
Wahlkampf-Klassiker aus Berlin: Wegner entdeckt plötzlich den kleinen Mann – und fordert weniger Mehrwertsteuer auf Lebensmittel

Wenn ein CDU-Politiker auf einem Gewerkschaftskongress das Wort ergreift, dann muss schon etwas Außergewöhnliches geschehen sein. Berlins regierender Bürgermeister Kai Wegner hat genau diese Bühne genutzt, um sich beim Bundeskongress des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) als Anwalt der Verbraucher zu inszenieren. Seine zentrale Forderung: Die Mehrwertsteuer auf Lebensmittel müsse deutlich gesenkt werden. Grundnahrungsmittel, so Wegner, müsse sich „jeder leisten können“. Eine Erkenntnis, die spät kommt – nach Jahren, in denen die Preise im Supermarkt für viele Familien zum Albtraum geworden sind.
Vom Tennisplatz zum Volkstribun?
Es ist nicht ohne Pikanterie, dass ausgerechnet der Bürgermeister der notorisch klammen Hauptstadt sich nun als Streiter für Bezahlbarkeit aufschwingt. Berlin – jene Stadt, die mit Sanierungsstau, geschlossenen Universitätsgebäuden und einer Verwaltung kämpft, die selbst simpelste Vorgänge zur Geduldsprobe macht – soll nun also Vorreiter einer steuerpolitischen Wende werden? Die Energiekosten, so Wegner weiter, müssten „runter in diesem Land“. Und zwar nicht nur für die Industrie, sondern auch für Mittelständler und Verbraucher. Wer sich fragt, wer denn die explodierenden Energiepreise überhaupt erst durch ideologische Energiewende-Experimente verursacht hat, dem dürfte beim Anhören dieser Rede die Stirn in Falten geraten sein.
Die Rentendebatte – ein Selbstgespräch der Union
Spannender noch als die populären Forderungen war Wegners verklausulierte Kritik am eigenen Parteichef. Die Debatten über eine „Basisrente“ und Kürzungen beim Bundeszuschuss würden, so der Berliner CDU-Mann, die Menschen zunehmend verunsichern. Damit zielte er unmissverständlich auf Bundeskanzler Friedrich Merz, der die gesetzliche Rente kurzzeitig zur „Basisabsicherung“ degradiert hatte, bevor er auf der Bundestagung des CDU-Sozialflügels eilig zurückruderte und versprach, unter seiner Führung werde es „keine Kürzungen der gesetzlichen Rente geben“. Ein Lehrstück darüber, wie sich eine Partei innerhalb weniger Tage selbst widersprechen kann. Am Dienstag wird Merz selbst auf dem Kongress erwartet – die Begegnung dürfte spannend werden.
Warnung vor „Hass und Hetze“ – die übliche Rhetorik
Wegner sprach von Krisen, Kriegen, Spaltung sowie „Hass und Hetze“. Die Menschen bräuchten Sicherheit, soziale wie innere. Doch die Frage, wer eigentlich für die wachsende Verunsicherung in diesem Land verantwortlich ist, beantwortete der CDU-Politiker nicht. Wer die Inflation befeuert hat, wer die Bürger mit immer neuen Zumutungen konfrontiert, wer ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität bis 2045 ins Grundgesetz geschrieben hat, obwohl genau das Gegenteil versprochen wurde – das alles blieb in Wegners Rede ausgespart.
Senkung der Mehrwertsteuer – ehrlicher Vorschlag oder Wahlkampf-Kalkül?
Die Idee, Grundnahrungsmittel steuerlich zu entlasten, ist im Kern richtig. Wer kennt es nicht: Der Einkaufswagen wird leerer, der Kassenbon länger. Familien, Rentner und Geringverdiener leiden seit Jahren unter einer Preisspirale, die durch politische Fehlentscheidungen mitverursacht wurde. Doch ausgerechnet eine Bundesregierung, die mit beiden Händen Schulden aufnimmt und neue Sondertöpfe füllt, dürfte kaum bereit sein, freiwillig auf einen Teil der jährlich rund 300 Milliarden Euro Umsatzsteuereinnahmen zu verzichten. Ob Wegners Vorstoß also mehr ist als rhetorisches Wahlkampftraining, bleibt abzuwarten.
Der DGB-Kongress als Bühne
Der viertägige Kongress unter dem Motto „Stärker mit uns“ versammelt acht Einzelgewerkschaften mit rund 5,4 Millionen Mitgliedern in Berlin. Bereits zur Eröffnung schlug DGB-Chefin Yasmin Fahimi scharfe Töne gegen die Bundesregierung an und warnte vor einer „Politik der sozialen Abrissbirne“. Wer Renten oder Krankenversicherungen schwäche, betreibe „Klassenkampf von oben“, hieß es aus dem Verband. Es ist bezeichnend, dass die schärfste Kritik an einer CDU-geführten Bundesregierung mittlerweile aus den eigenen Reihen und von gewerkschaftsnahen Akteuren kommt.
Edelmetalle als stiller Krisenschutz
Während Politiker um Vertrauen ringen und Steuerversprechen in den Raum werfen, die morgen schon Makulatur sein können, suchen immer mehr Bürger nach Wegen, sich gegen Inflation und politische Unwägbarkeiten abzusichern. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben über Jahrhunderte hinweg bewiesen, dass sie ein verlässlicher Anker in stürmischen Zeiten sind. Als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio bieten sie Schutz vor genau jenen Risiken, die durch eine ausufernde Staatsverschuldung und steigende Lebenshaltungskosten entstehen.
Hinweis: Die in diesem Artikel geäußerten Einschätzungen geben die Meinung unserer Redaktion wieder und stellen keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Jeder Leser ist angehalten, eigene Recherchen anzustellen und für seine Entscheidungen selbst Verantwortung zu übernehmen. Für individuelle Fragen empfehlen wir die Konsultation eines qualifizierten Beraters.

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