
Zins-Showdown in Frankfurt: Ökonomen rufen Gipfel aus – Märkte zweifeln!

Die Europäische Zentralbank steckt in der Klemme. Laut einer Bloomberg-Umfrage vom 16. bis 21. Oktober erwarten Volkswirte im Dezember die letzte Zinserhöhung auf 2,75 Prozent und danach Stillstand bis Mai 2028. Die Finanzmärkte rechnen dagegen mit weiteren Erhöhungen. Gleichzeitig steigen die Zinsen auf französische Staatsanleihen so stark wie seit über 20 Jahren nicht mehr.
Zwei Lager, zwei Welten
Die Prognose der Ökonomen sieht so aus: Der Einlagensatz steigt im Dezember um 25 Basispunkte, danach folgt eine lange Pause. Erst nach Mai 2028 könnte die Notenbank die Zinsen wieder senken.
Händler sehen das anders. An den Terminmärkten sind für die kommenden zwölf Monate drei Zinserhöhungen eingepreist, der Dezember-Schritt eingerechnet. Zwischen Experten und Märkten liegt damit eine große Lücke. Eine der beiden Seiten wird sich irren.
Bei der Sitzung am 29. Oktober dürfte die EZB die Zinsen nach Einschätzung von Beobachtern noch nicht verändern. Die eigentliche Entscheidung fällt also erst im Dezember.
Iran-Krieg und Öl treiben die Preise
Seit Beginn des Iran-Kriegs hat die EZB die Zinsen bereits zweimal angehoben, im Juni und im September. Die Inflation in der Eurozone lag im vergangenen Monat bei 3,8 Prozent. Das ist fast doppelt so hoch wie das Ziel von 2 Prozent. Der Ölpreis liegt bei über 110 Dollar je Barrel.
Rabobank-Ökonom Bas van Geffen sieht trotzdem keinen Grund zur Eile. Er sagte gegenüber Bloomberg:
„Es gibt weiterhin keine Anzeichen dafür, dass sich die Energiepreisinflation auf die allgemeine Lohn- und Preisbildung ausweitet.“
Die EZB könne deshalb bis Dezember warten, meint er. Seine Kollegen sind allerdings weniger zuversichtlich. 75 Prozent der befragten Ökonomen halten es für möglich, dass die Inflation 2027 höher ausfällt als bisher erwartet. 57 Prozent sehen zugleich Risiken für das Wachstum im kommenden Jahr. Hohe Preise bei schwacher Wirtschaft: Das ist das Szenario, das Notenbanker am meisten fürchten.
Paris wird zum Problem für den Euro
Dazu kommt Frankreich. Die Rendite zehnjähriger französischer Staatsanleihen stieg am Donnerstag zeitweise auf 5,14 Prozent und erreichte damit den höchsten Stand seit Juli 2002. Zuletzt lag sie bei etwa 5,06 Prozent. Die Gründe sind hohe Schulden, ein großes Haushaltsdefizit und ein politischer Streit um den Haushalt. Manche Investoren befürchten bereits eine neue Euro-Schuldenkrise.
Für die EZB ist das ein Dilemma. Die Inflation spricht für höhere Zinsen. Höhere Zinsen machen aber die Schulden von Staaten wie Frankreich noch teurer und belasten die Wirtschaft.
Wiederholt sich 2012?
Viele erinnern sich an den Juli 2012. Damals versprach der damalige EZB-Chef Mario Draghi, den Euro um jeden Preis zu retten („Whatever it takes“). Die Kosten dafür trugen über Jahre die Sparer, durch extrem niedrige Zinsen. Heute hat die EZB mit dem Transmission Protection Instrument (TPI) ein eigenes Werkzeug gegen starke Marktturbulenzen. Rund 90 Prozent der befragten Ökonomen erwarten jedoch nicht, dass es eingesetzt wird.
Ähnlich sieht es ING-Chefökonom Carsten Brzeski. Er meint, die EZB könne Frankreich kaum helfen, solange das Land seine Probleme nicht selbst angehe. Die Notenbank könne höchstens mit vorsichtigeren Aussagen versuchen, die Zinserwartungen der Märkte zu bremsen.
Was das für deutsche Sparer bedeutet
Bei einem Einlagensatz von 2,50 Prozent und einer Inflation von 3,8 Prozent verlieren Sparer real Geld. Wer sein Geld auf dem Konto lässt, wird jeden Monat ärmer. Gleichzeitig ist nicht ausgeschlossen, dass die Notenbank irgendwann wieder überschuldete Staaten stützt. Viele Bürger sichern deshalb einen Teil ihres Vermögens mit physischem Gold und Silber ab. Edelmetalle hängen nicht von Zinsentscheidungen oder Staatshaushalten ab und können als Ergänzung in einem breit gestreuten Portfolio sinnvoll sein.
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