
Wenn der Elfenbeinturm die Opfer zu Tätern macht: Professor gibt Schaffnern Mitschuld an Gewalt

Es gibt Momente, in denen sich die Absurdität des öffentlichen Diskurses in Deutschland so verdichtet, dass einem schlicht die Worte fehlen. Fast. Denn was ein Professor der Polizeiakademie Oldenburg in einer NDR-Dokumentation von sich gab, ist an Realitätsverweigerung kaum noch zu überbieten – und wurde durch die grausame Wirklichkeit auf brutalste Weise widerlegt.
Ein Soziologe erklärt die Welt – und die Welt widerspricht
Professor Joachim Häfele, seines Zeichens Soziologe, Rechtsextremismusforscher und Dozent an der Polizeiakademie Oldenburg, wurde in der NDR Story „Bus und Bahn: Die Angst fährt mit" als Experte befragt. Seine These? Nicht etwa die Gewalttäter seien das Problem im öffentlichen Nahverkehr. Nein, es seien die Bahnmitarbeiter selbst, die durch mangelnde „interkulturelle Kompetenz", fehlende „Empathie" und eine falsche „Körperhaltung" bei der Fahrkartenkontrolle Gewalt provozieren würden.
Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Ein Mann, der vermutlich seit Jahren keinen Regionalzug von innen gesehen hat, erklärt den Menschen, die täglich ihr Leben riskieren, dass sie an der Gewalt gegen sich selbst mitschuldig seien. Wenn ein Kontrolleur „relativ aggressiv/autoritär" auftrete, so Häfele, könne dies vom Gegenüber „als eine Diskriminierung wahrgenommen werden". Die Wahrscheinlichkeit gewalthafter Eskalationen steige dann.
Die Realität schlägt zurück – im wahrsten Sinne des Wortes
Das makabre Timing hätte kein Drehbuchautor besser inszenieren können. Am Abend des 2. Februar 2026, genau an jenem Tag, an dem die NDR-Dokumentation in einer Zweitausstrahlung über die Bildschirme flimmerte, wurde der Zugbegleiter Serkan C. in einem Regionalzug in Rheinland-Pfalz von einem Mann brutal zusammengeschlagen. Zwei Tage später erlag er seinen schweren Kopfverletzungen im Krankenhaus. Sein Vater erlitt nach Bekanntwerden der Attacke einen Herzinfarkt.
Serkan C. hinterließ zwei Kinder im Alter von zehn und elf Jahren. Er war verlobt und stand kurz vor seiner Hochzeit. Sein einziges „Vergehen"? Er hatte den Angreifer lediglich gebeten, den Zug zu verlassen. Keine aggressive Körperhaltung, kein autoritäres Auftreten – einfach nur die Ausübung seines Berufs. Und dafür bezahlte er mit seinem Leben.
Der Täter: Ein bekanntes Muster
Der Tatverdächtige, ein Mann mit griechischem Pass, der Medienberichten zufolge syrischer Herkunft sein soll und in Luxemburg lebte, war bereits am selben Tag wegen gewalttätigen Verhaltens in einem anderen Zug von der Polizei aufgegriffen worden – und wieder laufen gelassen worden. Man fragt sich unwillkürlich: Wie viele Warnsignale braucht ein System, bevor es handelt? Offenbar mehr, als ein Menschenleben wert ist.
Die Täter-Opfer-Umkehr als akademische Disziplin
Was Professor Häfele in der NDR-Dokumentation betreibt, ist nichts anderes als eine perfide Täter-Opfer-Umkehr, verpackt in akademisches Vokabular. Statt die Ursachen der explodierenden Gewalt im öffentlichen Raum beim Namen zu nennen, wird den Opfern – den Schaffnern, Busfahrern und Zugbegleitern – eine Mitverantwortung zugeschoben. Sie müssten eben besser geschult werden, mehr Empathie zeigen, ihre Körpersprache anpassen. Als ob ein Deeskalationstraining gegen einen Mann hilft, der bereit ist, einen anderen Menschen totzuprügeln.
Besonders entlarvend ist Häfeles Versuch, die Gewaltproblematik herunterzuspielen. „Wirklich schwere Gewaltfälle" seien „sehr, sehr selten" und würden „unverhältnismäßig oft thematisiert", behauptete der Wissenschaftler. Die Medien sollten mit der Berichterstattung über schwere Gewalttaten zurückhaltender umgehen. Kriminalitätsängste ließen sich schließlich „sehr gut kapitalisieren" – in Wahlerfolgen und Auflagenzahlen.
