
Zins-Poker vor der Wahl: Trumps Wunsch-Fed-Chef zieht die Zügel an!

Die US-Notenbank steuert offenbar auf die nächste Zinserhöhung zu – ausgerechnet wenige Tage vor den Zwischenwahlen. Am 28. Oktober entscheidet die Federal Reserve unter ihrem neuen Chef Kevin Warsh erneut über den Leitzins. Laut CME FedWatch Tool lag die Wahrscheinlichkeit für einen weiteren Schritt um 0,25 Prozentpunkte zuletzt bei 70,3 Prozent.
Mitte September hatte die Fed die Zinsen erstmals seit drei Jahren angehoben. In dieser Woche könnte eine Flut neuer Konjunkturdaten den Ausschlag geben. Für Donald Trump ist das eine bittere Pille.
Der Präsident wollte billiges Geld – und bekommt das Gegenteil
Die Ironie ist kaum zu übersehen. Jahrelang hatte Trump den früheren Fed-Chef Jerome Powell verbal attackiert, weil dieser die Zinsen nicht nach Wunsch senkte. Mit Warsh setzte er einen Mann ein, von dem er sich offenbar mehr Nachgiebigkeit erhoffte. Doch auch Warsh zeigt sich unabhängig.
Bei der Vereidigung im Mai klang Trump noch hoffnungsvoll:
„Im Gegensatz zu einigen seiner Vorgänger versteht Kevin, dass es eine gute Sache ist, wenn die Wirtschaft boomt. Wir müssen nicht übertreiben, lassen wir sie einfach boomen.“
Warsh begründete die jüngste Erhöhung nun aber gerade mit dieser Stärke. Angesichts der geopolitischen Schocks lerne man die Widerstandsfähigkeit der US-Wirtschaft zu schätzen, sagte er am 16. September vor Reportern.
Boom-Zahlen mit Beigeschmack
Die Einzelhandelsumsätze sind im August sprunghaft gestiegen. Die Geschäftstätigkeit legte im September so schnell zu wie seit über fünf Jahren nicht mehr. Doch die Inflation liegt weiter über dem Zwei-Prozent-Ziel der Fed. Gute Nachrichten werden so zum Problem.
Am Mittwoch folgen die Konsumausgaben (PCE). Ökonomen erwarten beim Kernindex ein Monatsplus von 0,3 Prozent – schneller als in den beiden Vormonaten. Eine Neugewichtung dürfte die Jahresrate zwar um bis zu drei Zehntelpunkte drücken. Das ist allerdings eher ein statistischer Effekt als echte Entwarnung. Am Freitag kommen die Arbeitsmarktdaten: Erwartet werden rund 90.000 neue Stellen und eine unveränderte Arbeitslosenquote von 4,1 Prozent.
JPMorgan-Chefökonom Michael Feroli warnte, bei einem enger werdenden Arbeitsmarkt und steigenden Löhnen könne es irgendwann „zu viele gute Nachrichten zum Wachstum“ geben.
Die Falken kreisen
Fed-Gouverneur Michael Barr hält weitere Erhöhungen für wahrscheinlich notwendig. Chicagos Fed-Präsident Austan Goolsbee sagte, der Weg zurück zum Inflationsziel werde nicht ohne Schmerzen verlaufen. Clevelands Fed-Chefin Beth Hammack fragte offen: „Könnte es zu einer Überhitzung kommen?“
Ein Riese auf einem Bein
Hinter der glänzenden Fassade gibt es Risse. Der frühere Fed-Präsident von Philadelphia, Patrick Harker, sagte, die Wirtschaft laufe mit „einem einzigen sehr großen Motor“ – dem Ausbau von Rechenzentren und Stromnetzen. Der Rest gleite nur so dahin.
Die Daten geben ihm recht. Laut New Yorker Fed erreichte die Ausfallquote bei Kreditkarten im ersten Quartal den höchsten Stand seit 2011. Die Hypothekenzinsen sind so hoch wie seit über zwei Jahren nicht, und der Immobilienmarkt steckt in der Krise. Dazu kommen steigende Ölpreise durch den Iran-Krieg.
Wie teuer jeder Zinsschritt ist, zeigt der Mittelständler Aurelius Chaves, Eigentümer des Straßenbaumaschinen-Herstellers Midland Machinery. Er wisse genau, wie viel ihn jede Erhöhung um einen Viertelprozentpunkt koste, sagte er. Wenn die Kosten der Händler steigen, bauten diese ihre Lagerbestände ab.
Fazit: Notenbanken unter politischem Dauerdruck
Ist ein Aufschwung, der fast allein von der KI-Euphorie lebt, wirklich stabil? Beobachter haben Zweifel. Warsh muss nun die Inflation bekämpfen, ohne den Präsidenten vor der Wahl völlig zu verärgern. Für Sparer ist das eine wichtige Lehre: Geldpolitik hängt immer auch vom politischen Druck ab. Auch Deutschland kennt das, denn mit dem Schuldenpaket der Merz-Regierung wächst die Abhängigkeit vom Zinsniveau.
Wer sein Vermögen gegen Inflation, Schuldenberge und politische Eingriffe absichern will, kann physisches Gold und Silber als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio in Betracht ziehen. Die Edelmetalle haben sich über Generationen als krisenfester Wertspeicher bewährt.
Hinweis: Dieser Beitrag dient nur der Information und ist keine Anlageberatung. Jeder Anleger muss selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.
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