
Zins-Falle am Bau: Genehmigungen steigen, doch die Kräne stehen still!

Der deutsche Wohnungsbau kommt nicht vom Fleck, und jetzt zieht ausgerechnet die Europäische Zentralbank die Zinsschraube wieder an. Laut der jüngsten Umfrage des ifo Instituts klagten im September 41,3 Prozent der Wohnungsbauunternehmen über zu wenige Aufträge. Das Geschäftsklima fiel auf minus 25,1 Punkte. Auf den Aufschwung im Herbst, den viele erhofft hatten, warten die Unternehmen vergeblich.
Wie die Zinspolitik zum Bumerang wurde
Vor wenigen Monaten sah es noch nach einer Wende aus. Nach den Zinssenkungen der EZB in den vergangenen Jahren rechneten Ökonomen und Politiker damit, dass sich der Immobilienmarkt stabilisiert. Im August hellte sich die Stimmung in der Branche laut ifo tatsächlich spürbar auf.
Dann änderte Frankfurt den Kurs. Medienberichten zufolge hob die EZB im Juni 2026 erstmals seit fast drei Jahren die Zinsen an. Sie reagierte damit auf die Inflation, die der Irankrieg angeheizt hatte. Nach einem weiteren Schritt liegt der Leitzins inzwischen bei 2,5 Prozent. Die Teuerung in der Eurozone war zuvor über die Marke von drei Prozent gestiegen.
Die Folgen sind deutlich. ifo-Umfrageleiter Klaus Wohlrabe sieht in der Zinserhöhung den Hauptgrund für die gedämpfte Zuversicht. Die Aussicht auf wieder höhere Finanzierungskosten belaste die Branche, so Wohlrabe. Vor allem die Erwartungen für die kommenden Monate hätten sich eingetrübt.
Viele Genehmigungen, wenig Baustellen
Auf dem Papier sieht die Lage gut aus. Laut Statistischem Bundesamt wurden von Januar bis August 2026 Baugenehmigungen für 169.400 Wohnungen erteilt, das sind 12,1 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. In Mehrfamilienhäusern stieg die Zahl der genehmigten Neubauwohnungen um 14,5 Prozent auf 90.600.
Eine Genehmigung ist aber noch kein Bau. Wer mit gestiegenen Zinsen und hohen Baukosten neu rechnet, legt fertig geplante Projekte schnell wieder zu den Akten. Laut ifo berichteten im September 14,1 Prozent der Unternehmen von stornierten Aufträgen, nach 13,4 Prozent im August.
Am Material liegt es nicht. Nur 4,2 Prozent der Firmen meldeten Engpässe. Es fehlt nicht an Baustoffen, sondern an Kunden, die sich den Bau noch leisten können.
Ein langer Weg aus dem Tief
Die Lage hat sich gegenüber dem Tiefpunkt zwar verbessert. Anfang 2024 war die Stimmung im Wohnungsbau so schlecht wie nie seit Beginn der Erhebung im Jahr 1991. Damals meldete mehr als jedes zweite Unternehmen Auftragsmangel. Von Normalität ist die Branche trotzdem weit entfernt.
Ein Bau-Turbo, der nicht anspringt
Die schwarz-rote Bundesregierung unter Friedrich Merz hatte einen „Wohnungsbau-Turbo“ angekündigt. Davon kommt auf den Baustellen bisher wenig an. Die Bauverbände stellen schon lange Forderungen für mehr Neubau. Wohlrabe betont, dass für eine nachhaltige Erholung mehr Bauvorhaben tatsächlich umgesetzt werden müssten. Ankündigungen allein bauen keine Wohnung.
Gleichzeitig plant Berlin ein Sondervermögen von 500 Milliarden Euro, finanziert über neue Schulden. Kritiker fragen, warum der Staat für sich selbst Milliarden mobilisiert, während private Bauherren an den steigenden Kosten scheitern.
Was das für Familien und Sparer bedeutet
Am stärksten trifft es junge Familien. Steigen die Zinsen für Baukredite, rückt das eigene Haus für viele noch weiter in die Ferne. Wer Leistung bringt und Vermögen aufbauen will, hat es gleich doppelt schwer: Die Inflation zehrt an den Ersparnissen, und die Kredite werden teurer.
Viele Anleger setzen deshalb auf physisches Gold und Silber. Edelmetalle gelten seit Generationen als Schutz gegen Geldentwertung und sind unabhängig von politischen Versprechen. Als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen können sie für mehr Stabilität sorgen.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser sollte sich selbst umfassend informieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen selbst.
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