
Wasser predigen, Diesel fahren: NRW-Finanzminister entlarvt das E-Auto-Märchen
Es ist eine jener köstlichen Realsatiren, die das politische Berlin – oder in diesem Fall Düsseldorf – in schöner Regelmäßigkeit hervorbringt. Nordrhein-Westfalens Finanzminister Marcus Optendrenk hat seinen elektrischen BMW i7 zurückgegeben und sich stattdessen einen Audi A8 L 50 TDI quattro vor die Tür stellen lassen. Einen Diesel. Einen Oberklasse-Diesel wohlgemerkt, mit V6-Motor, 210 kW Leistung und einem Grundpreis von knapp 100.000 Euro. Man könnte lachen, wenn es nicht so bezeichnend wäre.
Die unbequeme Wahrheit aus dem Ministermund
Was Optendrenk als Begründung anführt, ist bemerkenswert ehrlich – und gerade deshalb politisch brisant. Er habe festgestellt, so erklärte er gegenüber der „WAZ", dass ein Elektrofahrzeug im politischen Düsseldorf zwar gut funktioniere, bei einem engen Terminkalender und langen Fahrten durch ein Flächenland wie Nordrhein-Westfalen jedoch an seine Grenzen stoße. Reichweite, Ladezeiten, fehlende Puffer – der Minister benennt exakt jene Probleme, die Millionen Deutsche seit Jahren aus eigener Erfahrung kennen und die von der politischen Klasse stets als Übergangsphänomene bagatellisiert wurden.
Dass ausgerechnet ein Mitglied der Landesregierung diese Alltagsrealität nun öffentlich zur Entscheidungsgrundlage macht, hat eine Sprengkraft, die weit über den konkreten Dienstwagenwechsel hinausreicht. Denn hier spricht kein notorischer Nörgler am Stammtisch, sondern ein Spitzenpolitiker, dem sämtliche Ressourcen eines Ministeriums zur Verfügung stehen – Fahrer, Planungsstab, bevorzugte Ladestationen. Wenn selbst unter diesen Luxusbedingungen die Elektromobilität nicht zuverlässig funktioniert, was sagt das dann über die Realität des Handwerkers, des Pendlers, der Krankenschwester auf dem Land?
Ein kalkulierter Abschied vom Stromer
Der Zeitpunkt des Wechsels war offenbar keineswegs spontan. Optendrenk musste zunächst das Ende seines Leasingvertrags für den BMW i7 abwarten, bevor er umsteigen konnte. Es handelt sich also um einen regelrechten Praxistest mit anschließendem Urteil – und dieses Urteil fiel vernichtend aus. Der Minister hat die Elektromobilität im Alltag erprobt, gewogen und für zu leicht befunden. Für viele Bürger dürfte das wie ein offizielles Gütesiegel der Unzulänglichkeit wirken.
Der Doppelstandard als Systemfehler
Politisch ist der Vorgang von geradezu grotesker Symbolkraft. Dieselbe politische Klasse, die den Bürgern seit Jahren den Umstieg auf Elektrofahrzeuge nahelegt, die Verbrennerverbote diskutiert, Kaufprämien auslobt und CO₂-Grenzwerte verschärft – dieselbe Klasse weicht im eigenen Alltag pragmatisch auf den bewährten Diesel aus, sobald es unbequem wird. Verzicht für die Bürger, Komfort für das Kabinett – so lässt sich die Botschaft zusammenfassen, die von diesem Wechsel ausgeht.
Dabei ist Optendrenk keineswegs der erste Politiker, der an der Elektromobilität scheitert. Hamburgs Erster Bürgermeister gab sein E-Auto wegen zu geringer Winterreichweite zurück. Die Deutsche Umwelthilfe deckte wiederholt auf, wie wenig sich Politiker an jene Klimavorgaben halten, die sie anderen auferlegen. Es entsteht ein Muster, das die Glaubwürdigkeit der gesamten Verkehrswende untergräbt.
Fast 100.000 Euro Steuergeld für Diesel-Komfort
Besonders pikant ist die Wahl des Nachfolgefahrzeugs. Der Audi A8 L 50 TDI quattro ist keine bescheidene Übergangslösung, sondern eine Oberklasse-Limousine, die in der Basisversion bereits bei rund 99.900 Euro beginnt. Mit den bei Ministerwagen üblichen Sonderausstattungen – Assistenzsysteme, Komfortpakete, Sicherheitsfeatures – dürfte der tatsächliche Fahrzeugwert deutlich darüber liegen. Der WLTP-Verbrauch bewegt sich zwischen 7,0 und 7,7 Litern auf 100 Kilometer. Von Bescheidenheit oder ökologischem Bewusstsein keine Spur.
Man stelle sich vor, ein mittelständischer Unternehmer würde öffentlich erklären, er habe das E-Auto getestet und kehre nun zum Diesel zurück – der mediale Aufschrei wäre gewaltig. Bei einem Minister hingegen wird der Vorgang mit erstaunlicher Milde behandelt. Diese Asymmetrie in der öffentlichen Bewertung offenbart ein tieferliegendes Problem: Die politische Elite lebt nach anderen Regeln als jene, die sie für das Volk aufstellt.
Wenn die Praxis die Ideologie widerlegt
Was den Fall Optendrenk so besonders macht, ist die Nüchternheit seiner Argumentation. Er spricht nicht ideologisch, sondern handfest – über Termine, Strecken und Zeitdruck. Genau das macht seine Entscheidung so gefährlich für die Befürworter einer forcierten Elektrifizierung des Verkehrs. Denn gegen ideologische Argumente lässt sich ideologisch gegenhalten. Gegen Alltagserfahrung nicht.
Die Konsequenz liegt auf der Hand: Akzeptanz lässt sich nicht verordnen. Solange die Ladeinfrastruktur lückenhaft bleibt, solange Reichweiten im Winter dramatisch einbrechen und solange das Laden eines Fahrzeugs mehr Zeit kostet als ein Tankvorgang, wird die Skepsis der Bevölkerung weiter wachsen. Und solange Minister selbst aussteigen, wird jeder politische Appell zum Umstieg wie blanker Hohn klingen.
Es wäre an der Zeit, dass die Politik ehrlich mit den Bürgern umgeht, statt ihnen eine Technologie als alternativlos zu verkaufen, an der sie selbst scheitert. Die Energiewende im Verkehrssektor braucht keine Sonntagsreden, sondern funktionierende Infrastruktur. Bis dahin sollte man den Menschen die Freiheit lassen, selbst zu entscheiden, welcher Antrieb zu ihrem Leben passt – so wie es der Finanzminister von Nordrhein-Westfalen für sich selbst ganz selbstverständlich in Anspruch nimmt.
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