämpfern, rückten die Regierungstruppen rasch vor und stießen am Sonntag auf die letzten Kurden-Hochburgen. Die militärische Überlegenheit der neuen Machthaber ließ den Kurden kaum eine andere Wahl als die Kapitulation.
Amerikas Dilemma zwischen alten Verbündeten und neuen Partnern
Der US-Gesandte Tom Barrack, der in dem Konflikt am Wochenende vermittelte, sprach auf der Online-Plattform X von einem "entscheidenden Wendepunkt". Diese diplomatische Formulierung kaschiert jedoch das fundamentale Dilemma, in dem sich Washington befindet. Die SDF-Miliz galt jahrelang als wichtigster Verbündeter der USA im Kampf gegen die Extremistenmiliz Islamischer Staat in Syrien. Nun müssen die Amerikaner dies mit ihrer neuen Unterstützung für Präsident Scharaa in Einklang bringen, dessen islamistische Rebellen Ende 2024 den langjährigen Machthaber Baschar al-Assad gestürzt haben.
Es ist eine bemerkenswerte Ironie der Geschichte: Die USA, die einst die Kurden als Speerspitze gegen den IS aufbauten, sehen nun tatenlos zu, wie ihre ehemaligen Verbündeten von einer islamistisch dominierten Regierung absorbiert werden. Die Realpolitik triumphiert einmal mehr über ideologische Bekenntnisse.
Misstrauen bleibt – trotz Waffenruhe
Präsident Scharaa kündigte an, sich am Montag mit dem SDF-Anführer Maslum Abdi zu treffen. Alle offenen Fragen würden geklärt, versicherte er staatlichen Medien zufolge. Doch das Misstrauen auf kurdischer Seite sitzt tief. Die kurdischen Führer hatten ursprünglich einen dezentralisierten Staat gefordert – ein Konzept, das mit den Vorstellungen der neuen Machthaber in Damaskus unvereinbar erscheint.
Die Entwicklungen in Syrien zeigen einmal mehr, wie fragil die Ordnung im Nahen Osten bleibt. Während Europa mit seinen eigenen Problemen beschäftigt ist und die deutsche Politik sich in ideologischen Grabenkämpfen verliert, werden andernorts Fakten geschaffen. Die Neuordnung Syriens vollzieht sich mit einer Geschwindigkeit, die westliche Beobachter überrascht – und die Frage aufwirft, ob die internationale Gemeinschaft überhaupt noch Einfluss auf die Geschehnisse in der Region nehmen kann.
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