
Wenn Qualitätsmedien Missbrauchsopfer zu „Gespielinnen" degradieren
Es gibt sprachliche Entgleisungen, die man als Flüchtigkeitsfehler abtun könnte. Und dann gibt es Formulierungen, die so tief in den Abgrund journalistischer Verantwortungslosigkeit blicken lassen, dass einem der Atem stockt. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung – einst Flaggschiff des seriösen deutschen Journalismus – hat sich offenbar für Letzteres entschieden.
„Minderjährige Gespielinnen" – eine Verhöhnung der Opfer
In einem Kommentar zur Festnahme von Prinz Andrew im Zusammenhang mit dem Epstein-Skandal wählte die FAZ eine Formulierung, die man sich auf der Zunge zergehen lassen muss: Die mutmaßlichen Opfer des britischen Royals werden als „minderjährige Gespielinnen" bezeichnet. Nicht als Opfer. Nicht als missbrauchte Minderjährige. Nein – als „Gespielinnen". Ein Wort, das Freiwilligkeit suggeriert, das Leichtigkeit und einvernehmliches Vergnügen impliziert. Bei Minderjährigen. Man fragt sich unwillkürlich, welcher redaktionelle Prozess eine solche Wortwahl durchlaufen haben muss, ohne dass jemand die Hand gehoben und gesagt hätte: Moment mal.
Das Wort „Gespielin" entstammt einer Welt galanter Umschreibungen, es gehört in den Kontext höfischer Affären zwischen Erwachsenen – nicht in die Beschreibung des systematischen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger durch einen der mächtigsten Männer der Welt. Wer so formuliert, verharmlost nicht nur – er betreibt aktive Täter-Opfer-Umkehr.
Der Epstein-Skandal: Ein Abgrund, der immer tiefer wird
Die Festnahme von Andrew Mountbatten-Windsor markiert einen weiteren Meilenstein in der Aufarbeitung des Epstein-Skandals, der seit Jahren die Machteliten der westlichen Welt erschüttert. Jeffrey Epstein, der sich 2019 unter mysteriösen Umständen in seiner Gefängniszelle das Leben genommen haben soll, hatte über Jahrzehnte ein Netzwerk aufgebaut, das minderjährige Mädchen systematisch an wohlhabende und einflussreiche Männer vermittelte. Die Liste der Verstrickten liest sich wie ein Who's who der globalen Machtelite.
Dass nun ausgerechnet ein Mitglied des britischen Königshauses festgenommen wurde, wirft Fragen auf, die weit über die Monarchie hinausreichen. Die FAZ stellte in ihrem Kommentar durchaus die berechtigte Frage, ob die Verwicklungen des Prinzen Auswirkungen auf die Regierung von Premierminister Keir Starmer haben könnten. Eine wichtige politische Analyse – die jedoch durch die skandalöse Wortwahl vollständig in den Hintergrund gerückt wurde.
Wenn die Sprache zum Komplizen wird
Sprache ist nie neutral. Jedes Wort ist eine Entscheidung. Und die Entscheidung der FAZ, minderjährige Missbrauchsopfer als „Gespielinnen" zu bezeichnen, offenbart ein erschreckendes Maß an Empathielosigkeit – oder schlimmer noch: an bewusster Verharmlosung. Es ist genau diese Art der sprachlichen Weichzeichnung, die es Tätern in Machtpositionen über Jahrzehnte ermöglicht hat, unbehelligt zu agieren. Wenn selbst sogenannte Qualitätsmedien den Missbrauch von Kindern in galante Vokabeln kleiden, wie soll dann eine Gesellschaft das wahre Ausmaß solcher Verbrechen begreifen?
Man stelle sich nur einmal vor, ein Medium hätte die Opfer eines beliebigen anderen Verbrechens in ähnlich verharmlosender Weise beschrieben. Der Aufschrei wäre gewaltig gewesen. Doch wenn es um die Mächtigen dieser Welt geht, um Prinzen und Milliardäre, scheint die journalistische Sorgfaltspflicht plötzlich anderen Regeln zu folgen. Fast könnte man meinen, die ehrfürchtige Distanz gegenüber Adelstiteln und Vermögen habe die redaktionelle Urteilskraft vernebelt.
Ein Symptom eines größeren Problems
Diese sprachliche Entgleisung der FAZ ist leider kein Einzelfall, sondern symptomatisch für einen Journalismus, der zunehmend den Kompass verliert. Dieselben Medien, die sich bei Gendersternchen und inklusiver Sprache in akribischer Detailarbeit üben, versagen offenbar kläglich, wenn es darum geht, sexuellen Missbrauch an Minderjährigen beim Namen zu nennen. Die Prioritäten scheinen auf groteske Weise verschoben.
Es bleibt zu hoffen, dass die juristische Aufarbeitung des Epstein-Skandals konsequenter verläuft als die sprachliche Einordnung durch Teile der deutschen Medienlandschaft. Die Opfer – und ja, es sind Opfer, keine „Gespielinnen" – verdienen Gerechtigkeit. Und sie verdienen eine Berichterstattung, die ihr Leid nicht durch sprachliche Kosmetik unsichtbar macht.
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