
„Wir wissen, was gut ist“: Ein Merz-Satz und die Wut der Bürger

Bundeskanzler Friedrich Merz ist zurück aus dem Sommerurlaub – und startet mit einer Ansage, die viele Bürger als Belehrung empfinden. „Die Bundesregierung lässt sich nicht von ihrem Kurs abbringen, wir wissen, was richtig und gut ist für das Land. Da lassen wir uns nicht beirren“, sagte er der Bild am Sonntag. Am 25. August 2026 begann die Kabinettsklausur auf Schloss Neuhardenberg in Brandenburg.
Der Satz, der wie ein Machtwort klingt
Merz sprach von „historischen Beschlüssen“, die nun so schnell wie möglich umgesetzt werden müssten. Wachstum und Beschäftigung nannte er laut dem Bericht „das wichtigste Thema“, versprach eine „schnelle und umfassende Entlastung für die Wirtschaft, gerade auch für Handwerk und Mittelstand“.
Doch es ist nicht das Versprechen, das hängen bleibt. Es ist der Nebensatz vom eigenen Bescheidwissen. In einem vielbeachteten Zeitungskommentar wurde diese Haltung mit dem überheblichen Ton früherer DDR-Funktionäre verglichen – eine scharfe Zuspitzung, gewiss. Aber sie trifft einen Nerv.
Denn wer erklärt, er wisse, was gut fürs Land sei, erklärt implizit alle Kritiker für uninformiert. Und Kritiker gibt es reichlich.
Brandbrief aus dem Mittelstand: „Herbst der Wahrheit“
Ausgerechnet aus der Wirtschaft kommt der härteste Schlag. Der Bundesgeschäftsführer des Mittelstandsverbands BVMW, Christoph Ahlhaus, sagte der Neuen Osnabrücker Zeitung, es fehle „dem Bundeskanzler an Führungsprofil“. Finde Merz nicht rasch zu klarer Führung zurück, drohe der schwarz-roten Koalition mittelfristig das Auseinanderfallen.
Ahlhaus, seit über 40 Jahren CDU-Mitglied, beklagt dem Bericht zufolge, die Forderungen des Verbands seien „überhaupt nicht“ erhört worden. Die Aufbruchsstimmung der versprochenen Wirtschaftswende sei verflogen. Sein Urteil zum kommenden Regierungsherbst:
„Nach dem ausgebliebenen ‚Herbst der Reformen‘ vor einem Jahr steht uns nun der ‚Herbst der Wahrheit‘ ins Haus.“
Man muss sich das vor Augen halten: Der „Herbst der Reformen“ war bereits für 2025 angekündigt – und verschoben. Nun soll er nachgeliefert werden. Wer als Unternehmer seit Jahren auf Bürokratieabbau und niedrigere Abgaben wartet, hört solche Ankündigungen mittlerweile mit müdem Lächeln.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache
Wie tief das Vertrauen erodiert ist, zeigt eine YouGov-Erhebung für die Deutsche Presse-Agentur, veröffentlicht vor wenigen Tagen:
- 36 Prozent erwarten eine Ablösung von Merz noch vor der Bundestagswahl 2029
- 18 Prozent rechnen sogar mit einem Aus bereits in diesem Jahr
- Nur 29 Prozent glauben an eine volle Amtszeit
- 67 Prozent sehen ihn nach dem Personalumbau vor der Sommerpause mit weniger Autorität in der eigenen Partei
In der Kanzlerfrage sprachen sich laut der Erhebung nur 9 Prozent für Merz aus, 25 Prozent für NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst. In einer Forsa-Befragung für RTL und ntv lag die AfD bundesweit bei 28 Prozent, CDU und CSU bei 21. Im September wählen Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin.
Wer regiert für wen?
Aus Sicht unserer Redaktion liegt das Problem tiefer als in einem unglücklichen Zitat. Wer Rekordschulden auflegt, Klimaneutralität ins Grundgesetz schreibt und den Bürgern gleichzeitig erklärt, sie verstünden die Lage nicht, darf sich über Pfiffe und Umfragetiefs nicht wundern.
Vertrauen in Politik lässt sich nicht verordnen – es wird verdient. Wer sein Vermögen unabhängig von politischen Kursschwankungen sichern will, zieht daraus seine eigenen Schlüsse; physische Edelmetalle gelten seit Generationen als bewährte Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio.
Hinweis: Dieser Beitrag ist journalistische Berichterstattung und keine Anlageberatung. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Anleger trifft seine Entscheidungen eigenverantwortlich und sollte sich vorab selbst umfassend informieren.

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