„Auch eine bestimmte Körperhaltung kann bei der Ticketkontrolle Auslöser sein. Wenn ich als Kontrolleurin oder Kontrolleur vielleicht relativ aggressiv/autoritär auftrete, dann kann das von meinem Gegenüber eben auch als eine Diskriminierung wahrgenommen werden."
Man stelle sich vor, ein Arzt würde einem Patienten mit gebrochenem Bein erklären, er hätte eben nicht so provokant gehen sollen. Genau das ist die Logik dieses Professors.
Über 3.000 Gewalttaten gegen Bahnmitarbeiter – aber bitte nicht darüber reden
Die nackten Zahlen sprechen eine unmissverständliche Sprache: Über 3.000 Fälle von Gewalt gegen Bahnmitarbeiter wurden allein im Jahr 2025 erfasst, einschließlich verbaler Attacken. Nur einen Tag nach dem tödlichen Angriff auf Serkan C. musste ein weiterer Bahnangestellter nach einer Prügelattacke in Hamburg ins Krankenhaus eingeliefert werden. Der Täter wurde zunächst nicht einmal in Untersuchungshaft genommen.
Gewalt gegen Bahnmitarbeiter ist längst kein Einzelfall mehr – sie ist zum traurigen Alltag in Deutschland geworden. Und wer wie Häfele fordert, darüber weniger zu berichten, der macht sich zum Komplizen einer Vertuschungsstrategie, die das Problem nur verschärft.
Ein Blick auf den „Experten"
Es lohnt sich, einen genaueren Blick auf den akademischen Hintergrund des Professors zu werfen. Häfele ist wohlgemerkt kein geläufiger Universitätsprofessor, sondern lehrt an einer Polizeiakademie – eine Unterscheidung, die durchaus relevant ist. Seine Forschungsschwerpunkte lesen sich wie das Programm eines grünen Parteitags: „Kriminalitätsfurcht", „Intoleranzen im urbanen Kontext", „Hasskriminalität und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit", „Rechtsextremismusforschung" sowie „Rechtszynismus". Eines seiner aktuellen Projekte befasst sich mit „transdisziplinären Perspektiven auf gruppenbezogene Aggression und Intoleranz".
Auffällig dabei: Als „Gruppe", die von Gewalt betroffen ist, scheint Häfele nicht etwa die Bahnmitarbeiter identifiziert zu haben, sondern die Migranten. Die eigentlichen Opfer – jene Menschen, die täglich in Zügen und Bussen um ihre körperliche Unversehrtheit fürchten müssen – kommen in seinem Weltbild offenbar nur als potenzielle Provokateure vor.
Deutschland hat ein Gewaltproblem – und ein Benennungsproblem
Was sich in deutschen Zügen, auf Bahnhöfen und in Bussen abspielt, ist ein Spiegelbild einer Gesellschaft, die den Kontakt zur Realität verloren hat. Zahllose Bürger berichten davon, dass sie öffentliche Verkehrsmittel aus Angst meiden. Schaffner kontrollieren bestimmte Fahrgäste nicht mehr, weil sie um ihre Gesundheit fürchten. Lokführerinnen geben nach Jahrzehnten ihren Beruf auf. Und was bietet die akademische Elite als Lösung an? Deeskalationstrainings und interkulturelle Kompetenzschulungen.
Die zunehmende Kriminalität und die erschreckende Häufung von Gewaltdelikten in Deutschland sind nicht das Ergebnis falscher Körperhaltungen bei der Fahrkartenkontrolle. Sie sind das Ergebnis einer jahrelangen politischen Fehlsteuerung, einer laxen Justiz und einer Migrationspolitik, die offensichtlich gescheitert ist. Das ist nicht nur die Meinung unserer Redaktion – es ist die Überzeugung eines Großteils der deutschen Bevölkerung, die sich in ihrem eigenen Land zunehmend unsicher fühlt.
Deutschland braucht keine Professoren, die den Opfern die Schuld geben. Deutschland braucht Politiker, die endlich den Mut aufbringen, die Probleme beim Namen zu nennen und konsequent zu handeln. Für Serkan C. kommt jede Maßnahme zu spät. Für die Tausenden Bahnmitarbeiter, die jeden Tag ihren Dienst antreten, wäre es höchste Zeit.

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