
Wall-Street-Titan Griffin: Der KI-Boom ist „fast sicher“ eine Blase!

Ken Griffin, Gründer des Hedgefonds Citadel und Chef von Amerikas größtem Market-Maker, hat ausgesprochen, was viele Anleger lieber verdrängen. Auf einer Finanzkonferenz in New York sagte er am Dienstag, die Märkte steckten „fast sicher“ in einer KI-Blase. Seine Begründung dürfte vielen Tech-Fans nicht gefallen: Die Kunden prüfen inzwischen ihre Rechnungen.
Die Rechnung kommt, und die Konzerne rechnen nach
Laut Griffin gelinge es Amerikas Unternehmen nur sehr ungleichmäßig, aus ihren KI-Modellen echten Nutzen zu ziehen. Ganz Corporate America schaue derzeit auf die Rechnungen von Anthropic und OpenAI und frage sich, ob dabei überhaupt Produktivität herauskomme.
Die Frage ist berechtigt. Nach Berechnungen von BCA Research lag das Wachstum der totalen Faktorproduktivität im zweiten Quartal bereinigt bei null. Einen gesamtwirtschaftlichen Produktivitätsschub durch KI gibt es demnach bisher nicht. Griffin sieht darin keinen Widerspruch: Radikale wirtschaftliche Umbrüche seien historisch fast immer mit Blasen einhergegangen.
Bemerkenswert ist, wie oft der Milliardär seine Meinung gewechselt hat. In Davos soll er KI im Januar noch als Müll bezeichnet haben. Im Mai zeigte er sich bedrückt von ihren Möglichkeiten. Jetzt spricht er von einem „goldenen Zeitalter“ für Gründer. Drei Sichtweisen in zehn Monaten.
Anthropic: Milliardenumsatz, Milliardenverlust
Wie gewaltig die Summen sind, zeigt ein Entwurf des Börsenprospekts von Anthropic, über den das Wall Street Journal berichtete. Demnach erzielte das Unternehmen im ersten Halbjahr 2026 einen Umsatz von 16,3 Milliarden Dollar. Der Nettoverlust nach US-Bilanzregeln lag bei 80,7 Milliarden Dollar. Rund 72 Milliarden davon gehen allerdings auf eine nicht zahlungswirksame Neubewertung zurück.
Dem Bericht zufolge hat Anthropic Rechenkapazität für mehr als 600 Milliarden Dollar vertraglich gebucht, überwiegend unkündbar. Über weitere 150 Milliarden werde verhandelt. Gleichzeitig fallen die Preise für KI-Dienste auf Rekordtiefs. Die Kosten steigen also, während der Preis pro Einheit sinkt, und diese Lücke soll nun der Börsengang schließen.
Dotcom lässt grüßen
Griffin ist mit dem Vergleich zum Jahr 2000 nicht allein. Nach Daten von Goldman Sachs liegt der S&P 500 nur zwei Prozent unter seinem Rekordhoch. Die mittlere Aktie im Index notiert dagegen 15 Prozent darunter. So schmal war die Marktbreite seit der Dotcom-Blase nicht mehr. Hinzu kommt: KI-Investitionen sollen derzeit etwa die Hälfte des Gewinnwachstums im S&P 500 tragen.
Die Bank of America hat sich die Konzentration angesehen. Die zehn größten KI-Werte stehen inzwischen für 42 Prozent des Marktes. Auf dem Höhepunkt der Technologie- und Telekom-Blase im Jahr 2000 waren es 41 Prozent. Griffin sagte, er wünschte, er hätte damals seine Amazon-Aktien behalten. Dabei vergaß er allerdings zu erwähnen, dass das Papier nach dem Crash zeitweise mehr als 90 Prozent verlor.
Der Anleihemarkt schlägt zuerst Alarm
Am Kreditmarkt sind die Sorgen schon sichtbar. Die Risikoaufschläge auf KI-nahe Hochzinsanleihen stiegen laut Goldman um 25 Basispunkte auf 360 Basispunkte. Bei anderen Emittenten waren es nur zwei. Für 2027 rechnen die Analysten mit KI-bezogenen Neuemissionen von rund 720 Milliarden Dollar.
Beschwichtigung aus Berlin
Blackrock-Chef Larry Fink hielt beim Berlin Global Dialogue dagegen. Ein langsamerer Ausbau der Rechenzentren wirke inflationär und gefährde die Wirtschaft. Ein Interessenkonflikt liegt dabei nahe, denn Blackrocks Infrastruktursparte gehört zu den größten Käufern von Rechenzentren. Auch Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing spielte die Blasengefahr herunter. Fink räumte jedoch selbst ein, dass die Anleiherenditen ein Warnsignal sendeten und die US-Defizite zum echten Problem würden.
Wer bleibt am Ende auf den Kosten sitzen?
Die Technologie wird sich durchsetzen, daran zweifelt kaum jemand. Offen ist aber, welchen Preis Anleger dafür zahlen. In der Geschichte haben stets jene bezahlt, die zu spät eingestiegen sind und auf Kredit gesetzt haben. Wer sein Vermögen nicht allein auf überhitzte Tech-Bewertungen stützen will, kann mit physischem Gold und Silber eine bewährte Ergänzung in einem breit gestreuten Portfolio wählen. Edelmetalle hängen weder von Rechenzentren noch von Zahlungsversprechen ab.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er spiegelt die Meinung unserer Redaktion auf Grundlage der uns vorliegenden Informationen wider. Jeder Anleger muss selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen allein verantwortlich.
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